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Energie

Eine Frau kämpft gegen Stromtrassen

Seit 2012 plant Deutschland Energieautobahnen. Genauso lange kämpft Petra Filbeck dagegen. „Diesen Wahnsinn braucht niemand.“
Von Christof Seidl, MZ

  • In solchen Rohren sollen Erdkabel Strom transportieren. Foto: dpa
  • Petra Filbeck sieht keinen Sinn in den Stromtrassen. Foto: EBW

Thalmassing. Eigentlich könnte sich Petra Filbeck bequem zurücklehnen. In ihrem Heimatort wird sie mit „SuedOstLink“ nicht konfrontiert werden. Die als Erdkabel geplante Höchstspannungsstromleitung von Magdeburg nach Landshut soll zwar quer durch den Landkreis Regensburg führen, aber: „In Thalmassing liegen wir zum Glück im Schatten von Regensburg und des ehemaligen Truppenübungsplatzes. Darum wird die Trasse nicht hier verlaufen.“

Trotzdem investiert sie viel Energie und Zeit, um den Bau von „Sued-OstLink“ zu verhindern. Widerstand mit Argumenten ist ihr zur zweiten Natur geworden. Seit den 80er-Jahren kämpft die 58-Jährige gegen Atomkraft und für regionale Energiekonzepte.

„Wir nehmen das nicht einfach hin“

Die von der Bundesregierung beschlossene Stromautobahn ist für sie eine Sackgasse. Sie sei nicht notwendig, um Windstrom aus Nord- nach Süddeutschland zu bringen. Notwendig sei sie, um schmutzigen, billigen Kohlestrom nach Norden und Süden transportieren zu können. „Wir nehmen das nicht so einfach hin“, sagt die Sprecherin des Bündnisses für Atomausstieg und erneuerbare Energie Regensburg (BüfA) und der Bayern Allianz für Atomausstieg und Klimaschutz.

Die Thalmassingerin hat prominente Unterstützung: Auch die Energieexpertin Claudia Kemfert über scharfe Kritik an den beiden Stromautobahnen. Aus Sicht der Wissenschaftlerin, die am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt leitet, sind die Pläne für den Netzausbau völlig überdimensioniert. Die Stromautobahnen seien nur nötig, damit die alten Kohlekraftwerke in Deutschland möglichst lange am Netz bleiben könnten. Sonst wäre ein Netzausbau in dieser Größenordnung nicht nötig.

In unserer Grafik sehen Sie den Planungskorridor für den Südost-Link durch den Landkreis:

Petra Filbeck argumentiert mit zwei schlichten Zahlen: Bayern benötige eine Spitzenstromleistung von rund 40 Gigawatt, die geplanten Höchstspannungsstromleitungen für Bayern hätten insgesamt eine Kapazität von vier Gigawatt. Sie könnten deshalb schon von der Kapazität her nur etwa zehn Prozent des in Bayern benötigten Stroms bereitstellen. Gleichzeitig würden bereits jetzt 35 Prozent der bayerischen Energie aus regenerativen Quellen stammen. Filbeck: „Solche „Monstertrassen“ machen einfach keinen Sinn.“ Problematischer sei für die großen Energiekonzerne wie E.ON oder RWE die Tatsache, dass sich diese Energie zum großen Teil in Bürgerhand befinde. „Da können die kein Geschäft machen.“ Deshalb versuche die Lobby dieser Konzerne, regionale Energiekonzepte zu behindern, wo es nur geht. Starkstromtrassen würden viel besser ins Konzept großer Energiekonzerne passen.

Lesen Sie außerdem: Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman erläutert die bisherigen Planungen. Die größte Herausforderung wird die Donau.

Die Zeitplanung für „SuedOstLink“ hält die Thalmassingerin für absolut unrealistisch. Ursprünglich habe die Argumentation der Bundesregierung gelautet, die Stromautobahnen müssten im Jahr 2022 fertig sein, weil dann die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen müssen. Durch den Umstieg von Freileitungen auf Erdkabel habe sich die Planung schon stark verzögert. Jetzt heiße es, dass die Leitungstrasse bis 2021 genehmigt und bis 2025 realisiert werden könne.

Filbeck listet eine ganze Reihe von Punkten auf, die für Probleme sorgen würden. Die Trasse müsse Siedlungsgebiet ebenso meiden wie künftige Gewerbegebiete. Viele Kommunen hätten nun Flächen als künftige Gewerbegebiete benannt, um die Stromtrasse von ihren Siedlungsgebieten fernzuhalten. Dazu kämen Biotope, die für die Trassenplanung tabu seien. „Tennet würde sich sicherlich freuen, wenn die Naturschützer alle fraglichen Biotope melden. Zumindest im Landkreis Regensburg ist das nicht der Fall.“ Die Planer müssten sich diese Informationen schon selbst verschaffen.

Viele Fragen sind noch ungeklärt

Selbst wenn es irgendwann eine gültige Planung geben sollte, sieht Filbeck noch große Hürden. Es gebe bisher kein vergleichbares großes Erdkabel-Projekt, schon gar nicht in Regionen mit erheblichen Steigungen und felsigem Untergrund. „Da geht es ja um eine Baustelle in der Größenordnung einer mehrere hundert Kilometer langen Autobahn.“ Dazu komme die Querung der Donau. „Mir haben Fachleute gesagt, dass es bisher keine technische Methode gibt, mit der man diese extrem schweren Kabel unter einem Fluss hindurchverlegen kann.“ Dazu kämen ungeklärte Fragen, was die Auswirkungen einer solchen Leitungstrasse auf die Landwirtschaft, auf Wälder etc. angeht.

Dass es in der Öffentlichkeit trotzdem wenig Protest gibt, seitdem die Regierung den Wechsel von weithin sichtbaren Hochspannungsleitungen auf Erdkabel bekanntgegeben hat, ist der Leitungsgegnerin bewusst. „Was die Menschen nicht sehen, stört sie auch nicht. Selbst in Naturschutzkreisen sei der Widerstand mancherorts noch nicht erwacht. Auch dass die Möglichkeiten von BüfA, Bund Naturschutz und anderen Organisationen, die die Stromtrassen verhindern wollen, begrenzt sind, räumt die Thalmassingerin offen ein.

„Wir sind ja die Kleinen, wir können nur informieren und den Finger in die Wunde legen.“ Die Stromkonzerne und die Unternehmen, die für sie arbeiten, hätten ganz andere Kapazitäten für Werbung und Anwälte als Naturschutz- und Klimaschutzverbände.

Trotzdem ist Petra Filbeck überzeugt, dass ihre Arbeit gegen die Stromtrassen nicht aussichtslos ist. „Spätestens nach dem Planfeststellungsbeschluss wird es Klagen geben und das kann dann lange dauern.“

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