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Gedenken

Pilot opferte sich für Unterlaichling

Ein Marterl erinnert an den Mann, der 1943 einen Absturz hinauszögerte und so den Ort rettete. Nun wurde es restauriert.
Von Fritz Wallner

In der Nähe von Unterlaichling hatte sich 1943 der Pilot Wilhelm Seidel geopfert, um das Dorf vor einer Katastrophe zu bewahren. An der Segnung des restaurierten Marterls durch Pfarrer Josef Helm nahmen auch Organisator Robert Fuchs (Bildmitte) sowie Bürgermeister Christian Kiendl und Kreisrätin Rita Blümel teil. Foto: Fritz Wallner
In der Nähe von Unterlaichling hatte sich 1943 der Pilot Wilhelm Seidel geopfert, um das Dorf vor einer Katastrophe zu bewahren. An der Segnung des restaurierten Marterls durch Pfarrer Josef Helm nahmen auch Organisator Robert Fuchs (Bildmitte) sowie Bürgermeister Christian Kiendl und Kreisrätin Rita Blümel teil. Foto: Fritz Wallner

Schierling.Mit sechs Gedenk-Fallschirmsprüngen wurde nördlich von Schierling daran erinnert, dass Unterlaichling am 12. Juli 1943 nur knapp einer Katastrophe entging. Der Pilot Wilhelm Seidel zog das über dem Dorf in Flammen stehende Flugzeug noch einmal hoch, ehe es im nahen Wald abstürzte und zerschellte. Der damals 33-Jährige opferte sein Leben. Das für ihn schon vor über 70 Jahren errichtete Marterl wurde jetzt restauriert und erneut gesegnet.

Sprünge zum Gedenken

Die Initiative für die Aktion hatten der Historiker Peter Schmoll aus Sandsbach und Geschichtsbegeisterte um den Obersandinger Robert Fuchs ergriffen. Sie kooperieren mit dem Round Canopy Parachuting Team „RCPT“, einem internationalen Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Gedenkveranstaltungen zu Ereignissen des Zweiten Weltkriegs mit stilgerechten Rundkappen-Fallschirmsprüngen zu unterstützen. Es gelte, damit die Alliierten Soldaten zu ehren, die kämpften und starben, um Europas Freiheit wiederherzustellen, so deren Sprungdienstleiter Sebastian Merkel.

Unter den rund 300 Zuschauern waren auch Zeitzeugen wie die beiden 89-jährigen Josef Froschhammer aus Unterlaichling und der ehemalige Schierlinger „Dengler-Wirt“ Ludwig Dengler. In beiden ist die Erinnerung hellwach. Das Flugzeug sei aus Südwesten in Richtung Flugplatz Obertraubling unterwegs gewesen, überflog Schierling und hat da schon gebrannt, so Dengler. Froschhammer hatte als 13-Jähriger das Flugzeug von Zaitzkofen her über Unterlaichling gesehen. Er erinnere sich an einen weißen Streifen, den das Flugzeug nachzog, und der immer schwärzer wurde, bis die Messerschmitt 410 zum Feuerball wurde. Er habe auch jemanden herausspringen sehen und später auf dem Feld von Alfons Biersack einen Schuh des Piloten gefunden.
Peter Schmoll hatte recherchiert, dass es sich um einen Überführungsflug zum Flugplatz Obertraubling handelte, den der fronterfahrene Pilot ausführte. Ein Triebwerksschaden sei der Auslöser der Katastrophe gewesen. Seidel habe eine große Schleife gezogen und sei im Tiefflug über Unterlaichling gewesen. Er habe den Absturz solange verhindert, bis sein Bordfunker mit dem Rettungsfallschirm aussteigen konnte, ohne dass dieser allerdings überleben konnte. Für den Oberleutnant reichte die verbleibende Höhe nicht mehr zur Rettung aus, und so stürzte er in ein Getreidefeld und starb.

Viele Helfer

Mit Applaus verfolgten die vielen Besucher die Fallschirmspringer, die vom weiß-blauen Himmel schwebten. Bei der Segnung des Gedenkkreuzes sagte Pfarrer Josef Helm, dass durch jeden Tod auch Verwandte und Freunde in Mitleidenschaft gezogen werden. Für Schierlings Bürgermeister Christian Kiendl ist Wilhelm Seidel ein Held, der Unterlaichling vor einer Tragödie bewahrte. Robert Fuchs dankte allen Unterstützern, darunter die Feuerwehr Unterlaichling, Bürgermeister Kiendl, Steinmetz Knüpfer für die Steinplatte mit Beschriftung, Labertaler Fachmarkt für Baumaterialien, sowie Auto Körner für das Reinigen des Kreuzes.

Ein dritter Toter?

  • Vermutung:

    Es könnte auch noch eine dritte Person, ein Zivilist, von dem Absturz betroffen gewesen sein. Dieser sei zwar offiziell nicht aufgeführt gewesen, doch es sei nicht unüblich gewesen, weitere Personen mitzunehmen, sagt Sebastian Merkel.

  • Absprung:

    Der Zivilist sei auch mit dem Fallschirm abgesprungen, allerdings am Leitwerk hängengeblieben und auch zu Tode gekommen.

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