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Integration

Asyl: Helfer und Vermieter streiten

Als elf Flüchtlinge eintrafen, soll das Haus in Wenzenbach verdreckt gewesen sein. Bürgermeister Koch befeuert den Konflikt.
Von Martina Schaeffer und Thomas Kreissl, MZ

  • Die jungen Männer aus Äthiopien sind froh und glücklich, dass sie in Wenzenbach endlich ein sicheres Zuhause gefunden haben. Helmuth Hartl von der Wenzenbacher Nachbarschaftshilfe kümmert sich um ihre Bedürfnisse - ehrenamtlich.Foto: Schaeffer
  • Das Einfamilienhaus in Wenzenbachs Ortsdurchfahrt ist zur Unterbringung von Asylbewerbern an das Landratsamt vermietet. Foto: Schaeffer

Wenzenbach.Der Konflikt ist nicht neu – gerade im Landkreis Regensburg, der auf die dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern in Privatunterkünften setzt. Auf der einen Seite stehen die Helferkreise, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern. Daneben gibt es die Hauseigentümer, die Gebäude und Räume zur Verfügung stellen und dafür finanziell entschädigt werden. Immer wieder kommt es vor, dass hier Interessen aufeinanderprallen. Jetzt hat sich ein Streit in Wenzenbach entzündet – und wird befeuert vom dortigen Bürgermeister Sebastian Koch.

Noch im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Wenzenbach vom Flüchtlingsrat für ihren Umgang mit Asylbewerbern Bestnoten bekommen. Und auch die Unterkunft in der Regensburger Straße wurde bisher nur als vorbildlich gelobt. Doch als letzte Woche elf junge Bootsflüchtlinge aus Äthiopien ankamen, trieb es dem Bürgermeister fast die Tränen in die Augen, wie er erzählt. „So übergibt man keine Wohnung. So überlässt man Menschen nicht dem Zufall ohne jegliche Hilfe“, sagt er erbost. Seiner Verärgerung über den Vermieter macht Koch mit Fotos von der Wohnung im Internet Luft. Mit Blick auf Stammtischparolen, die ihn erreicht hätten, spricht er dort ironisch vom „neusten Asylbewerber-Luxusresort in Wenzenbach“ und davon, wie spendabel wir Deutschen da wieder gewesen seien.

Koch: Alles war verdreckt

In der Wohnung hätten Elektrogeräte nicht funktioniert, alles sei verdreckt gewesen, es habe nicht mal für die Hälfte der Neuankömmlinge Stühle gegeben, erklärt er der MZ. Ein Reifenstapel, ein altes Fahrrad, ein völlig verdreckter Kinderwagen seien vor dem Haus gestanden. Und auch Helmuth Hartl, Vorstandsmitglied der Nachbarschaftshilfe, die sich neben Jugendpfleger Wolfgang Wienhard rührend um die Betreuung der Flüchtlinge kümmert, stößt ins gleiche Horn: Der Vermieter bekomme pro Monat mehr als 6000 Euro, mutmaßen sie. „Da erwarten wir auch, dass die eine ordentliche Ausstattung bekommen.“ Es fehlten Stühle, ein zweiter Kühlschrank für so viele Menschen.

Der Eigentümer des Hauses, ein Jurist (Name ist der Redaktion bekannt), der sein Einfamilienhaus mit den acht Zimmern an das Landratsamt für die Unterbringung von Asylbewerbern vermietet hat, weist diese Vorwürfe strikt zurück. Er habe erst am Vortag davon erfahren, dass neue Flüchtlinge in dem Haus untergebracht werden sollten und extra noch alles vorbereitet. Das Haus sei drei Monate leer gestanden. Er habe die Lebensmittel der zuvor hier untergebrachten Menschen entsorgt, den Müll, die liegengebliebenen Jacken aus den Schränken weiterverschenkt. Und: Er habe extra die Grundausstattung noch einmal kontrolliert. Nur zum Rasenmähen sei er nicht mehr gekommen, räumt er ein.

