MyMz
Anzeige

Meinung

CSU: Vertrauen in Politik gefährdet

Beim Neujahrsempfang des Kreisverbands war der Regensburger Skandal Hauptthema. Aumer forderte schnelle Aufklärung.
Von Christof Seidl, MZ

Herzliche Begrüßung: Peter Aumer, Kreisvorsitzender der CSU Regensburg-Land, und Staatssekretär Albert Füracker
Herzliche Begrüßung: Peter Aumer, Kreisvorsitzender der CSU Regensburg-Land, und Staatssekretär Albert FürackerFoto: Petra Schmid

Tegernheim.Normalerweise hat der Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbands Regensburg-Land etwas von einem Familientreffen. Zwar gibt es politische Reden, aber beim traditionellen Leberkäse mit Breze geht es ums Wiedersehen, die Gesprächsthemen sind eher privater Natur.

Das war diesmal anders. Sowohl auf der Rednerbühne als auch im Publikum gab es ein großes gemeinsames Thema: den Bestechungsskandal in der Stadt Regensburg. Es gab bei dem Treffen am Samstag in der Tegernheimer Grundschule wohl kaum eine Gesprächsgruppe, in der jemand zu den Namen Wolbergs, Schaidinger und Tretzel nichts zu sagen hatte. Im Gespräch mit unserem Medienhaus sorgte die Affäre um den aktuellen Oberbürgermeister, seinen Vorgänger und den Bauunternehmer bei vielen CSU-Mitgliedern für fassungsloses Kopfschütteln. Dass es so etwas in Regensburg geben kann, hätte kaum jemand für möglich gehalten.

„Jetzt ist alles ein bisschen anders“

Der Barbinger Bürgermeister Johann Thiel gehört zu jenen, die die Bestechungsvorwürfe gegen Wolbergs und Schaidinger fassungslos machen. Gerade der jetzige Regensburger Oberbürgermeister habe immer einen integren Eindruck hinterlassen. Foto: Archiv/Lex
Der Barbinger Bürgermeister Johann Thiel gehört zu jenen, die die Bestechungsvorwürfe gegen Wolbergs und Schaidinger fassungslos machen. Gerade der jetzige Regensburger Oberbürgermeister habe immer einen integren Eindruck hinterlassen. Foto: Archiv/Lex

Der Tegernheimer CSU-Vorsitzende Volker Rößler sprach den Skandal schon in seiner Begrüßung an. Vor zwei Wochen wäre dies vermutlich noch ein völlig normaler Neujahrsempfang gewesen, meinte er, „aber jetzt ist alles ein bisschen anders“. Kreisverbandsvorsitzender und Bundestagskandidat Peter Aumer wurde deutlicher: „Es geht hier nicht mehr um einzelne Personen, sondern um das Vertrauen in die Politik insgesamt.“ Um so wichtiger sei jetzt eine schnelle und gründliche Aufarbeitung der Affäre, betonte Aumer.

Seine Ansprache stellte der Kreisvorsitzende unter das Stichwort „Haltung“. Genau die müsse die Politik zeigen und die CSU tue das auf allen Ebenen. Dazu zähle auch ein christliches Menschenbild und der Mut, zu deutschen Werten zu stehen. Eine Leitkulturdebatte hält der Kreisvorsitzende deshalb für wichtig. „Die Menschen brauchen Orientierung.“ Und sie bräuchten die Sicherheit, dass die Politik gute Arbeit leistet. Die mehr als 3000 Mitglieder des Kreisverbands Regensburg-Land würden dazu einen guten Beitrag leisten. Auf die Rolle im Kreistag, in dem die CSU seit drei Jahren die Opposition bildet, ging Aumer nicht ein.

