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Vögel dürfen zurück in die Natur

Während der Vogelgrippe wurde es in der Regenstaufer Vogelstation eng. Am Donnerstag wurde der erste Wildvogel ausgewildert.
Von Sabine Norgall, MZ

Die Quarantäne der Vogelgrippe ist aufgehoben. Am Donnerstagabend entließ Ferdinand Baer, Leiter der Vogelstation, als ersten Vogel einen Mäusebussard in die Freiheit.
Die Quarantäne der Vogelgrippe ist aufgehoben. Am Donnerstagabend entließ Ferdinand Baer, Leiter der Vogelstation, als ersten Vogel einen Mäusebussard in die Freiheit. Fotos: Norgall

Regenstauf. Die Bedingungen am frühen Donnerstagabend sind ideal. Es ist frühlingshaft mild, der Mäusebussard, der seit vergangenem Jahr in der Regenstaufer Vogelstation aufgepäppelt wurde, hat gefressen und den Kropf voll. Ferdinand Baer, Leiter der Vogelstation, hat schon unzählige Vögel in die Freiheit entlassen. Ohne große Geste öffnet er seine Hände. Der Mäusebussard, der dort wenige Minuten auf dem Weg zur Wiese am Regenufer in Schockstarre saß, breitet sofort seine Flügel aus. Er zieht noch ein paar Kreise am Abendhimmel und ist weg. Ferdinand Baer schaut ihm zufrieden nach. Um den erfahrenen Altvogel macht er sich keine Sorgen. Der hat an diesem Abend nur noch eine Aufgabe: Er muss einen Schlafplatz finden.

Es wurde eng

Das Gefieder des Mäusebussards hatte sich sehr gut entwickelt.
Das Gefieder des Mäusebussards hatte sich sehr gut entwickelt. Foto: Norgall

Eigentlich hätte der Mäusebussard schon viel früher zurück in die Freiheit gekonnt. Zunächst kam aber der besonders kalte Januar, dann die Vogelgrippe. Nach dem Fund verendeter Tiere in Lappersdorf, Regensburg und der Höllohe bei Teublitz hielt die Geflügelpest Regenstauf quasi im Klammergriff. Regenstauf selbst lag in keinem Sperrbezirk, war wegen der Nähe zu den anderen Fällen aber Beobachtungsbezirk.

Sehen Sie im Video: Nach der Vogelgrippe werden aus der Vogelstation in Regenstauf wieder Wildvögel ausgewildert.

Für die Regenstaufer Vogelstation bedeutete das: Seit dem 30. Januar bis zum Montag, 13. März, wurde in der Vogelstation kein Vogel aufgenommen und keiner freigelassen. Besucher der Umweltstation duften nur ins Gebäude. Die Volieren, eine der beliebtesten Attraktionen, betraten nur Mitarbeiter, die unmittelbar mit der Versorgung der Vögel betraut waren. Gummistiefel, Desinfektionsmatten und Schutzanzüge gehörten in den vergangenen Wochen zu deren Grundausstattung. Durch diese Vorsichtmaßnahmen wollte man in erster Linie vermeiden, den Erreger in die Vogelstation einzuschleppen. Laut Christoph Bauer, Leiter der Umweltstation, war aber auch nicht auszuschließen, dass ein Tier der Vogelstation den Erreger hätte weitergeben können, ohne selbst daran zu erkranken.

Risiko eindämmen

In den Volieren mussten deren Bewohner zusammenzurücken. Die Tiere wurden so untergebracht, dass möglichst alle Käfige überdacht waren, um Infektionsweg durch den Kot von Wildvögeln auszuschließen. Mit Schrecken blickten die Mitarbeiter der Umweltstation auf die Keulungsaktion in der Höllohe. Durch Vorsicht, sagt Christoph Bauer, wollte man das Risiko so klein wie möglich halten.