Doch dies gehöre auch gar nicht zu seinen Aufgaben, betont er im Gespräch mit der MZ. Denn das Geld werde rein für die Vermietung gezahlt. Eine sogenannte Kümmererklausel enthalte sein Vertrag nicht, und sie wäre auch nicht zulässig, unterstreicht der Jurist. Dass der Vertrag mit dem Wenzenbacher Mieter keine Kümmererklausel enthält, bestätigt Hans Fichtl, der Büroleiter der Landrätin. Denn der Vertrag wurde bereits Anfang 2014 geschlossen. Die Kümmerklausel ist dagegen erst seit Herbst 2014 Bestandteil jedes Mietvertrags, den das Landratsamt für eine Asylbewerberunterkunft abschließt,

Der kurze Absatz fordert eine „adäquate Betreuung“ sowie die zuverlässige Erledigung von Hausmeister- und Winterdiensten. Die Reinigung von Haus oder Zimmern bei einem Wechsel der Bewohner schließt dies nach Ansicht des Landratsamts mit ein. „Ein 24-Stunden-Sorglospaket“ wird nicht gefordert“, betont Fichtl, der aber auch im Wenzenbacher Fall ein gewisses Maß an sozialer Verantwortung des Vermieters sieht. Dieser Verpflichtung komme der Vermieter nach den der Behörde vorliegenden Informationen nach. Auch die Unterkunft entspreche den Standards, werde aber in den nächsten Tagen noch einmal begutachtet.

Die Höhe der Miete, die er für jeden Asylbewerber bekomme, will der Wenzenbacher Vermieter nicht nennen. Und auch das Landratsamt gibt keine Zahlen heraus. Fichtl pocht darauf, dass es sich um einen privatrechtlichen Vertrag handele und die Beträge je nach der Situation vor Ort variieren. Nach unbestätigten MZ-Informationen liegt der Satz pro Asylbewerber und Tag zwischen 20 und 40 Euro.

Vermieter: Ausgaben sind höher

Der Vermieter räumt ein, dass er durchaus eine „erhöhte Miete“ bekomme. Weist aber zugleich auf die mit einer Unterbringung von Asylbewerbern erhöhten Ausgaben hin. Die Energiekosten seien höher, das Haus werde schneller abgenutzt und er müsse allein 10 000 Euro jährlich für Brand- und Elementar-Versicherung zahlen, statt der bei Privatvermietung sonst üblichen 300 bis 400. Und: Er habe sich sehr wohl um die Asylbewerber gekümmert, betont er. Er sei selbst noch im Landratsamt gewesen und habe in Wenzenbach dann Dinge wie Bushaltestelle oder Gemeindeplan erklärt. Doch die Vermittlung von Deutschkursen oder Transportfahrten seien nicht seine Aufgabe. Die laute allein: Wohnraum bereitstellen.

Von den Flüchtlingen, um die es eigentlich geht, kommt derweil nicht ein Wort der Klage. Alles sei gut, sie fühlen sich wohl, sagen die jungen Männer. Sie sind froh, dass sie nach traumatischen Erlebnissen und ihrer 16 Monate dauernden Flucht, zunächst über das Meer und dann von Italien nach Deutschland, in Sicherheit sind. Und sie haben nur wenige Wünsche, die sie bescheiden aussprechen: einen Kühlschrank, einen Teppich, auf dem sie beten können, ein Fahrrad und natürlich Internet, damit sie mit ihren Familien Kontakt halten können. Und das unbedingt: Sie möchten Deutsch lernen, damit sie sich endlich verständigen können.

Kommentar

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Der Strom der Flüchtlinge fließt unaufhörlich. Ihn zu bewältigen, ist eine Riesenaufgabe. Es geht darum, Unterkünfte, ehrenamtliche und professionelle...

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