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Religion

Räte sagen „Nein“ zum Gemeindehaus

Die evangelische Kirche finanziert kein solch ortsbildprägendes Gebäude, wie es der Bebauungsplan fordert.
Von Dieter Waeber, MZ

Auf diesem Grundstück soll das neue Gebäude errichtet werden.
Auf diesem Grundstück soll das neue Gebäude errichtet werden. Foto: Waeber

Sinzing.Enttäuscht kommentierte Wolfgang Heidenreich in der Jahresversammlung des evangelischen Baufördervereins die Ablehnung des Bauantrages durch den Gemeinderat am Tag vorher: „Das ist das Aus für unser Gemeindehaus an dieser Stelle.“

Das Vorhaben sei aussichtslos, weil die Auffassungen der beiden für den angestrebten Bau in der Bruckdorfer Straße maßgeblichen Institutionen auseinandergingen. Zum einen akzeptiere und finanziere die Landeskirche in München nur einen Bau mit kleinem Volumen, so Heidenreich. Auf der anderen Seite halte der Gemeinderat an den Festlegungen des Bebauungsplanes fest, dem der Wunsch nach einem ähnlich ortsbildprägendem Gebäude wie in dem 2012 abgerissenen Haus zu Grunde liegt.

In der Sitzung des Gemeinderates hatte Klaus Neubert, Geschäftsführer und Leiter des Kirchengemeindeamts und der Verwaltungsstelle der evangelischen Kirchenverwaltung, an den Rat appelliert, dem vorgelegten Bauantrag zuzustimmen. Er sprach besonders die Sehnsucht der evangelischen Mitbürger an, ein eigenes Heim zu haben. Er halte den vorgelegten Plan für einen geeigneten Ersatz für das ehemalige Gebäude an dieser städtebaulich sicher markanten Stelle. Leider sei es aus finanziellen Gründen nicht möglich, die Vorgaben des Bebauungsplanes einzuhalten und zweigeschossig zu bauen. Der Architekt habe versucht, dies durch eine besondere Dachkonstruktion auszugleichen.

Zu klein und anders geplant

Die evangelische Kirche legte dem Rat dann einen Bauantrag vor, mit der Bitte um Genehmigung, obwohl den geforderten Voraussetzungen, dazu gehörten eine Traufhöhe von 6,50 Metern, eine Dachneigung von 42 Grad und eine Eindeckung mit roten Ziegeln, nicht entsprochen wurde. Der Plan sieht eine Traufhöhe von 3,50 Metern vor. Die Dachneigungen des asymmetrischen Walmdaches reichen von 26 bis 69 Grad, für die Eindeckung sollte Titanzinkblech verwendet werden.

In allen Debattenbeiträgen war das Verständnis für den Wunsch nach dem Bau eines Heimes für evangelische Christen klar erkennbar. „Leider stimmt der Vorschlag überhaupt nicht mit den Forderungen des Bebauungsplanes überein“ drückte Josef Espach (CSU) seine Enttäuschung aus. Das Gebäude sei städtebaulich nicht vertretbar, die Dachform diskussionswürdig und die Holzverkleidung bedenklich. Dr. Bernhard Edenharter (FW) legte wohl den Grundstein für die spätere Abstimmung: „Der Bebauungsplan wurde zwar vom vorhergehenden Gemeinderat erstellt, aber jeder, der damals dabei war, ist, wenn er jetzt zustimmt, unglaubwürdig.“ Auch Regina Fischer (FW) wollte den Bebauungsplan keineswegs aufweichen. Während Gabi Hartkopf (CSU) für eine Zustimmung plädierte, um dem Ganzen ein Ende zu setzen, schlug Nicolas Hilbert (Grüne) vor, die Bürger an der Diskussion zu beteiligen. Der Bauantrag wurde mit 14 zu 4 Stimmen abgelehnt.

Die Zeit für ein neues Heim drängt

Mit Pfarrerin Ingrid Erichsen und Pfarrer Dr. Manfred Müller waren sich die Mitglieder des Baufördervereins einig, dass ein eigenes Heim unverzichtbar ist: für seelsorgerische Tätigkeiten, für die Familien und Kinder und die vielen Gruppierungen mit ihren Unternehmungen. Derzeit ist die Kirchengemeinde in einem Mietobjekt in der Bruckdorfer Straße untergebracht. Das Mietverhältnis wird wahrscheinlich 2017 enden, die Zeit drängt also. Die Räume entsprechen auch nicht den Anforderungen. In der intensiven Diskussion diskutierten die Gläubigen viele Lösungsvarianten bis hin zur Aufstellung eines Containers, doch am Ende landeten sie immer wieder beim Wunsch nach einem eigenen Haus in der Bruckdorfer Straße. In einem Gespräch mit dem Bürgermeister soll nun die weltliche Gemeinde mit ins Boot genommen werden.

Vorsitzender Heidenreich appellierte an die Mitglieder, Werbung zu treiben. Wie auch immer die Lösung am Ende aussehe, die Kirchengemeinde brauche finanzielle Unterstützung. Informationen gibt es bei Wolfgang Heidenreich, Telefon (01 71) 5 54 58 76, oder Pfarrerin Ingrid Erichsen, Telefon (01 76) 44 47 83 83.

Geschichte des Gemeindehauses

  • Altes Gemeindehaus:

    Das ehemalige Gemeindehaus wurde 1807 erbaut und als katholisches Pfarrhaus und später als Kindergarten genutzt. 1993 erwarb es die evangelische Gemeinde. Die Bestrebungen zur Sanierung wurden 2006 abgebrochen. Alternative Überlegungen, ein neues Gebäude auf der Südseite des Geländes zu errichten, und das Haus zu verkaufen, scheiterten. 2008 kam der Beschluss, das Haus abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.

  • Neubaupläne:

    2008 gründete sich eine Interessengemeinschaft zum Erhalt des Gebäudes. 2009 beschloss der Gemeinderat einen neuen Bebauungsplan. 2010 zog die evangelische Kirche aus dem Gebäude aus. Im Oktober 2012 erfolgte der Abriss. Seitdem versucht die Kirche vergeblich, den Spagat zwischen den Anforderungen aus dem Bebauungsplan und den Bedingungen der Zentralkirche für eine Finanzierung zu schaffen. (ldw)

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