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Umwelt

Die Windkraft spaltet die Gemeinden

Die Nittendorfer Bürgerinitiative „Gegenwind“ gab ein Paket mit 753 Einwänden gegen den geplanten Windpark Sinzing ab.
Von Dieter Waeber, MZ

3100 Quadratmeter Bodenfläche braucht ein einzelnes Windrad, rechnet der Vertreter von Ostwind vor. Foto: dpa
3100 Quadratmeter Bodenfläche braucht ein einzelnes Windrad, rechnet der Vertreter von Ostwind vor. Foto: dpa

Sinzing.Pünktlich zum letzten Abgabetermin lieferte jüngst eine Abordnung der Bürgerinitiative „Gegenwind“ ein Paket mit 753 Einwänden zur dritten Auslegung des Bauleitverfahrens „Windpark Sinzing“ im Rathaus ab. „Aus Sicht der Gemeinde können wir inhaltlich noch nichts zu den abgegebenen Einwendungen der Bürger aus der Marktgemeinde Nittendorf mit den Ortsteilen Viergstetten, Haugenried und Thumhausen sagen. Wir bestätigen aber den Eingang der abgegeben Einwendungen“, sagte Bürgermeister Patrick Grossmann. Nach seinen Angaben stammen von den abgegebenen Einwendungen zum Windpark Sinzing nur etwa zehn von Bürgern aus Sinzing.

„Die Windräder machen aus dem großen unberührten Waldgebiet ein Industriegebiet.“

Bürgerinitiative „Gegenwind“

Weiter merkte er an, dass außerdem zusätzlich fast 20 Einwände von einzelnen Bürgern zu den unterschiedlichsten Themen wie Arten-, Lärm- und Denkmalschutz abgegeben wurden. Beim letzten Abwägungsverfahren im März 2017 waren es insgesamt rund 400 Einwendungen. Damals wurden die Stellungnahmen der Bürger zu den unterschiedlichen Themen mehrfach abgegeben. Es blieben etwa 90 Einwandführer übrig.

Die Firma Ostwind nimmt Stellung

In einer Pressemitteilung und im Gespräch mit dem 3. Bürgermeister Michael Gaßner anlässlich der Übergabe erläuterten die Windparkgegner ihren Einspruch. Auf Nachfrage unseres Medienhauses bezogen Bürgermeister Patrick Grossmann, Bernd Zieger vom örtlichen Agenda-Arbeitskreis Energie sowie Daniel Ziehr von der Firma Ostwind dazu Stellung.

Laut der Bürgerinitiative befinden sich die geplanten Sinzinger Windkraftanlagen direkt an der Grenze zur Nachbargemeinde Nittendorf und zum Landschaftsschutzgebiet Paintner Forst sowie in unmittelbarer Nähe von Haugenried, Thumhausen und Viergstetten an der Straße Irlbrunn in Richtung Kelheim. Dies relativierte der Sprecher der Firma Ostwind: In einem Radius von drei Kilometern um das Plangebiet liegen Viehhausen, Haugenried und Thumhausen. Hinzu kämen die relativ kleinen Bebauungszonen Irgertshofen, Viergstetten, Eichhofen, Kohlstadt, Adlstein und Schneckenbach sowie einige Weiler. Die Kleinsiedlungen seien überwiegend landwirtschaftlich geprägt.

Die Nittendorfer Ortsteile Haugenried und Viergstetten liegen jeweils rund 1,2 Kilometer vom Plangebiet entfernt. Der Sinzinger Ortsteil Kohlstadt befindet sich in einer Entfernung von ca. 1,3 Kilometern zum Plangebiet, nach Viehhausen beträgt der Abstand etwa zwei Kilometer, so Ziehr.

Die Bürgerinitiative „Gegenwind“ überreicht ihr Einspruchpaket im Rathaus an den 3. Bürgermeister Michael Gaßner. Foto: Waeber
Die Bürgerinitiative „Gegenwind“ überreicht ihr Einspruchpaket im Rathaus an den 3. Bürgermeister Michael Gaßner. Foto: Waeber

„Die Windräder machen aus dem großen unberührten Waldgebiet ein Industriegebiet“, argumentiert die Bürgerinitiative „Gegenwind“. Sprecher Martin Scheid: „Es gibt derzeit über 27 000 Windräder in Deutschland, die zum Teil abgestellt werden, weil sie zu viel Strom produzieren. Wir verkaufen unseren Strom und holen uns teuren Strom aus Österreich zurück. Da die Produktivität der Sinzinger Windräder mit Sicherheit nicht gut ist, befürchten wir, dass künftig Bauruinen in der Landschaft stehen.“

