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Tierwelt

Turmfalke darf in die Freiheit fliegen

Die Vogelauffangstation des LBV in Regenstauf lädt zum Tag der offenen Tür ein. Zum Abschluss wird ein Falke ausgewildert.
Von Kerstin Hafner, MZ

Max Vandrey entlässt am 5. April in diesem Jahr einen Fischadler in die Freiheit.
Max Vandrey entlässt am 5. April in diesem Jahr einen Fischadler in die Freiheit.Fotos: F. Baer (1), Nina Meier

Regenstauf.In der Vogelauffang- und -pflegestation des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), die in Regenstauf auf bayernweit einzigartige Weise mit einer staatlich anerkannten Umweltstation verbunden ist, werden verletzte Vögel gesund gepflegt und verwaiste Jungvögel aufgezogen. Dieses Oberpfälzer „Vogel-Krankenhaus“ gibt es seit über 25 Jahren, es wurde auf Initiative von Karl Büchl ins Leben gerufen. 2006 erfolgte der Umzug vom Gewerbegebiet in die Masurenstraße in unmittelbare Nähe des Regenufers. 2008 baute der LBV daneben seine Umweltstation, deren Hauptaufgabe es ist, Menschen für Umwelt- und Naturschutz zu sensibilisieren und im Sinne einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zu motivieren, sich eigenverantwortlich für die Erhaltung ihrer Umwelt und insbesondere der Tier- und Pflanzenwelt einzusetzen. Mit jährlich rund 400 Veranstaltungen erreicht die Umweltstation Schulklassen, Jugendgruppen, Vereine und private Gruppen. Es werden sogar Kindergeburtstage veranstaltet – mit Geocaching und allem Drum und Dran. Die LBV-Geschäftsstelle in Regenstauf ist im gesamten Regierungsbezirk Ansprechpartner für Naturschutzfragen.

Seit zehn Jahren am Masurenweg

Am Sonntag, 18. September, lädt der LBV, dessen Vogelklinik sich also seit zehn Jahren am Masurenweg befindet, anlässlich dieses Jubiläums alle Interessierten von 11 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Die Besucher können die Arbeit des LBV unmittelbar kennenlernen. Sie erfahren, warum bestimmte Vogelarten immer seltener werden und was der Mensch dagegen tun kann. Sie können durch Gucklöcher in den Pflegevolieren Uhus, Schleiereulen, einige Störche, eine Dohle, eine Rabenkrähe und eine Wiesenweihe beobachten, dazu den zahmen Wanderfalken „Zwackerl“ erleben und einen handaufgezogenen Kranich, der mit seinesgleichen so gar nichts am Hut hat und sich stattdessen für einen Menschen hält. Diese beiden Exemplare sind aber die absolute Ausnahme, denn nur ein kleiner Teil der Tiere bleibt als Dauergast für die Umweltbildung auf der Station. Der eigentliche Zweck der Einrichtung ist die Wiederauswilderung der aufgepäppelten Vögel. Deshalb wird auch gegen Ende des Tags der offenen Tür ein Turmfalke freigelassen.

Um 12 Uhr werden Bürgermeister Siegfried Böhringer und LBV-Landesvorsitzender Dr. Norbert Schäffer offiziell die Gäste begrüßen. Ein Film des bekannten Hobbyfilmers Albert Schettl aus Neutraubling zeigt den Bau der Vogelstation 2006. Die Gäste sind dazu eingeladen, sich an einem großen Erinnerungsgemälde zu beteiligen und Vögel zu zeichnen. Das Mikroskopier-Labor der Umweltstation ist geöffnet, es gibt ein kleines Quiz und eine Tombola mit Preisen ... und zum Probieren ganz besonders leckeres Biobrot aus dem Urgetreide Emmer mit Wildkräuteraufstrichen. Außerdem können Gäste auch gerne gefundene Federn mitbringen und von den Ornithologen vor Ort bestimmen lassen.

Fachlicher Leiter der Vogelstation ist Ferdinand Baer. Sein Team besteht aus zusätzlich acht ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich – leider – um immer mehr verletzte oder verwaiste Vögel kümmern müssen und deshalb so langsam an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Zum Glück gab es nach dem ungewöhnlich heißen Jahr 2015, in dem sich die Zahl der gefiederten Patienten in der Vogelklinik verdoppelte, heuer leichte Entspannung.

Hauptsächlich Singvögel abgegeben

Bisher wurden rund 600 Tiere abgegeben, wie immer hauptsächlich Singvögel, aber auch etwa 15 Prozent Greifvögel, dazu Rabenvögel, Spechte, Wasservögel, Eulen und Störche. Etwa die Hälfte alle abgegebenen Vögel sind Nestlinge. Im Sommer z.B. hüpften die hilflosen Jungen von Mehlschwalben und Mauerseglern aus ihren Nestern, um unter den Dachvorsprüngen nicht bei lebendigem Leib gegrillt zu werden. Zehn bis zwölf Prozent aller abgegebenen Tiere wurden Opfer von Katzen, rund 30 Prozent sind mit Autos oder Glasscheiben kollidiert. In zehn Jahren hat die Vogelstation bereits 5500 Tiere aufgenommen. Etwa 45 Prozent der geschwächten oder verletzten Tiere kommen durch. Viele der betreuten Tiere sind gefährdet oder stark gefährdet (Rote Liste-Arten).

„Vor allem 2015 wurden uns viele Fälle skandalöser Umweltkriminalität gemeldet“, erklärt Christoph Bauer, Leiter des LBV-Zentrums in Regenstauf. „Da hatten wir einen vergifteten Uhu, zwei verstümmelte Wiesenweihen, einen Mäusebussard im Schlageisen und Turmfalken mit Schusswunden. Zum Glück hat sich der grausame Trend 2016 nicht fortgesetzt.“

Bauer fährt fort: „Heuer haben wir im Frühsommer relativ viele Jungstörche mit Gefiederschäden bekommen. Diese sind wahrscheinlich auf Mangelernährung durch eine längere Regenperiode zurückzuführen. Ein Teil dieser Störche bleibt über den Winter hier, weil sie den Zug nach Afrika nicht schaffen würden. Sie sollen 2017 ausgewildert werden.“

Gäste im Vogelkrankenhaus

  • Gänsesäger

    Ganz besondere Gäste waren heuer zehn Gänsesägerküken, die verwaist durch den Bad Abbacher Kurpark watschelten. Gänsesäger sind zwar Wasservögel, brüten jedoch in Baumhöhlen, aus denen die Küken dann herunterspringen, um ihren Eltern zum Wasser zu folgen. Nach erfolgreicher Aufzucht der Kleinen fanden sie im Naturpark Höllohe ein neues Zuhause.

  • Blaumeise

    Eine weitere Besonderheit war eine Blaumeise mit Leuzismus, einer genetischen Farbveränderung. Die Meise war gelblich-weiß gefärbt. Das halbflügge Vögelchen wurde von Kindern in einem Park malträtiert und von aufmerksamen Passanten beim LBV abgegeben, wo es nach kurzer Zeit freigelassen werden konnte.

  • Weitere Gäste

    Weitere Kurzzeit-Gäste waren ein Fischadler, der sich in einem Drahtnetz verfangen hatte, und eine geschwächte Rohrweihe (Rote Liste) vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr. (lkh)

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