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Projekt

Sinzing will zwei Brunnen reaktivieren

Die Atrazin- und Desethylatrazinwerte sind zu hoch. Die Gemeinde baut deshalb für 725 000 Euro eine neue Aufbereitungsanlage.
Von Dieter Waeber, MZ

Am Wasserwerk Kühblöß entsteht eine Aufbereitungsanlage für die Sinzinger Brunnen I und II.
Am Wasserwerk Kühblöß entsteht eine Aufbereitungsanlage für die Sinzinger Brunnen I und II. Foto: Waeber

Sinzing.Mit einem einstimmigen Votum verabschiedeten die Verbandsräte des Zweckverbands der Bergmatting- Viehhausener Gruppe den Antrag zum Bau einer Aufbereitungsanlage für die beiden Sinzinger Brunnen.

Claudia Scharnagl vom Ingenieurbüro U.T.E trug die Untersuchungen zur Baumaßnahme vor. Gründe für die Notwendigkeit einer Aufbereitungsanlage seien zum einen die hohen Werte an Atrazin und Desethylatrazin der beiden Brunnen beim Minoritenhof Sinzing sowie der zu erwartende Wasserverbrauch aus dem Bevölkerungszuwachs im Ort Sinzing durch die neuen Baugebiete.

Eine unabhängige Versorgung

Durch den erhöhten Verbrauch reiche die Kapazität der Zuleitung aus dem Brunnen Alling, aus dem derzeit Sinzing mit Trinkwasser versorgt wird, nicht mehr aus. Die Alternative, Wasser von anderen Versorgern zu beziehen, sei aufgrund von deren Versorgungsproblemen hinfällig. Eine weitere Mischung oder eine Aufbereitungsanlage in Alling würde einen aufwendigen Neubau der Zuleitung aus Alling erfordern.

Die Aufbereitungsanlage soll beim Wasserwerk am Kühblöß gebaut werden, so Scharnagl. Zusätzlich könnte der, bisher als Reserve dienende, Hochbehälter am etwa 500 Meter entfernten Weinberg genutzt werden. Vom Hochbehälter Weinberg könnte auch das Rückspülwasser für zukünftige Reinigungsaktionen kommen. Durch die Aufbereitung würden die beiden derzeit ungenutzten Brunnen I und II, die sich in unmittelbarer Nähe des Golfplatzes befinden, reaktiviert. Dadurch wird für den Ortsteil Sinzing eine unabhängige Wasserversorgung gewährleistet. Bei Problemen in Sinzing oder auch in Alling wäre es möglich, in beiden Richtungen Wasser vom und zum Brunnen Alling zu befördern. Die Brunnen in Sinzing und Alling haben jeweils eine Förderkapazität von 29 Litern pro Sekunde, so Geschäftsführer Rudolf Eisenhut. Die Anlage sei aber auch auf die Zukunft ausgerichtet, da die Gemeinde mittelfristig weitere Baugebiete im Einzugsbereich der beiden Brunnen im Fokus habe.

Die Kosten der Aufbereitungsanlage liegen bei 725 000 Euro. Der Betrag sei bereits im Haushalt 2016 eingestellt, so Eisenhut. Die Finanzierung soll nicht über Beiträge, sondern in der Solidargemeinschaft über den Wasserpreis abgewickelt werden. Die Baukosten würden eine Erhöhung des Wasserpreises von etwa 3,6 Cent pro Kubikmeter verursachen. Die nächste Kostenberechnung des Wasserpreises wird es allerdings erst in drei Jahren geben. Finanzierungslücken bis dahin werden, so Eisenhut, auch zur Wahrung der Liquidität über Kredite ausgeglichen. Die Baumaßnahme soll 2016 abgewickelt werden.

Probleme mit den Grenzwerten

2003 übernahm der Zweckverband die Wasserversorgung des Ortsteils Sinzing von der Gemeinde Sinzing zum Preis von 250 000 Euro. Bereits damals bewegten sich die Grenzwerte für Atrazin an den zulässigen Obergrenzen. Die Nutzung der Brunnen war damals nur mit einer Sondergenehmigung des Landratsamts möglich. Kelheims Vertreter Alois Beckstein hat nun im Rückblick Recht behalten mit seiner damaligen Befürchtung, der Zweckverband gehe aufgrund der Werte, das Risiko zum Bau einer Aufbereitungsanlage ein. Ab 2006 wurde das Wasser der beiden Sinzinger Brunnen mit dem Wasser aus dem Brunnen Alling gemischt, um die Grenzwerte einzuhalten. Zwar war bis dahin ein Rückgang der Atrazinwerte zu verzeichnen, dafür stiegen die Werte des Abbaumittels Desethylatrazin. Seit 2011 wird Sinzing komplett aus dem Brunnen Alling versorgt.

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