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Agrar

Ungewissheit plagt die Landwirte

Das Wohl der Tiere wird wichtiger. Bauern müssen deshalb investieren, doch klare Vorgaben vom Staat fehlen derzeit.
Von Alex Huber

Clemens Messner legt Wert auf das Wohl seiner Ferkel. Weil er aber nicht weiß, ob die aktuelle Gesetzeslage zur Nutztierhaltung auch weiterhin Bestand hat, scheut er derzeit große Investitionen. Foto: Huber
Clemens Messner legt Wert auf das Wohl seiner Ferkel. Weil er aber nicht weiß, ob die aktuelle Gesetzeslage zur Nutztierhaltung auch weiterhin Bestand hat, scheut er derzeit große Investitionen. Foto: Huber

Taimering.Stolz führt Clemens Messner seine Besucher durch den Schweinestall. Für die Ferkel, die erst kurz vor Weihnachten das Licht der Welt erblickten, gibt es sogar eine Fußbodenheizung. Seine Frau Patricia nimmt eines der Tiere auf den Arm und streichelt es. Man merkt, dass den Messners das Wohl ihrer Tiere wichtig ist.

Der Hof, den der Landwirt 2010 von seinem Vater Ludwig übernommen hat steht etwa einen Kilometer vom Stall entfernt. Für eine wirtschaftliche Nutztierhaltung sei der Grund im Ort einfach zu klein gewesen, bekräftigt Ludwig Messner. Trotz oder gerade wegen all der Mühen, die die Tierhaltung mit sich bringt, gilt der Betrieb der Taimeringer als beispielhaft – weshalb der Bayerische Bauernverband(BBV) sein Stallgespräch 2018 dort abhielt.

Zahl der Betriebe sinkt rapide

Die Messners verdienen ihren Lebensunterhalt zum größten Teil mit Mast- und Zuchtschweinen. Weil artgerechte Haltung für die Verbraucher und damit auch für die Politik immer wichtiger wird, steigt für die Bauern der finanzielle Aufwand. Gesetzliche Vorgaben wie etwa die Gruppenhaltung für Zuchtsauen hätten vor allem für kleine Familienbetriebe das Aus bedeutet, sagt BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz. „Die Nutztierhaltung ist der bedeutendste Betriebszweig der Landwirtschaft im Freistaat. 76Prozent des Einkommens werden damit erwirtschaftet.“ Die Zahl der Betriebe in Ostbayern sinkt rapide. „Der Landkreis Regensburg war einst der Agrarlandkreis in Bayern. Heute sind wir eher der Industrielandkreis“, sagt Kreisobmann Johann Mayer. Noch knapp 325Milchkuhbetriebe gibt es hier noch. Zu Beginn von Mayers Amtszeit waren es noch über 4000.

Auch die Schweine-Zucht von Evi Heigl in der Nähe von Kallmünz sorgt sich um das Wohl der Tiere. Dafür wurde die Landwirtin ausgezeichnet.

Von links nach rechts: Josef Wutz, Rosmarie Messner, Georg Leitermann, Ludwig Messner, Johann Mayer, Patricia und Clemens Messner, Josef Wittmann Foto: Huber
Von links nach rechts: Josef Wutz, Rosmarie Messner, Georg Leitermann, Ludwig Messner, Johann Mayer, Patricia und Clemens Messner, Josef Wittmann Foto: Huber

Seltsam genug: Trotz des wachsenden Bewusstseins für artgerechte Haltung von Tieren sind die meisten Deutschen nicht bereit, mehr Geld für ihre Ernährung auszugeben. „Wenn Lebensmittel ein paar Cent mehr kosten, dann kommt der große Aufschrei“, sagt Mayer. „Das hat man bei der Butter gesehen.“ In anderen europäischen Ländern seien die Menschen dagegen sehr wohl bereit, vernünftige Preise für Fleisch und Lebensmittel zu bezahlen, sagt der Kreisobmann. In der Tat geben Deutsche laut einer Untersuchung des Finanzportals „Vexcash“ nur 10,3 Prozent ihres Einkommens für Ernährung aus–die weltweit neuntniedrigste Quote.

Die Schweinepest

  • Ein großes Thema

    für die Landwirte könnte 2018 die afrikanische Schweinepest werden. Nachdem in Tschechien bereits Fälle aufgetreten sind, fürchten Bauern, dass sich auch in Deutschland Tiere infizieren. „Überträger ist der Schwarzwildbestand, der enorm zugenommen hat“, erklärt Josef Wutz.

  • Wenn in Deutschland

    Fälle der Schweinepest auftreten, fürchtet Wutz, dass überhaupt kein Fleisch mehr ausgeführt werden darf. Der BBV sei deshalb aktiv geworden. „Wir haben Gespräche mit Landratsämtern und Jägern geführt.“ In einigen Landkreisen ist deshalb nun die Wildschweinjagd mit sogenannten „Saufängen“ erlaubt.

Ein weiteres akutes Problem der Landwirte: Sie können derzeit nicht langfristig planen. Denn die alte Regierung hat die anstehende Neuerung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung nicht mehr umgesetzt. Und weil es noch keine neue Regierung gibt, sind den Bauern die Hände gebunden. „Wir verlieren wertvolle Zeit. Ein Bauer kann nicht viel Geld investieren, ohne die Sicherheit zu haben, seinen Hof auch weiterhin nach den jetzigen Gesetzen betreiben zu dürfen“, erklärt Georg Leitermann, Leiter des Fachzentrums für Schweinezucht und -haltung in Schwandorf. Die Bauern scheuten Investitionen, weil Gewinne nur noch sehr schwer zu erwirtschaften seien. Selbst Betriebe mit über 200 Schweinen geben auf, berichtet Leitermann.„Wir haben einen überproportionalen Rückgang.“ Das zeige sich vor allem bei den Ferkelerzeugern. 2010 habe Bayern noch jährlich eine Million Ferkel in andere Bundesländer verkauft. „Heute importieren wir zwei Millionen jährlich nach Bayern.“

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