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Feuerwehr

Atemschutzträger üben bei 500 Grad Hitze

Training im Übungscontainer vermittelt Erfahrungen, die Leben retten können. Die Heißausbildung war in Schierling möglich.
Von Ralf Strasser, MZ

  • Kreisfachberater für Atemschutz Rainer Stadlbauer (rechts) beobachtet die Ausbildung im Container. Fotos: R. Strasser
  • Sicherheit geht vor, alles muss überprüft werden

Schierling.Es ist heiß. Sehr heiß. An die 400 bis 500 Grad. Dichter Rauch raubt die Sicht, kochend heißer Wasserdampf beschlägt die Gesichtsmaske. Johann Aumeier ist Feuerwehrmann und der 45-jährige Diesenbacher ist das, was man einen erfahrenen Aktiven nennen kann. Aumeier ist Atemschutzgeräteträger. Einer, der im Brandfall mit 40 Kilogramm schwerer Ausstattung vor Ort Leben rettet und Feuer löscht.

Der Raum, in dem sich Aumeier zusammen mit sieben weiteren Feuerwehrmännern aus dem ganzen Landkreis befindet, ist ein Container. „Aber ein ganz besonderer“, erklärt Rainer Stadlbauer, Kreisfachberater für Atemschutz im Landkreis Regensburg. Es ist ein Brandübungscontainer für die Heißausbildung. Sein Alleinstellungsmerkmal: Er ist der einzige Container für die Realbrandausbildung in ganz Bayern. Nicht gerade viel für 7200 Atemschutzträger, umso größer die Begehrlichkeiten, diesen Container in die jeweiligen Feuerwehrbezirke zu bekommen.

Projekt kostet 1,2 Millionen Euro

Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer ist dies gelungen. Eine Woche steht der feststoffbefeuerte Übungscontainer bei der Feuerwehr in Schierling bereit für die Atemschutzträger der Feuerwehren im Landkreis. Der Brandübungscontainer steht im Mittelpunkt eines Projekts, das das Bayerische Innenministerium und der Landesfeuerwehrverband Bayern auf die Beine gestellt haben. 1,2 Millionen Euro investiert der Freistaat in das „Fitmachen für schwierige Einsätze“.

„Realitätsnahe Ausbildung ist schon ein Kostenfaktor für die Feuerwehrvereine“, sagt Stadlbauer. „Eine gute Heißausbildung kostet bei den entsprechenden Firmen bis zu 100 Euro pro Teilnehmer. Beim Brandübungscontainer des Innenministeriums ist die Teilnahme kostenlos.“ Seit 2015 läuft das Projekt, befristet ist es auf vier Jahre. „Zunächst“, wie Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer betont. „Wir hoffen natürlich, dass es danach weitergeht.“ Doch die Krönung der „Heißausbildung“ wäre für Scheuerer ein eigenes Brandübungshaus, wie es beispielsweise in Würzburg eines gibt.

„Dafür stehen auch Mittel in Höhe von 22 Millionen Euro zur Verfügung“, sagt der Kreisbrandrat, schiebt allerdings ein „eigentlich“ hinterher. „Uns wurde vom Ministerium mitgeteilt, dass die Finanzierung wieder gestrichen wurde. Warum weiß keiner. Wir werden aber mit Hilfe der Abgeordneten Sylvia Stierstorfer weiter am Ball bleiben.“ Bis es (vielleicht) irgendwann einmal so weit kommt, ist der Brandübungscontainer wie ein Geschenk des (Ausbildungs-) Himmels, wie sich Stadlbauer ausdrückt. „Heißausbildung ist das A und O der Realausbildung.“ Für ihn ist es gut angelegtes Geld vom Freistaat. Auch die Teilnehmer, wie der erst 18-jährige Atemschutzträger Sven Kulzinger von der FFW Diesenbach, sind vom Konzept überzeugt. Nach der eineinhalbstündigen Theorie zur Brandentstehung, zum Brandverlauf und zu dessen Bekämpfung geht es für gut 30 Minuten in den verrußten Container. Pressholz wird entzündet, Gase entstehen, der Vollbrand nimmt seinen Lauf. Immer wieder wird der Raum verschlossen, die Sicht geht gegen Null. Dampf entwickelt sich, Rauch, der „gelesen“ werden muss. „Schwarzer Rauch ist gefährlich“, erklärt Ausbilder Florian Weiß von der Firma Dräger Safety. „Wenn sich der entzündet, kann es zum sogenannten Flashover kommen.“ Bis zu 1000 Grad kann es dann heiß werden. „Das hält kein Mensch und kein Material aus“, sagt Kreisbrandrat Scheuerer.

Das Fazit ist durchgängig positiv

Jeweils acht Teilnehmer werden mit einer realitätsnahen Brandbekämpfung konfrontiert, ein typischer Zimmerbrand mit typischer Hitze und Rauchentwicklung simuliert, das Strahlrohr kommt reihum zum Einsatz. Draußen, bei strömendem Regen, riecht es nach Lagerfeuer, drinnen im Container klettern die Temperaturen in Höhen, die ohne Sicherheitsausrüstung nicht auszuhalten wären. „Wichtig für die Teilnehmer ist auch das Erleben, wie sich ein Brand entwickelt“, merkt Stadlbauer an. „Durch dieses Wissen werden die Atemschutzträger sensibilisiert für Situationen, die auf sie zukommen können.“ Das Fazit der Übungsteilnehmer ist durchgängig positiv. „Ich mache das ja schon 30 Jahre lang“, meint der Praktiker Johann Aumeier, „aber die Heißausbildung ist absolut notwendig, die Erfahrung, die man hier macht, kann Leben retten.“

Realistische Bedingungen

  • Das Projekt

    Persönliche Erfahrungen sind außerordentlich wichtig, um Fehlentscheidungen bis hin zu lebensgefährlichen Situationen zu vermeiden. Der neue, feststoffbefeuerte Brandübungscontainer hilft, diese Lücke zu schließen. 1,2 Millionen Euro investiert der Freistaat Bayern in den Container und in die Ausbildung. Das Projekt wird vom Landesfeuerwehrverband begleitet.

  • Umfang und Ziele

    Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt. 7200 Atemschutzgeräteträger können bayernweit geschult werden. Etwa 180 Feuerwehrleute aus dem Landkreis Regensburg kommen in den Genuss der Heißausbildung im Brandübungscontainer. Übungsziele sind Sensibilisierung für Brände und Brandverläufe, Trainingsmöglichkeit unter realistischen Bedingungen. (msr)

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