Dem widerspricht Daniel Ziehr: „Die dauerhaft während der Betriebszeit benötigte Fläche für Fundament, Kranstell- und Lagerflächen beträgt pro Anlage durchschnittlich 3100 Quadratmeter.“ „Von einem Industriegebiet kann man da nicht sprechen“, ergänzt Bernd Zieger (AK Energie). Die Windkraft werde zur schnell regelbaren Netzstabilität benötigt. Überproduzierte Energie nutzen die Österreicher zum Füllen der Wasserhochspeicher. Das sei mangels der Speichermöglichkeit in der Bundesrepublik so gewollt. „An dieser Regelung sei der europaweite Verbund aller E-Energieerzeuger auch unter Mitwirkung der Schweiz beteiligt.“

Bauruinen wird es nicht geben. Windenergieanlagen sind auf 20 Jahre gerechnet und werden dann, wenn es keine Betriebsverlängerung gibt, rückgebaut. Die Rückbaukosten dazu sind in den Investitionen bereits enthalten. Laut der Bürgerinitiative halten die Bundesregierung und der Freistaat Windanlagen nur für sinnvoll, wenn mindestens 60 Prozent des so genannnten Referenzwertes als Ertrag erwirtschaftet werden. Negativbeispiel sei Brenntenberg bei Beratzhausen, deren drei Anlagen 2015 nur auf 50 Prozent kamen, so der BI-Sprecher.

Drei Windkrafträder müssen sein

Das Landratsamt fordere seit 2015 für die Sinzinger Anlagen, die Wirtschaftlichkeit nachzuweisen. Dies sei bisher nicht geschehen. „Alle Untersuchungen beweisen eigentlich, dass bei uns zu wenig Wind herrscht, um produktive Windräder zu bauen.“

„Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen werden den Kaufinteressenten im Rahmen von Vermarktungsgesprächen vertraulich bereitgestellt“, heißt es von der Firma Ostwind. „Wir beabsichtigen eine Bürgerenergiegesellschaft zu gründen sowie die örtlichen Energiegenossenschaften BERR und die Agenda 21 der Gemeinde Sinzing einzubinden. Beim Standort in Sinzing handelt es um eine durchschnittliche 61,3 prozentige Standortqualität gemäß EEG 2017.“

„Die Gemeinde Sinzing will nun im dritten Anlauf den Windpark schaffen. Auf die Einwände der Bürger aus Nittendorf und Sinzing ging die Gemeinde nie ein“, lauten die weiteren Einwendungen der Bürgerinitiative. Auch die ablehnende Haltung des Marktrats blieb unberücksichtigt.

Zudem plane Sinzing die Windräder möglichst weit weg von den eigenen Bürgern. Es gäbe Standorte mit ähnlich schlechten Erträgen, die näher bei den Sinzinger Bürgern liegen. Die Suche nach anderen Standorten lehne Sinzing aber seit fünf Jahren kategorisch ab. „Wir wünschen uns mehr nachbarlichen Gemeinschaftssinn“, sagt Eva Donhauser von der BI. „Es fehlt die Möglichkeit, miteinander zu sprechen.“

Das weitere Verfahren

  • In einer

    Sondersitzung wird der Gemeinderat die erneuten Einwendungen behandeln. Wenn keine neuen Argumente dazukommen wird der Rat die Satzung des Bebauungsplanes verabschieden.

  • Danach können

    vom Vorhabenträger die Bauanträge gestellt werden, die wieder den normalen Abwicklungsprozess durchlaufen. Das Verfahren über das Landratsamt zur Privilegierung läuft parallel. Nach Verabschiedung des Bebauungsplans könnte dieses Verfahren eingestellt werden, so die Meinung des Bürgermeisters. (ldw)

Dem widerspricht Bürgermeister Patrick Grossmann. „Wir waren mit den beiden BI-Sprechern immer im Gespräch. Auf dieser gemeinsamen Grundlage wurde so auch der Standort des dritten Windrades bereits verlegt. Auch mit dem Markt Nittendorf gab es laufend Zusammenkünfte. Zusätzlich steht unser Rathaus generell auch für diese Gespräche offen. Leider sind aber die Standpunkte sehr verhärtet. Der Vorschlag, statt drei nur zwei Anlagen zu bauen, wurde vom Vorhabenträger aus Gründen der Wirtschaftlichkeit abgelehnt.“

Der AK Sinzing sagt: „Der Widerstand der BI entwickelte sich erst, nachdem die Anlagen im Paintner Forst wegen der Umzingelung von Gemeindeteilen diskutiert wurden. Aufgrund des Bayerischen Windatlas wurden damals die optimalen Standorte auch unter Berücksichtigung der damaligen technischen Voraussetzungen diskutiert. Alternative Standorte in der Gemeinde Sinzing gibt es heute aufgrund der 10 H Regelung nicht.“

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