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Energie

Gegenwind für Sinzings Windpark

In mehr als 400 Einwendungen haben Bürger und Verbände Bedenken gegen das Großprojekt bei Viehhausen geäußert.
Von Christof Seidl, MZ

Die Winderräder des geplanten Windparks Sinzing wären ähnlich groß wie diejenigen, die sich bei Beratzhausen bereits seit dem Jahr 2012 drehen.
Die Winderräder des geplanten Windparks Sinzing wären ähnlich groß wie diejenigen, die sich bei Beratzhausen bereits seit dem Jahr 2012 drehen. Foto: MZ-Archiv/Krenz

Sinzing.Lange Zeit galt der Windpark Sinzing als ein Projekt, das problemlos realisiert werden kann. Das hat sich inzwischen geändert. Gegen die drei geplanten Windriesen liegen nach Ablauf der Eingabefrist am gestrigen Donnerstag über 400 Einwendungen vor. Sie müssen im Rahmen eines Erörterungstermins am 8. Oktober behandelt werden. Erst danach stellt sich heraus, ob das Projekt genehmigungsfähig ist. Für Nachbesserungen bleibt daher kaum Zeit. Haben die drei Windriesen bis Jahresende nicht den amtlichen Segen, entfällt vermutlich die Altfallregelung, auf der das aktuelle Verfahren basiert.

Die geplanten Windriesen wurden vor der Einführung der sogenannten 10H-Regelung beantragt und gelten daher als Altfälle mit weniger strengen Auflagen, vor allem was den Abstand zur nächsten Wohnbebauung angeht. Die Gemeinde Sinzing befürwortet die drei Windräder. Der Gemeinderat stimmte dem Projekt im März 2014 in einer Stellungnahme zu und auch die örtliche Agenda 21 spricht sich ausdrücklich für Windenergie vor Ort aus.

Die Altfallregelung läuft aus

Das Problem: Die Altfallregelung gilt nur bis Jahresende 2015, so will es zumindest der Freistaat Bayern. Sollten die drei Windräder bis dahin noch nicht genehmigt sein, würden sie doch unter die 10H-Regelung fallen, nach deren Vorgaben sie zumindest auf dem aktuellen Genehmigungsweg direkt über das Landratsamt nicht mehr realisierbar wären.

Und die Zeit wird knapp. Der Bauantrag für den Windpark Sinzing lag von 10. Juli bis 12. August samt den entsprechenden Gutachten und Plänen beim Landratsamt Regensburg und bei den betroffenen Gemeinden zur Einsichtnahme aus. Die Bevölkerung konnte bis zum 27. August Einwendungen gegen das Vorhaben erheben.

Der Standort des geplanten Windparks
Der Standort des geplanten Windparks Foto: MZ-Infografik

Die Resonanz ist enorm. Laut Landratsamt liegen gut 400 Einwendungen von Bürgern und Verbänden vor. Nach Angaben der „Bürgerinitiative Gegenwind Paintner Forst/Frauenforst“ (BI) in der Nachbargemeinde Nittendorf zählen beispielsweise der Landschaftspflegeverband und der Jagdverband Kelheim dazu. Auch die Denkmalpflege habe Bedenken wegen der Auswirkungen auf die Burgruine Loch und die Befreiungshalle.

Die BI-Sprecher Rainer Donhauser und Dr. Konrad Wolf unterstreichen in einer Pressemitteilung, dass der Widerstand in der Bevölkerung gegen den Windpark wachse. Die BI sei „über die zahlreichen eklatanten Fehler und falschen Darstellungen in den, dem Bauantrag beigelegten Gutachten“ überrascht. Die naturschutzrechtlichen Belange würden völlig unzureichend betrachtet. Bei einem Großprojekt dieser Art, „das das bisher störungsfreie und unterteilte Waldgebiet über Jahrzehnte grundlegend verändern würde“, hätte die BI mehr Sorgfalt und Klarheit in den Antragsunterlagen erwartet.

Kritik übt die BI auch an der Gemeinde Sinzing. Bei den betroffenen Bürgern stoße es auf völliges Unverständnis, „dass die planende Gemeinde Sinzing es bisher nicht für nötig hält, mit den betroffenen Bürgern ins Gespräch zu kommen, obwohl das Projekt an der äußersten Gemeindegrenze Sinzings in direktem Sichtbezug zur Gemeinde Nittendorf realisiert werden soll“, heißt es in der Pressemitteilung.

Keine negativen Stimmen in Sinzing

In der Gemeinde Sinzing ist von diesem Widerstand anscheinend wenig spürbar. Marc Auffenberg vom Sinzinger Agenda-Arbeitskreis Energie zeigte sich von der Zahl der Einwendungen völlig überrascht. Er habe in seiner Gemeinde bisher keine negativen Stimmen gehört. Das gelte auch für seinen Wohnort Viehhausen, in dessen Nähe die drei Windräder geplant sind. Auch Bürgermeister Patrick Grossmann sieht in der Gemeinde Sinzing keinen Widerstand gegen das Windkraftprojekt. Er habe erwartet, dass es viele Einwendungen geben werde, da die BI Gegenwind gut organisiert sei. Entscheidend sei aber nicht die Menge der einzelnen Einwendungen, sondern deren Qualität.

Der Windpark Sinzing

  • Standort:

    Das Projekt der OSTWIND project GmbH umfasst drei Windräder der Drei-Megawatt-Klasse. Die geplanten Standorte befinden sich nordwestlich von Viehhausen an der Grenze zur Gemeinde Nittendorf.

  • Distanz.

    Die Mindestentfernung zur nächsten Siedlung soll 1200 Meter betragen.

  • Alternative:

    Sollte das aktuelle Genehmigungsverfahren scheitern, will die Gemeinde Sinzing die Windräder über ein kommunales Bauleitplanungsverfahren ermöglichen. An diesem Verfahren muss auch die Nachbargemeinde Nittendorf beteiligt werden.

Das Landratsamt erklärte auf Anfrage der MZ, dass bisher über 400 Einwendungen eingegangen sind, die derzeit erfasst werden. Nach Angaben von Pressesprecher Hans Fichtl sind „von zahlreichen Einzelpersonen mehrere Einwendungsschreiben eingegangen, so dass die Zahl der Einwendungen nicht gleich zu setzen ist mit der Zahl der sich gegen das Projekt aussprechenden Bürger“. Aus welchen Gemeinden wie viele Einwendungen eingegangen sind, stehe wegen der noch laufenden Erfassung nicht fest.

Fichtl betonte in diesem Zusammenhang, dass noch nicht klar ist, ob für den Windpark die Altfallregelung (nach Art. 83 Abs. 1 BayBO) anzuwenden ist. Dies sei eine Rechtsfrage, die im Rahmen der Entscheidung über den Antrag zu beantworten ist. Vorab könne das Landratsamt dazu keine Aussage treffen.

Der Erörterungstermin zu dem geplanten Windpark beginnt am 8. Oktober um 9 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamts Regensburg.

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