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Schierling ist beim Klimaschutz top

Markt investiert viel Geld in Energiesparprojekte und will seine Bürger zum Mitmachen bewegen – ein schwieriges Unterfangen.
Von Christof Seidl, MZ

Fotovoltaik auf Dächern und auf 32 Hektar Freifläche bringen Schierling in der Solarbundesliga weit nach vorne.
Fotovoltaik auf Dächern und auf 32 Hektar Freifläche bringen Schierling in der Solarbundesliga weit nach vorne. Foto: dpa

Schierling.In Sachen Klimaschutz ist der Markt nicht nur im Landkreis eine Vorzeigegemeinde. Seit mindestens zehn Jahre sind Energieeinsparung und die Erzeugung regenerativer Energie in der Schierlinger Politik zentrale Themen. Eines der jüngsten Projekte ist die komplette Umstellung der Placidus-Heinrich-Grund- und Mittelschule auf LED-Beleuchtung. Fast 300000 Euro ließ sich der Markt die Maßnahme kosten. Dank staatlicher Fördermittel und eingesparter Stromkosten von rund 15000 Euro pro Jahr wird sich das Projekt binnen zehn bis zwölf Jahren (je nach Strompreis) bezahlt machen.

Wichtiger ist Bürgermeister Christian Kiendl und dem Energiemanager des Markts, Klimaschutzmanager Franz Hien, aber ein anderer Aspekt. Durch die sparsame LED-Beleuchtung werden pro Jahr gut 50 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) weniger verbraucht. Das ist so viel CO2, wie ein Kleinwagen auf der Strecke von der Erde bis zum Mond ausstoßen würde – jedes Jahr.

Vorbildfunktion übernehmen

85 Prozent weniger Stromkosten: Schierlings Klimamanager Franz Hien mit der neuen LED-Beleuchtung in der Placidus-Heinrich-Schule
85 Prozent weniger Stromkosten: Schierlings Klimamanager Franz Hien mit der neuen LED-Beleuchtung in der Placidus-Heinrich-Schule Foto: lww

Insgesamt hat der Markt 2016 für fast 900000 Euro Klimaschutzmaßnahmen fertiggestellt. Damit werden durchschnittlich etwa 85 Prozent des früheren Energieverbrauchs gespart und es gelangen jährlich etwa 1095 Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre, das für den Klimawandel und die Erderwärmung verantwortlich ist. Genau darum geht es dem Schierlinger Bürgermeister: Die öffentliche Hand müsse eine deutlich sichtbare Vorbildfunktion übernehmen, wenn es um Klimaschutz geht.

Deshalb gibt es in der Schule seit langem ein Blockheizkraftwerk, und der Bauhof wird ausschließlich mit Hackschnitzeln beheizt, die aus der Pflege der eigenen Grünanlagen gewonnen werden. „Der Markt unternimmt seit Jahren erhebliche Anstrengungen, um auf diesem Gebiet seiner Verantwortung gerecht zu werden. Und er unternimmt alles, um auch die Bürger zum Handeln – nach ihren Möglichkeiten – zu bewegen.“

Die Bürger sind vielleicht Kiendls größte Herausforderung. Denn angesichts niedriger Ölpreise war das Interesse, veraltete Ölheizungen gegen moderne Anlagen auszutauschen, die mit regenerativen Energiequellen arbeiten, nicht so ausgeprägt wie gewünscht. Der Markt hat 2016 sogar eine Heizkesseltausch-Prämie eingeführt, die Kiendl auf jeden Fall auch in diesem Jahr beibehalten will.

Bürgermeister Christian Kiendl treibt den Klimaschutz voran.
Bürgermeister Christian Kiendl treibt den Klimaschutz voran. Foto: lww

Der Mann, der diesen Kampf für mehr Klimaschutz an vorderster Front führt, ist der Klimaschutzmanager. Seit zwei Jahren im Amt ergreift Franz Hien jede Gelegenheit, um die Bevölkerung für den Klimaschutz, insbesondere für das Energiesparen, zu sensibilisieren, oft genug in Einzelberatung. „Man muss zu den einzelnen Leuten gehen, sie dort abholen, wo die Kaufentscheidung fällt.“

Dass eine bessere staatliche Förderung für Hausdämmung oder moderne Heizungstechnik hier der richtige Weg wäre, bezweifelt Kiendl. Sicherlich sei eine Anschubfinanzierung notwendig, man müsse sich aber auch fragen, wo sie enden müsse, wann die Wirtschaft zu sehr beeinflusst werde. Und es gebe staatliche Programme mit guten Konditionen, das sei aber in der Bevölkerung noch zu wenig verankert. Kiendl ist aber überzeugt, dass es nach und nach ein Umdenken in den Köpfen geben wird.