Bilanz 2016

  • Patienten

  • Mit 678 Vögeln, die im Vorjahr in der Vogelstation Regenstauf gepflegt wurden, kam diese wieder an ihr Limit. Über die Hälfte waren Singvögel. Mit 131 waren Greifvögel die zweitgrößte Gruppe.

  • Jungvögel

  • Die Hälfte aller Patienten waren wieder einmal Jungvögel. Dazu sagt Ferdinand Baer, Leiter der Vogelstation: „Es wäre uns und manchem jungen Vogel geholfen , wenn er einfach vor Ort belassen würde.“ Die Entnahme aus dem elterlichen Revier, Transport und künstliche Aufzucht seien Faktoren, die einen Jungvogel extrem stressen.

  • Greifvögel

  • Die Zahl der Greifvögel und Eulen war 2016 höher als sonst, auch die Zahl junger Weißstörche. Etwa die Hälfte litt an Gefiederdefekten, wahrscheinlicht verursacht durch Futtermangel in einer gewissen Zeitspanne.

  • Auswilderungsquote

  • Die Auswilderungsquote bezeichnet Ferdinand Baer als „traumhaft“. Fast die Hälfte der 2016 aufgenommenen Patienten konnte wieder ausgewildert werden.

  • Besonderheiten

  • Die Versorgung einer Wasserralle war im vergangenen Sommer ein besonders Erlebnis. Bereits seit 2015 wird eine Wiesenweihe gepflegt. Deren Gefieder sollte bis zum Mai so weit hergestellt sein, dass sie in Mainfranken, wo sie herkam, wieder in die Freiheit entlassen wird. Ein besonderer Augenblick war auch die Auswilderung eines Uhus im Naabtal.

Erleichtert sah Bauer zu, als die Vogelstation ihren ersten Wildvogel nach der Grippewelle in die Freiheit entließ. In den Volieren war es eng geworden. Viele der Patienten waren wegen Schäden am Gefieder in die Vogelstation gekommen. Sie wurden gesund gepflegt. Wildvögel, sagt Bauer, kann man aber nicht ohne weiters auf engem Raum zusammensperren. Durch Stress oder Kämpfe könnte das gerade erst wieder hergestellt Gefieder erneut beschädigt werden.

Kein Spielraum für Aufnahmen

Christoph Bauer ist erleichtert, dass die Auflagen der Vogelgrippe aufgehoben sind.
Christoph Bauer ist erleichtert, dass die Auflagen der Vogelgrippe aufgehoben sind. Foto: Norgall

„Gott sei Dank“, seufzt Bauer, fiel die Vogelgrippe nicht in die Hauptsaison in der Vogelstation. Nur wenige Vogelfreunde, die kranke Tiere bringen wollten, mussten abgewiesen werden. Auch Erkundigungen der Polizei, die im Straßenverkehr verletzte Greifvögel meldete, blieben erfolglos. Die Quarantäne ließ keinen Spielraum.

Seit Donnerstag ist in ganz Bayern die landesweite Stallpflicht für Hausgeflügel gelockert. Um eine erneute Ausbreitung der Vogelgrippe in der Wildpopulation rasch zu erkennen führt Bayern das bestehende Wildvogelmonitoring intensiv weiter.

120 Fälle in Bayern

Drei Jungstörche, die in der Vogelstation aufgepäppelt wurden, werden in den nächsten Tagen freigelassen.
Drei Jungstörche, die in der Vogelstation aufgepäppelt wurden, werden in den nächsten Tagen freigelassen. Foto: Norgall

Laut einer Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz wurden in den vergangenen Monaten in Deutschland über 1000 Fälle der Geflügelpest (umgangssprachlich Vogelgrippe) bei Wildvögeln und über 80 Fälle bei Hausgeflügel bestätigt. In Bayern gab es bei den Wildvögeln rund 120 Nachweise. Aktuelle Informationen und Fallzahlen zur Vogelgrippe in Bayern bietet das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter www.lgl.bayern.de

Quarantäne vorbei: Erleichterung in der Vogelstati

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