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Energie

400 Einwände gegen drei Windräder

Das Sinzinger Projekt stößt in Nittendorf auf Widerstand. Neuer Kritikpunkt ist die geänderte Maximalhöhe der Windriesen.
Von Christof Seidl, MZ

Die geplanten Windräder bei Viehhausen stoßen auf erheblichen Widerstand. Gegen den Bebauungsplan für diese Windriesen liegen 400 Einwendungen vor.
Die geplanten Windräder bei Viehhausen stoßen auf erheblichen Widerstand. Gegen den Bebauungsplan für diese Windriesen liegen 400 Einwendungen vor. Foto: Anton

Sinzing.Der geplante Windpark Sinzing, der bei Viehhausen an der Gemeindegrenze zu Nittendorf entstehen soll, stößt bei Bürgern der Nachbargemeinde auf großen Widerstand. Vertreter der Bürgerinitiative Gegenwind Paintnerforst/Frauenforst übergaben kurz vor Ende der Einspruchsfrist für den aktuellen Bebauungsplanentwurf der Gemeinde Sinzing gut 400 Einwendungen gegen das Projekt. Sinzing will mit der Planung Baurecht für drei große Windkraftanlagen schaffen. Die Standorte befinden sich am Rande des Landschaftsschutzgebiets Paintner Forst, einem großen Waldgebiet.

Die Gemeinde will mit diesem Bauleitplanverfahren einen neuen Realisierungsweg für den Windpark Sinzing schaffen. Denn für die drei Windriesen lief ursprünglich ein Genehmigungsverfahren nach der bis 4. Februar 2014 gültigen Privilegierung von Windrädern. Allerdings bestanden nicht nur bei den Gegnern Zweifel, ob die Auffassung der Regensburger Ostwind Erneuerbare Energien GmbH, dass die Bauanträge für den Windpark rechtzeitig vor diesem Datum vollständig eingereicht worden seien, vor Gericht Bestand haben würde.

Der Sinzinger Bebauungsplan ist eine gangbare Alternative. Er berücksichtigt die aktuellen Vorgaben der bayerischen Landespolitik in Sachen Windkraft. Sie lässt nur dann die bisherigen Abstandsregelungen zur nächsten Wohnbebauung gelten, wenn eine Gemeinde Baurecht schafft. Unter den sonst wesentlich strengeren Abstandsvorgaben wäre der Windpark wohl nicht mehr realisierbar gewesen.

„Sonderbehandlung“ für Ostwind

Bei den betroffenen Nachbarn stoßen die Sinzinger Pläne allerdings auf wenig Verständnis. Die BI Gegenwind betont in einer Pressemitteilung anlässlich der Übergabe der Einwendungen, dass die Nittendorfer Bürger vor allem die energiepolitisch unnötige Zerstörung der einzigartigen Natur im Paintner Forst beklagen. Sinzing plane die Anlagen möglichst weit weg von den eigenen Bürgern und möglichst nahe bei den Einwohnern der Nittendorfer Ortsteile Viergstetten, Haugenried und Thumhausen.

„Das hat einen seltsamen Beigeschmack und man könnte fast von einer Täuschung der betroffenen Anwohner sprechen“

BI-Sprecher Rainer Donhauser

BI-Sprecher Rainer Donhauser kritisierte im Gespräch mit unseren Medienhaus auch die „Sonderbehandlung“, die Ostwind durch die Gemeinde Sinzing erfahre. So sei bisher immer von Windrädern mit einer Gesamthöhe von 200 Metern ausgegangen worden. In den ausgelegten Unterlagen werde diese Höhe nun mit 220 Metern angegeben. Die Auswirkungen auf den Schattenwurf sowie die Lärmbelastung könnten durch diese Veränderung nicht mehr korrekt beurteilt werden. „Das hat einen seltsamen Beigeschmack und man könnte fast von einer Täuschung der betroffenen Anwohner sprechen“, heißt es dazu in der Pressemitteilung wörtlich.

Unverständlich ist für Donhauser auch das Festhalten an dem Windradstandort, der am nächsten zu den Nittendorfer Orten liegt. Immerhin seien in den Unterlagen für den gescheiterten gemeinsamen „Teilflächennutzungsplan Windkraft“ von sieben Gemeinden noch mehrere weitere Standorte auf Sinzinger Gemeindegebiet ausgewiesen gewesen. Bei allen wäre die Distanz zu Viergstetten, Haugenried und Thumhausen größer. Die Gemeinde Nittendorf hatte bereits in ihrer Stellungnahme zu der Planung durch das Landratsamt den Wegfall des nächstgelegenen Windrads vorgeschlagen.

Sinzings Bürgermeister Patrick Grossmann hält die Kritik der BI für ungerechtfertigt. Die Standorte würden bereits seit langer Zeit feststehen, sagte Grossmann auf Anfrage unseres Medienhauses. Die in den Unterlagen angegebene Maximalhöhe von 220 Metern habe lediglich eine Pufferfunktion. Der von Ostwind beantragte Windrad-Typ habe sich nicht geändert, sodass es in jedem Fall bei 200 Metern Höhe bleibe.

Viele Einwendungen sind identisch

Die Gemeinde Sinzing wird laut Grossmann in den nächsten Tagen die Einwendungen sichten und sortieren. Klar sei bereits jetzt, dass sehr viele davon identisch sind. Die Behandlung dieser Einwendungen werde erst Anfang 2017 möglich sein, auch weil Anträge auf Fristverlängerungen eingegangen seien.

Der Windpark Sinzing

  • Standort:

    Das Projekt von Ostwind umfasst drei Windräder der Drei-Megawatt-Klasse. Die geplanten Standorte befinden sich nordwestlich von Viehhausen an der Grenze zur Gemeinde Nittendorf.

  • Distanz:

    Die Mindestentfernung zur nächsten Siedlung soll 1200 Meter betragen.

  • Genehmigung:

    Die Entscheidung über die Genehmigungsfähigkeit der drei Windriesen wird erst 2017 fallen.

  • Vergütung:

    Ab 2017 gelten neue Regeln bei der Vergütung des Stroms, den große Windräder produzieren. Zur Ermittlung der Förderhöhe ist dann die Teilnahme an einem Ausschreibungsverfahren verpflichtend.

Das Landratsamt Regensburg erklärte auf Nachfrage, dass eine Entscheidung über die drei Windräder erst möglich ist, wenn die Bauleitplanung der Gemeinde Sinzing weitgehend abgeschlossen ist. Erst dann sei die bauplanungsrechtliche Beurteilung der Windräder möglich. Wann eine endgültige Entscheidung über den Windpark Sinzing fallen wird, sei daher noch offen.

Auf die Frage nach der neuen Maximalhöhe für die Windräder in den Sinzinger Plänen hieß es, dem Landratsamt würden keine Erkenntnisse über eine Veränderung dieser Höhe vorliegen.

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