Die Bürgeranlagen rentieren sich

Mehr Engagement zeigen die Schierlinger bei der Energieproduktion. Zu verdanken ist das auch dem systematischen Ansatz des Markts. Um die Dächer von der Mehrweckhalle, der Kläranlage oder des Bauhofs kostenlos für Bürger-Fotovoltaikanlagen zur Verfügung stellen zu können, gründete der Markt vor gut zehn Jahren ein Kommunalunternehmen. Heute verwaltet es nicht nur die Bürgeranlagen, sondern übernimmt auch die Planung und den Vertrieb von Bau- und Gewerbegebieten.

Das Bürgeranlagen-Konzept rentiert sich für die Anleger. Laut Kiendl „ernten“ sie 2016 eine Rendite von fast fünf Prozent. „Davon kann man auf dem Kapitalmarkt zurzeit wohl nur träumen.“ Um einen Wildwuchs bei Freiflächen-Fotovoltaikanlagen zu verhindern, hatte der Markt damals zudem entlang der Bahnlinie rund 50 Hektar an geeigneten Flächen ausgewiesen. Auf mehr als 30 Hektar davon sind heute Anlagen in Betrieb.

Platz 8 in der Solarbundesliga

  • Deutschland:

    Bei der Nutzung der Sonnenenergie wird der Markt Schierling im Internetportal www.solarbundesliga.de bundesweit auf mit 4158 Bewertungspunkten Platz 8 unter 652 Teilnehmern in der Kategorie Kleinstädte (5000 bis 20 000 Einwohner) geführt. Spitzenreiter ist Rot am See in Baden-Württemberg mit 5698 Bewertungspunkten.

  • Landkreis:

    Auf Landkreisebene belegt der Markt Platz 1. Die Stadt Hemau auf Platz 2 kommt nur auf 1963 Punkte. Sinzing, das auf Platz 3 liegt, kommt noch auf 1235 Punkte. Das Ergebnis sagt aber nichts über den gesamten Landkreis Regensburg aus, da sich bisher nur zwölf der 41 Kommunen an der Solarbundesliga beteiligen.

  • Regensburg:

    Die Stadt Regensburg kommt in der Kategorie Großstädte bundesweit auf Platz 9 – mit lediglich 401 Punkten. Allerdings hat hier Spitzenreiter Ulm nur 804 Punkte. Der Grund: Große Städte haben es schwerer, pro Kopf auf ebenso große Installationszahlen zu kommen wie kleinere Kommunen.

  • Bewertung:

    Die Solarbundesliga ist eine Rangliste der bei der Solarenergienutzung erfolgreichsten Kommunen. Messlatte ist die Kollektorfläche pro Einwohner bei Solarwärme und die pro Kopf installierten Kilowatt Solarstrom. Für Großanlagen gibt es Abstriche. Derzeit wird das Bewertungssystem überarbeitet.

Hien ist Bestandteil des „Klima-schutz-/Energie(Spar)konzepts“, das der Markt im Jahr 2012 beschlossen hat. Der Bund bezuschusst dieses Konzept drei Jahre lang mit 65 Prozent – auch den Klimaschutzmanager. Dass der Markt seinen Energiesparprofi auch nach dieser Zeit behalten sollte, steht für Kiendl außer Frage. „ Es gibt noch sehr viele Aufgaben für ihn.“ Er werde die Verlängerung dem Marktrat auf jeden Fall vorschlagen. Außerdem gebe es eine gute Chance, den Förderzeitraum zu verlängern, wenn man die Notwendigkeit nachweisen könne.

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