Der ehemalige Landrat Herbert Mirbeth hätte die Bestechungsaffäre ebenfalls nicht für möglich gehalten. Er habe mit dem früheren OB Schaidinger viele Jahre zusammengearbeitet. Dass er auf einen solchen Berater-Vertrag eingeht, hätte er ihm nicht zugetraut.  Foto: Archiv/Popp
Der ehemalige Landrat Herbert Mirbeth hätte die Bestechungsaffäre ebenfalls nicht für möglich gehalten. Er habe mit dem früheren OB Schaidinger viele Jahre zusammengearbeitet. Dass er auf einen solchen Berater-Vertrag eingeht, hätte er ihm nicht zugetraut. Foto: Archiv/Popp

Der Festredner des Empfangs war Albert Füracker, Oberpfälzer CSU-Vorsitzender und Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Er scharte seine Parteifreunde mit einer launigen Rede hinter sich, in der er nicht müde wird, den Freistaat als Erfolgsmodell zu skizzieren. 7,5 Milliarden Menschen gebe es auf der Erde, mindestens sieben Milliarden davon würden die Deutschen beneiden. Dieser Wohlstand habe aber auch einen guten Grund. „Es geht uns in Bayern gut, weil wir hart dafür arbeiten – auch in der CSU.“ Die Menschen würden von der Politik Stabilität und Lösungen erwarten. Die CSU leiste das, weil sie immer vor Ort sei, nicht nur vor Wahlen, und weil sie alle Schichten repräsentiere. Es folgte ein Parforceritt durch all die Themenbereiche, die Bayern so besonders machen würden, von der Wirtschaft, über die Flüchtlingsfrage bis zum Länderfinanzierungsausgleich. Fürackers Fazit, lautete, es sei den Menschen in Bayern noch nie so gut gegangen wie heute.

„Vorgänge schaden der Politik“

Der CSU-Kreisrat Fritz Dechant aus Regenstauf ist von den Vorwürfen gegen die beiden Politiker ebenfalls überrascht. Andererseits könne einen das enorme Ausmaß der Bautätigkeit von Tretzel in Regensburg schon nachdenklich machen, sagte der Kreisrat. Foto: Archiv/A. Schmid,
Der CSU-Kreisrat Fritz Dechant aus Regenstauf ist von den Vorwürfen gegen die beiden Politiker ebenfalls überrascht. Andererseits könne einen das enorme Ausmaß der Bautätigkeit von Tretzel in Regensburg schon nachdenklich machen, sagte der Kreisrat. Foto: Archiv/A. Schmid,

Zuvor ging auch Füracker auf die Bestechungsaffäre ein. Er betonte, dass er sich nicht zur Sache äußere, das sei die Aufgabe der Justiz. Klar sei aber, dass diese Entwicklung das Vertrauen der Bürger nicht gerade stärke. „Diese Vorgänge schaden der Politik.“

Diese Einschätzung teilten viele Gäste des Neujahrsempfangs. CSU-Bezirksrat Thomas Gabler brachte es im Gespräch mit unserem Medienhaus auf den Punkt. „Das trifft uns alle, die gesamte politische Kaste.“ Gabler war aber auch der Meinung, dass eine solche Affäre im Landkreis nicht vorstellbar sei.

Der frühere Bezirksrat Herbert Schötz hält die Vorwürfe gegen die beiden Politiker für nichts Ungewöhnliches. Man brauche sich nur in Erinnerungen rufen, wie viele politische Karrieren schon an Gier gescheitert seien. Foto: Archiv/S. Schmid
Der frühere Bezirksrat Herbert Schötz hält die Vorwürfe gegen die beiden Politiker für nichts Ungewöhnliches. Man brauche sich nur in Erinnerungen rufen, wie viele politische Karrieren schon an Gier gescheitert seien. Foto: Archiv/S. Schmid

Dass es bei dem Empfang trotzdem Grund zu Erheiterung gab, dafür sorgte der Kreisvorsitzende persönlich. In seiner Begrüßung nannte Peter Aumer anstelle von Tegernheim die Nachbargemeinde Donaustauf als Gastgebergemeinde – und erntete dafür schallendes Gelächter.

Tegernheims CSU-Ortsvorsitzender Rößler, der aus Schwaben stammt, meinte daraufhin, dafür gebe es in seiner Heimat den passenden Spruch: „Des Spässle kost a Fässle!“ Dafür hätte Rößler eigentlich einen Tusch der Blaskapelle Tegernheim verdient gehabt, die den Neujahrsempfang musikalisch umrahmte. Ob und wie Aumer der augenzwinkernden Aufforderung Folge leisten wird, wurde bei dem Empfang nicht mehr bekannt.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht