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Erziehung

Sünchinger Kinderhaus ist ein Magnet

Das Interesse an Montessori-Pädadogik ist immens: Kinder aus 14 Gemeinden besuchen die neue Einrichtung. Sie ist ausgebucht.
Von Michael Jaumann, MZ

Kinder ab einem Jahr und auch solche mit erhöhtem Betreuungsbedarf sind im Montessori-Kinderhaus willkommen. Claudia Baron (2. von links) hat früher den Sünchinger Kindergarten Pusteblume geleitet.
Kinder ab einem Jahr und auch solche mit erhöhtem Betreuungsbedarf sind im Montessori-Kinderhaus willkommen. Claudia Baron (2. von links) hat früher den Sünchinger Kindergarten Pusteblume geleitet. Fotos: Jaumann

Sünching.Die Gemeinde ist ein Aushängeschild für kindgerechte Erziehung und Bildung. Es gibt einen kommunalen Kindergarten und einen Waldkindergarten, eine öffentliche Grundschule und eine private Montessorischule sowie seit Herbst ein Montessori-Kinderhaus – also Kinderkrippe und Kindergarten, in denen die Kinder nach den Grundsätzen der Ärztin Maria Montessori (1870-1952) gefördert werden.

Aus 14 Gemeinden stammen die neun Krippenkinder und 20 Kindergartenkinder, die den hellen Holzbau im Grünen besuchen, berichtet Leiterin Claudia Baron. Ihre Eltern bringen die Kleinen bis aus Neutraubling, Mallersdorf und Straubing in die einzige Montessori-Einrichtung im Landkreis Regensburg. Und sie opfern außer Fahrtzeit selber noch Zeit für Aufgaben im Kindergarten. 20 Stunden Elternarbeit im Jahr verlangt der Montessoriverein. Dabei kann es sich ums Zurechtschneiden und Einsäumen von Minihandtüchern für die Kleinen genauso handeln wie um einen Einsatz als Heiliger Martin zu Pferde, erklärt die neue Leiterin.

Wanderin zwischen den Welten

Claudia Baron ist im Ort keine Unbekannte. 19 Jahre lang arbeitete sie im kommunalen Kindergarten „Pusteblume“, hat dort auch die einige Jahre lang existierende integrative Gruppe mit aufgebaut. Die letzten sieben Jahre war sie Leiterin der „Pusteblume“.

Montessori-Pädagogik hat sie seit jeher schon geschätzt. Als der Montessoriverein das Spektrum seiner Kinderbetreuung erweiterte, sei es für sie klar gewesen, die Einrichtung wechseln zu wollen. Zumal sie im Kinderhaus auch wieder integrativ arbeiten kann. „Ich habe das Gefühl, hier bin ich am richtigen Platz“, sagt sie zufrieden über ihren neuen Arbeitsplatz.

„Ich habe das Gefühl, hier bin ich am richtigen Platz.“

Leiterin Claudia Baron

Die Kinder zu stärken, sie selbstständige und kompetente Menschen werden zu lassen, die Verantwortung für andere übernehmen und ein Leben lang offen für Neues sind, ist erklärtes Ziel des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans. Und der gilt für freie Träger wie Montessori genauso wie für einen kommunalen oder kirchlichen Kindergarten. Was macht aber Montessori anders?

Als Wanderin zwischen den Welten kann dies Claudia Baron bestens erläutern. So setzt Montessori etwa stärker darauf, die Kinder früh an Aufgaben des alltäglichen Lebens teilhaben zu lassen. Die Erzieherinnen füllen den Kindern bei der Brotzeit nicht die Becher. Sie schenken stattdessen aus einer großen in eine kindgerechte kleine Kanne. Die Kinder ahmen dann mit dieser kleinen Kanne das Einschenken nach. Damit das auch alles gut funktionieren kann, gibt es im Kinderhaus entsprechende Montessori-Gegenstände mit denen sich die Situation vorbereiten lässt.

„Arbeitsangebote“ nützen den Wunsch des Kindes nach Lernen und nach Bewegung gleichermaßen, heißt es bei Montessori dazu. „Arbeit“ ist natürlich nicht im herkömmlichen Sinne gemeint. Arbeit bedeutet, dass sich die Kinder selbst das Essen schöpfen. Arbeit heißt auch, sich selbst den Mund abzuwischen. Arbeiten heißt, mit solchen Verrichtungen Muskeln und Bewegungsabläufe zu trainieren und Sorge für sich selbst und die Umgebung zu tragen.

Das Wort Arbeit wird bei Montessori bewusst verwendet, um die Wertschätzung dessen auszudrücken, was das Kind tut. Sobald die Kinder auf eigenen Füßen stehen können, beginnen die Erzieherinnen damit, ihre Schützlinge sie alltägliche Sachen selber machen zu lassen. Dabei gilt für die Erzieherinnen als Prinzip, die Kinder nicht aus ihrer konzentrierten Beschäftigung zu reißen.

Dritte Gruppe ist in Planung

In den vergangenen Jahren haben etliche Elemente der Montessori-Pädagogik Eingang in andere Kindergärten gefunden. Auch Claudia Baron hat bereits früher als Erzieherin ähnlich gearbeitet. Bei Montessori sei alles aber noch kindgerechter ausgestaltet, findet sie. Wenn bei Kindern so etwa ab vier Jahren das Interesse am Schreiben wächst, fehle im Regelkindergarten oft die Zeit, ein Kind gewähren zu lassen. Montessori unterstützt den Wunsch sogar mit speziellen Materialien. Trotz ihrer jahrelangen Praxis, ist es für Claudia Baron Voraussetzung und Ehrensache, wie für alles Personal auch, das zusätzliche Montessori-Diplom zu erwerben. Denn das Montessori-Konzept sei auch „der rote Faden, der für Harmonie im Teams sorgt“.

Mit viel natürlichen Materialien ist das Kinderhaus errichtet. Die lustigen Guckkastenfenster sorgen für genügend natürliche Belichtung im Innenraum. Architekt Andreas Schleich ist selbst Vorstandsmitglied im Verein.
Mit viel natürlichen Materialien ist das Kinderhaus errichtet. Die lustigen Guckkastenfenster sorgen für genügend natürliche Belichtung im Innenraum. Architekt Andreas Schleich ist selbst Vorstandsmitglied im Verein.

Auch wenn die Leiterin rein technisch gesehen die Fronten gewechselt hat, als Konkurrenten versteht sie die Einrichtungen nicht. Sie dienen insgesamt der Gemeinschaft. Und für Montessori und den Waldkindergarten würden sich Familien sogar entscheiden, nach Sünching zu ziehen.

Im Moment gibt es im Kinderhaus aber einen Aufnahmestopp. Der Betreuungsschlüssel würde zwar noch ein paar Kinder mehr zulassen. Und die Räume für die Erweiterung um eine Gruppe sind sogar bereits eingerichtet. Die neue Einrichtung will aber organisch wachsen. Am 31. Januar ist um 19.30 Infoabend bei Montessori. Das ist der Auftakt zum Aufnahmeverfahren für das Betreuungsjahr 2017/18. Dazu gehört auch die Überlegung, ob die beiden Gruppen im Montessori-Kinderhaus um eine dritte erweitert werden sollen.

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