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Brennpunkt

Schon Kleinigkeiten machen sie froh

Ein Frühstück brachte Asylbewerber und Helfer näher. Die Verständigung ist schwierig. Doch Probleme zu meistern, verbindet.
Von Dieter Waeber, MZ

  • Asylsuchende aus dem Kosovo, Vietnam, Sarajewo und die Helfer Valeska Lach und Theresa Braun an einem Tisch. Fotos: Waeber
  • Inge Pongratz, Andreas Geim und Jutta Zempelin (von links) beim zwanglosen Gespräch mit den Asylsuchenden aus Äthiopien. Im Hintergrund darf Oma „Oma“ Ammer beim Malen Üben. Foto: Waeber

Sinzing.Bei einem gemeinsamen Frühstück im neuen Bürgersaal im Kulturhaus am Fährenweg hatten die 17 derzeit in Sinzing untergebrachten Asylanten und die Mitglieder des Arbeitskreises Asyl Gelegenheit, sich noch näher kennen zu lernen.

Zunächst gab es für die Mitglieder des Arbeitskreises alle Hände voll zu tun, den Bürgersaal vorzubereiten mit Tische decken und dekorieren und mit Leckerlies den Kindern die erste Scheu zu nehmen.

Familie Azezi aus dem Kosovo traute sich als erste über die Schwelle. Mama Kaltrina und Papa Omer mit dem zweijährigen Burim und dem gerade mal 14 Monate alten Baby waren sichtlich froh mit Jutta Zempelin, der Organisatorin des Arbeitskreises und „Oma“ Rosi Ammer bekannte Gesichter vor sich zu haben. Es dauerte auch nicht lange und Burim saß auf „Omas“ Schoß und ließ sich die Hand führen beim Buntstift Malen.

Integrationsmühle mahlt langsam

Die Familie war vorher in Erlangen untergebracht und hatte in Deutschland bereits ein Horrorszenario hinter sich. Die Mama erwartete Zwillinge. Bei der Geburt überlebte nur ein Kind, das zudem jetzt ärztlicher Hilfe bedarf. Nun sucht der Ehemann verzweifelt Arbeit. „Sonst fällt ihm die Decke auf den Kopf“, meint Inge Pongratz, die beim Arbeitsamt generell Unterstützung für die Arbeitssuchenden vermittelt. Direkt mit den Asylbewerbern ins Gespräch zu kommen ist allerdings schwierig, da die Deutschkenntnisse noch sehr dürftig sind. Das gilt auch für Nguyen Thoaile aus Vietnam, die offensichtlich glücklich ist, „Oma“ zu sehen, der sie ihr während der nächsten Stunden mit treuherzigem Augenaufschlag nicht mehr von der Seite weicht. Thoaile möchte zu ihrem Bruder nach Reutlingen. Doch die Integrationsmühlen mahlen langsam.

Woher der Kosename „Oma“ kommt? Rosi Ammer erzählt: „In einem Malbuch haben die Kinder den Namen Oma entdeckt mit dem Abbild einer ihr ähnlichen Frau“. Dreimal in der Woche gibt Rosi Ammer Deutsch- Unterricht. Die Fortschritte seien da, aber vor allen den Kindern falle es schwer, sich zu artikulieren. „Sie verstehen schon viel, aber sie trauen sich nicht zu reden. Es gebe auch Kinder und Erwachsene, die wie Thoaile of-fensichtlich noch nie einen Malstift in der Hand hielten. Eine besondere Geschichte habe sie mit Familie Syla erlebt. Mama Hanumsha sollte ein Formular unterschreiben, konnte aber nicht. Sie war Analphabetin.

Inzwischen sei die Frau überglücklich, die ersten Blockbuchstaben malen zu können. Die Familie mit ihren vier Kindern kommt aus dem Kosovo und ist seit November in Deutschland. Die Hoffnungslosigkeit, Arbeit zu finden, habe sie dazu gebracht, ihre Heimat zu verlassen. Die vier Kinder besuchen unterschiedliche Schulen, die 18 jährige Tochter geht auf die Berufsschule. Als nächstes kommen die Schwestern Ramiza und Babija. Sie stammen aus Sarajewo in Bosnien-Herzegowina. Sie suchen Arbeit, Putzen, Reinigen, Aufräumen, haben aber derzeit nur für drei Monate eine Aufenthaltsgenehmigung. „Zu Hause bekommen wir keine Arbeit“, begründet Ramiza den bereits zweiten Versuch in Deutschland Fuß zu fassen.

Zuletzt treffen Shikur Ali Danwerk und Balaneila aus Äthiopien ein. Mit Danwerk klappt die Verständigung auf Englisch. Dagegen hat Balaneila, erst seit zwei Wochen hier, noch sichtlich Probleme sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Danwerk strahlt noch aus einem anderen Grund: Ihr Boyfriend Hassan ist aus Aschaffenburg angereist. Sie wollen in den nächsten Wochen heiraten und laden gleich zur Feier nach Nürnberg ein.

Pflichtaufgabe der Gesellschaft

Zur Arbeit des Arbeitskreises gehöre die Verfügbarkeit als Ansprechpartner. Dazu zählen zum Beispiel die Verbindung zum Arbeitsamt herzustellen, Hilfestellung beim Ausfüllen von Formularen, Unterstützung bei Behördengängen und die Hilfe bei der alle drei Monate fälligen Meldung bei der zentralen Aufnahmestelle in Zirndorf, so Jutta Zempelin und Inge Pongratz.

Zur Hilfestellung gehöre auch die Vermittlung zu den unterschiedlichen, altersabhängigen Schulen und geeigneten Kindergärten. Die Idee zu helfen, sei bereits im November entstanden, so Zempelin. Für Pongratz sei auch richtungsweisend der bundesweite Aufruf der Pfadfinder-Bewegung zu den Asylbewerbern gewesen.

Beim Frühstück nutzte Zempelin die Gelegenheit, weitere Helfer vorzustellen. „Ich mache mit, weil wir etwas zur Integration beitragen sollten“, meint Valeska Lach.

Die 18 Jährige Theresa Braun erklärt: „Ich möchte einfach nur helfen.“ Andreas Geim sieht sich auch als Vertreter des Vereins für Europäische Kontakte, der ebenfalls seine Hilfe bei Übersetzungen und Ähnlichem anbietet. Zempelin ist zudem voll des Lobes über die Unterstützung und die Geduld der Mitarbeiter der Ausländer- betreuung im Landratsamt.

Ideen für die Zukunft

  • Gastfreundschaft:

    Bürgermeister Patrick Grossmann: Sinzing beweise sich auch hier als gastfreundliche Gemeinde. Die Arbeit des Arbeitskreises finde er toll. Der Gedanke, einen Arbeitskreis der Gemeinde zu bilden, sei beim Besuch der Organisatoren entstanden. Auf diese Weise sei die Unterstützung durch das Landratsamt möglich. Es könnten auch Spendenquittungen ausgestellt werden.

  • Helfer:

    Sie sind aber auch weiterhin gesucht. Bei der wohl steigenden Anzahl von Asylbewerbern prognostiziert Jutta Zempelin auf jeden Fall Kapazitätsprobleme. Der Arbeitskreis strebe dann eine Art Partnerbetreuung an. (ldw)

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