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Ehrenamt

Ein ganz besonderer Reiterhof

Familie Ebenbeck bietet in Sinzing tiergestützte Therapien an. Jetzt zeichnete sie Markus Söder für ihr Engagement aus.
Von Elisabeth Angenvoort

Christin und Andreas Ebenbeck wurden von Ministerpräsident Markus Söder ausgezeichnet Foto: Christin Ebenbeck
Christin und Andreas Ebenbeck wurden von Ministerpräsident Markus Söder ausgezeichnet Foto: Christin Ebenbeck

Sinzing.Der Biobetrieb und Erlebnisbauernhof der Familie Ebenbeck liegt inmitten von Feldern und Wiesen in Dürnstetten, einem Ortsteil von Sinzing. Auf den Koppeln grasen Pferde und kleine Ponys. Mehrere Hunde laufen friedlich zwischen Katzen, Enten, Zwergziegen und Zwergschafen herum. Die 31-jährige Christin Ebenbeck ist zweifache Mutter und führt gemeinsam mit ihrem Mann Andreas einen Großbetrieb. Ihr Tag beginnt noch vor fünf Uhr morgens im Pferdestall: Füttern, einzelne Tiere in die Führanlage und alle anderen auf die Koppel bringen, die Ställe ausmisten. Zwei Hereford-Mutterkuhherden gehören zum Betrieb: acht Kühe mit ihren Kälbern, zwei Zuchtbullen und sechs Mastbullen, die sich auf weitläufigen Weideflächen frei bewegen.

Vertrauen:Zwergziegen und Zwergschafe am Halfter zu führen, funktioniert nur, wenn Mensch und Tier einander vertrauen. Eine Klasse von St. Vincent während der tiergestützten Therapie Foto: Angenvoort
Vertrauen:Zwergziegen und Zwergschafe am Halfter zu führen, funktioniert nur, wenn Mensch und Tier einander vertrauen. Eine Klasse von St. Vincent während der tiergestützten Therapie Foto: Angenvoort

Christin Ebenbeck, gelernte Arztfachhelferin und Diabetesassistentin, kam vor etwa 15 Jahren zum ersten Mal als Reitbeteiligung auf den Hof; vor zehn Jahren heiratete sie den Betriebsinhaber Andreas Ebenbeck, dessen Großeltern Berta und Kurt Reiner im Jahr 1968 das Anwesen übernommen hatten. Berta Reiner investierte in die Errichtung großzügiger Stallungen und Reitanlagen. Mittlerweile verfügt das Anwesen über 60 Hektar Land. Ein Rundgang durch sämtliche zum Hof gehörigen Flächen dauert da schon einmal knappe zwei Stunden. „Das Ganze hier funktioniert nur, wenn die Familie zusammenhält“, sagt Seniorchefin Petra Ebenbeck.

Auch die Uroma arbeitet mit

Vier Generationen arbeiten und leben auf dem Anwesen Hand in Hand, selbst die „Uroma“ steht noch regelmäßig im Stall. Unterstützt wird die Familie von Svenja Schön, die derzeit eine Ausbildung zur Pferdewirtin absolviert. Christin Ebenbeck ihrerseits wird im kommenden November ihr Zertifikat als „Erlebnisbäuerin“ erhalten. Es gibt bereits eine Erlebniswiese mit Bienenhaus, Tipi, Barfußpfad und Insektenhotel.

Berühren: Pony Moritz ist gar nicht scheu und darf gestreichelt werden. Er hilft Kindern dabei, Berührungsängste zu überwinden. Foto: Angenvoort
Berühren: Pony Moritz ist gar nicht scheu und darf gestreichelt werden. Er hilft Kindern dabei, Berührungsängste zu überwinden. Foto: Angenvoort

Kindern und Jugendlichen die Natur wieder näherzubringen, das ist für Ebenbeck ein Herzensanliegen; insbesondere möchte sie es Menschen mit Handicap und sozial benachteiligten Heranwachsenden ermöglichen, über den unmittelbaren Kontakt zu den Tieren emotionale und soziale Barrieren zu überwinden. Das Kinderzentrum St. Vincent Regensburg pflegt seit mehreren Jahren eine enge Partnerschaft mit dem Ebenbeck-Hof. „Es ist unglaublich, was die Tiere mit den Kindern machen“, sagt Christin Ebenbeck. Tiere verstehen die Menschen, ist sie überzeugt, insbesondere wenn es Menschen sind, die seelischen oder körperlichen Schmerz in sich tragen. Reitpädagogin Manuela Beck vom Fachdienst St. Vincent kommt mehrmals pro Woche für Therapiestunden nach Dürnstetten.

Sozialpädagogin Manuela Beck (links) arbeitet auf dem Hof als Reittherapeutin. Christin Ebenbeck möchte das Angebot weiter ausbauen. Foto: Angenvoort
Sozialpädagogin Manuela Beck (links) arbeitet auf dem Hof als Reittherapeutin. Christin Ebenbeck möchte das Angebot weiter ausbauen. Foto: Angenvoort

An diesem Montagmorgen ist sie mit einer achten Klasse hier, im Rahmen eines Starthilfeprojekts zum Schuljahresbeginn. Die Jugendlichen sollen sich über die gemeinsamen Erfahrungen besser kennenlernen und möglichst viele gute Erlebnisse „mit ins Klassenzimmer nehmen“. Heute dürfen die 14-Jährigen die Ziegen und Schafe am Halfter auf die Wiese führen. Was von einigen zunächst als „uncool“ abgewehrt wird, entwickelt sich bald als gemeinschaftliche Aktion, die Spaß macht. „Junge Menschen, denen es schwerfällt Kontakt zuzulassen, können sich hier öffnen“, sagt Christin Ebenbeck, die beobachtend am Rand steht. „Es ist unglaublich, welche Fortschritte hier möglich sind.“

„Mitmacher“ sind willkommen

Pädagogin Manuela Beck wird ab Oktober mit den therapeutischen Reitstunden beginnen. Alles, was im geschützten Rahmen des Ebenbeck-Hofs passiert, ist transparent und authentisch, sagt Beck. Die Kinder können sich individuell in den landwirtschaftlichen Alltag einbringen. Für manche sind die Hühner interessanter als die Pferde; andere brauchen einfach nur Ruhe. Auf der Wiese hinter dem Wohnhaus steht ein Bauwagen, in den sie sich jederzeit zurückziehen können. Sommer wie Winter kommt Beck mit ihren Schützlingen auf den Hof. „Wir sind hier immer willkommen“, sagt sie.

Inklusion

Wie Pferde Behinderten helfen

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