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Energie

Sinzing hält an den Windriesen fest

Der Gemeinderat behandelte die Einwendungen. Mehrheit schätzt den Gewinn an regenerativer Energie höher ein als Kritikpunkte.
Von Dieter Waeber, MZ

Der Gemeinderat Sinzing hat die Planungen für drei Windräder bei Viehhausen mit einigen Änderungen befürwortet. Foto: dpa
Der Gemeinderat Sinzing hat die Planungen für drei Windräder bei Viehhausen mit einigen Änderungen befürwortet. Foto: dpa

SINZING.In einer Sondersitzung setzten sich die Gemeinderäte mit den Einwendungen zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung eines Bebauungsplans für den geplanten Windpark Sinzing auseinander. Das Gremium stimmte in etlichen Einzelentscheidungen für die Fortsetzung der Planungen. Der nächste Schritt ist nun eine Neuauslegung mit den Änderungen, die in den Beschlüssen berücksichtigt wurden.

Ganz so heiß, wie befürchtet, verlief die Sitzung nicht. Im Vorfeld rief sie wegen einer angekündigten Demonstration sogar die Polizei auf den Plan, die allerdings ohne Handlungsbedarf wieder abzog. Zwei DIN-A4-Ordner mit den Einwendungen lagen vor den Gemeinderäte. Zwölf Fachstellen und 417 Sammel- und Einzeleinwendungen gab es allein für den Bebauungsplan. Der Großteil der Einwendungen kam aus dem Markt Nittendorf, vier aus der Gemeinde Sinzing. Planer Bernhard Bartsch ging auf die Notwendigkeit zur Aufstellung eines Bebauungsplans ein. Alexander Schweyer von der Firma Ostwind erläuterte, warum der Windpark Painten wegen der fehlenden Zonierung gestoppt wurde. Ostwind verzichte auch auf zwei Anlagen, die nicht im Schutzgebiet liegen. Diese Entscheidung habe Einfluss auf die kritisierte Umzingelungswirkung der Sinzinger Anlagen.

Bürgermeister Patrick Grossmann verteidigte das Vorgehen der Gemeinde gegenüber der Forderung des Markts Nittendorf, das Projekt fallenzulassen. Es sei auf ein Windrad verzichtet worden, zusätzlich sei der Standort verlegt worden. Grossmann: „Wir sehen keine Hürden, das Projekt weiter zu verfolgen.“ Bartsch korrigierte die verbreitete Meinung, der Markt Nittendorf müsse dem Projekt zustimmen. Die Nachbargemeinde habe kein Vetorecht, sondern nur das Recht, Stellungnahmen abzugeben, die dann der Rat prüfen müsse.

Zweifel an der Wirtschaftlichkeit

Die Aussprache leitete Johann Dechand ein. Er wollte wissen, wohin der Strom der Windräder fließen soll. Die Antwort von Alexander Schweyer „voraussichtlich mit Erdkabeln Richtung Donau“ veranlasste Dechand zum Ausspruch: „Dann ist die energieautarke Gemeinde ein Schwachsinn“. Er musste sich aber belehren lassen, dass nicht die konkrete Nutzung des Stroms, sondern die Energiebilanz der Gemeinde das entscheidende Kriterium sei. „Die Wirtschaftlichkeit der Räder bewegt sich am untersten Level, wenn sie verloren geht, werden die Anlagen abgeschaltet“, befürchtete Dechand außerdem.

Gernot Seybold outete sich als Gegner der Windräder. Sie seien alles andere als in Toplage geplant und veränderten nur die Landschaft. Er verwies auch die Beeinträchtigung des Bergfrieds in Viehhausen, den die Gemeinde mit hohem Aufwand sanieren will. Alois Renner stieß in dasselbe Horn und argumentierte mit dem Rückzug aller betroffenen Gemeinden beim Paintner Windpark.

Michael Gaßner meinte, die Wirtschaftlichkeit sei ausschließlich Sache des Betreibers. Zur energieautarken Gemeinde sagte er, eine Dauerversorgung sei natürlich nicht möglich, wichtig sei die Bilanz von Energiegewinn und -verbrauch. Gaßner verwies zudem auf das von den Bürgern erstellte Leitbild der Gemeinde, das die Eigenerzeugung von Strom beinhalte.

Dr. Bernhard Edenharter klagte: „Wir neigen immer mehr dazu, immer dagegen zu sein. Vielleicht wäre es optimal, den Strom einmal abzuschalten? Atom wollen wir nicht, haben alle geplärrt. Wir müssen zu einer positiven Entscheidung finden. Mir gefallen die Windräder auch nicht, aber Strom muss nun mal erzeugt werden.“

Planer Bernhard Bartsch erläuterte die einzelnen Einspruchsthemen, die der Gemeinderat bei drei bis fünf Gegenstimmen beschloss. Auswirkungen auf städtebauliche Entwicklungen im Markt Nittendorf seien nicht erkennbar. Die eingeholten Gutachten ließen keine ungesetzlichen Beeinträchtigungen durch Infraschall, Lärmbelastung oder Schattenwurf erkennen. Der Mindestabstand zu allen Wohngebieten liege mit 1250 Meter über den rechtlichen Forderungen. Eine Einkesselung liege nach aktueller Rechtsprechung nicht vor.

Höhe auf 200 Meter begrenzt

Umfangreiche Einwände zum Denkmalschutz stellten nach den Maßstäben des Verwaltungsgerichtshofs München keine erhebliche Beeinträchtigung dar. Auswirkungen auf das Landschaftsbild würden eingeräumt, aber in Abwägung der Ziele in Richtung erneuerbarer Energien geduldet. Die Vorgaben zum Artenschutz seien mit Fachstellen und Naturschutz behandelt worden. Alternativstandorte seien aufgrund der niedrigerer Winderwartung und den Wasserschutzgebieten nicht relevant. Die ursprüngliche Planung der Windkrafträder ließ eine Höhe bis 220 Meter zu. Der Beschluss des Rates gibt nun eine maximale Höhe von 200 Metern vor.

Im Vorfeld der Sitzung wandten sich Rainer Donhauser und Dr. Konrad Wolf von der Bürgerinitiative Gegenwind in einem offenen Brief an die Gemeinderäte und baten darum, die drei Windkraftanlagen auf Sinzinger Gemeindegebiet abzulehnen. Donhauser nahm zudem das vom Rat gebilligte Rederecht vor der Sitzung wahr und prangerte besonders den „gigantischen Eingriff auf das Landschaftsbild“ an. „Die drei Windräder tragen nicht zur Energiewende bei, sondern zerstören die Landschaft.“

Hans Griesbeck setzte als Vertreter des Agenda-Arbeitskreises Energie dagegen. Der Arbeitskreis strebe seit 20 Jahren die Windkraftnutzung an und habe durch ständige Informationen eine breite Zustimmung bei den Gemeindebürgern erreicht. Zur Einhaltung der Energieziele müssten alle Möglichkeiten genutzt werden.

Dr. Susanne Stangl signalisierte volle Zustimmung des Bund Naturschutzes. Um die Ziele der Energiewende voranzutreiben könnten die Windräder nicht einfach beerdigt werden.

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