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Vorführung

Schierling: Holzfällen als Extremsport

Zwei Profis zeigten in Schierling ihr Können mit Axt und Säge. In Wettkämpfen sind Zehntelsekunden entscheidend.
Von Dr. Elisabeth Angenvoort

Der Regenstaufer Thomas Hofbauer demonstrierte die Kunst, eine Hot Saw zu beherrschen, eine Motorsäge mit bis zu 80 PS. Fotos: Elisabeth Angenvoort
Der Regenstaufer Thomas Hofbauer demonstrierte die Kunst, eine Hot Saw zu beherrschen, eine Motorsäge mit bis zu 80 PS. Fotos: Elisabeth Angenvoort

Schierling.Stilecht läuten die „Höllenglocken“ von AC/DC die fulminante Show der Stihl Timbersport Series (STS) ein: Auf der Bühne im Firmengelände der Labertaler Heil- und Mineralquellen Schierling standen Dirk Braun aus Winterberg, achtfacher Deutscher Meister, Europameister und amtierender Weltmeister, und der Regenstaufer Thomas Hofbauer, der schon in vielen Wettkämpfen mit außerordentlicher Leistung überzeugte. „Wir wollen unseren Gästen einfach etwas ganz Besonderes am Tag der Offenen Tür bieten“, sagte Lilo Sillner, Geschäftsführerin des Mineralbrunnenbetriebs. Die STS-Show war Bestandteil des Programms. Die internationalen Wettkampfserien in der Königsklasse des Sportholzfällens haben ihre Wurzeln in Übersee. Aus lokalen Wettbewerben entwickelten sich professionelle Wettkämpfe auf hohem sportlichen Niveau, die mittlerweile national und international ausgetragen werden.

Das Springboard . Fotos: Elisabeth Angenvoort
Das Springboard . Fotos: Elisabeth Angenvoort

Mit Äxten, Hand- und Motorsägen demonstrieren die Sportler ihr Können als ein perfektes Zusammenspiel von Kraft, Ausdauer, Technik und Präzision in einem Kampf gegen die Zeit: Zehntelsekunden entscheiden hier über Sieg oder Niederlage.

Vom Moto-Cross zur Kettensäge

Der Regenstaufer Thomas Hofbauer kam auf Umwegen zum Sportholzfällen. Seit früher Kindheit fuhr er begeistert Moto-Cross-Rennen mit seinem Bruder, doch nach mehreren Unfällen musste er den Motorradsport verletzungsbedingt aufgeben. Geblieben sind ihm aus dieser Zeit ein versteiftes Handgelenk und Knie- sowie Rückenprobleme. Der junge Mann gab aber sportlich keinesfalls auf, sondern suchte nach einer Alternative.

Hier sehen Sie mehr Bilder von den Sportholzfällern:

Top-Athleten an Axt und Säge in Schierling

Er war 24, als er 2014 zu Wolfgang Kraus kam, der im Vorjahr mit dem Deutschen Team den fünften Platz bei der STS Weltmeisterschaft in Stuttgart erreicht hatte. „Er hat mir mein erstes Trainingswerkzeug aus seinem privaten Fundus für einen minimalen Obolus zur Verfügung gestellt“, sagt Hofbauer. Das Equipment ist so kostenintensiv, dass er es sich damals gar nicht hätte leisten können, ganz abgesehen von der Lieferzeit von bis zu drei Jahren: „Niemand in Europa stellt solches Werkzeug her.“

Der Single Buck . Fotos: Elisabeth Angenvoort
Der Single Buck . Fotos: Elisabeth Angenvoort

Als Nachwuchssportler erkämpfte sich Hofbauer auf Anhieb den zweiten Platz beim internationalen Rookie-Cup in München 2014 und stieg schon 2015 in die Profiserie ein. Wie schafft man so eine Leistung, die dem Körper extrem viel abverlangt? „Ohne körperliche Fitness nützt die beste Technik nichts und umgekehrt“, sagt Hofbauer. Trainiert wird das ganze Jahr; vier bis sechs Wochen vor einem Wettkampf steht fünfmal pro Woche ein intensives Training auf dem Programm.

Ausgebuchte Einsteiger-Camps

Der Weg bis zum Einstieg in die Königsklasse führt über acht „Schnupper-Camps“, vier Vorbereitungs-Camps und vier Profi-Camps im Trainingsstützpunkt Mellrichstadt/Rhön. „Die Einsteiger-Camps sind immer ausgebucht“, sagt STS-Nationaltrainer Phillip Vielwerth, der die deutschen Athleten durch jeden Wettkampf begleitet. Und ja, es gibt auch eine Frauenliga. Derzeit sind sieben Sportholzfällerinnen aktiv und auch bei der deutschen Meisterschaft im kommenden August vertreten. Hofbauer seinerseits bekommt viel Rückhalt von seiner Frau und der kleinen Tochter: „Familie ist das wichtigste.“

Der Standing Block Chop . Fotos: Elisabeth Angenvoort
Der Standing Block Chop . Fotos: Elisabeth Angenvoort

In Schierling stellten Hofbauer und Braun unter der Moderation von Benedikt Rückert vom STS-Team die sechs Wettkampfdisziplinen vor: Standing Block Chop, Underhand Chop, Stock Saw, Hot Saw, Single Buck und, als Königsdisziplin, das Springboard. Zwei Freiwillige durften sich an der Single Buck versuchen, einer gigantischen Zweimeter-Handzugsäge, die ihrem „Benutzer“ entsprechende Energie und Standfestigkeit abverlangt. Was er denn heute noch vorhabe, wollte Moderator Vielwerth von einem der Freiwilligen danach wissen. „Niederlegen“, sagt dieser erschöpft.

Die Wettkampf-Disziplinen

  • Stock Saw:

    Von einem waagrecht eingespannten Pappelholzblock mit 40 Zentimetern Durchmesser werden mit einer Motorsäge mit einem Abwärts- und einem Aufwärtsschnitt zwei Cookies in einem Stück abgesägt. Bestzeiten: zehn Sekunden.

  • Single Buck:

    Die zwei Meter lange Handzugsäge erfordert Technik und Rhythmus, um in einer guten Zeit von unter 15 Sekunden eine Holzscheibe aus dem horizontal befestigten Block abzuschneiden. Um die Beweglichkeit der Säge zu erhöhen, darf ein Ölgemisch aufgesprüht werden.

  • Standing Block Chop:

    Diese Disziplin simuliert das Fällen eines Baumes mit der Axt. Dabei muss ein senkrecht verankerter Holzblock von 30 Zentimetern Durchmesser präzise von beiden Seiten durchschlagen werden.

  • Springboard:

    Die Königsdisziplin beruht auf einer Arbeitsweise, bei der man den Baum über dem Stammstück fällt. Dazu werden Taschen in den Stamm gehackt, um darin Bretter als Standfläche zu befestigen. Ziel im Wettkampf ist es, das oben montierte Holzstück zu durchschlagen.

Insgesamt kamen rund 7000 Interessierte nach Schierling, um sich anzuschauen, wie Mineralwasser und Erfrischungsgetränke in die Flaschen kommen. Ein Rundgang führte durch die Produktionshallen und das hochmoderne Hochregallager. So mancher staunte über die Technik, die hinter dem familiengeführten Unternehmen steckt. Moderne Abfüllanlagen, fahrerlose Transportsysteme und ein vollautomatisches Hochregallager bekommt man nicht jeden Tag zu sehen.

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