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Umwelt

Wiesent: Fotos zeigen Schwachstellen

Die Klimaschutzmanagerin bietet den Privatleuten Aufnahmen mit der Wärmebildkamera an. Sie zeigen Energieausstöße.
von Walter Schiessl

So sieht ein Wohnhaus mit der Wärmebildkamera aufgenommen aus. Gut zu sehen sind die Verluste an den Fenstern. Foto: Bund Naturschutz
So sieht ein Wohnhaus mit der Wärmebildkamera aufgenommen aus. Gut zu sehen sind die Verluste an den Fenstern. Foto: Bund Naturschutz

Wiesent.Die Gemeinde setzt schon lange auf Umweltschutz. Viele Projekte wie etwa das Heizwerk, ein umwelttechnisch modernes Rathaus und jetzt die Baustelle des Kinderhauses sind sichtbare Zeichen dafür. „Doch wir wollen weiter“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher. Der Gemeinderat hat deshalb eigens eine Klimaschutzmanagerin angestellt, die mit ihrer Halbtagsstelle eine Menge nützlicher Sachen macht, wie das Gemeindeoberhaupt feststellt. Ab Januar wird nun Manuela Zirngibl mit einer Wärmebildkamera unterwegs sein und den Wiesentern mit diesem Gerät helfen, die Schwachstellen ihrer Häuser aufzuspüren.

Seit 2016 geschah viel

„Die Winterzeit ist natürlich ideal dafür, Aufnahmen mit der Wärmebildkamera zu machen“, weiß die dreifache Mutter, die in ihrem anderen Job an der Regensburger OTH Maschinenbaustudenten Mathematik beibringt. Immer dienstags und donnerstags ist sie zusammengerechnet 19 Stunden in der Woche in Wiesent.

Manuela Zirngibl achtet auf den Klimaschutz in Wiesent. Foto: Eschbach
Manuela Zirngibl achtet auf den Klimaschutz in Wiesent. Foto: Eschbach

Angestellt ist die gebürtige Regensburgerin seit 1. Juli 2016 bei der Gemeinde. „Wir waren uns alle einig, das zu machen“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher und, „zu bereuen gibt es da nichts.“ Im Gegenteil – in den knapp zweieinhalb Jahren geschah schon sehr viel, sagt die Bürgermeisterin und nennt die Umrüstung von Sportheim, Schützenheim und FFW-Haus auf eine Heizung mit nachwachsenden Rohstoffen als Erfolgsmomente, die mithilfe der Umweltschutzmanagerin verwirklicht werden konnten. „Mit dem gemeindlichen Gebäuden sind wir schon sehr weit“, sagt denn auch Geschäftsleiter Klaus Eschbach.

So stehe nur noch die Umrüstung des Schulgebäudes, das nach mit Öl beheizt wird, auf dem Plan. „Das soll 2020 geschehen“, sagt Eschbach und stellt fest, dass dann alle gemeindlichen Gebäude auf umweltfreundliche Rohstoffnutzung umgestellt sind. Das FFW-Haus in Dietersweg wurde beispielsweise an eine Erdwärmepumpe angeschlossen, die Wiesenter Gebäude würden von der Energiebox, die mit Hackschnitzeln befeuert wird, beheizt.

Doch nicht nur die gemeindlichen Gebäude sollen auf Vordermann gebracht werden, auch die Privathäuser sollen energietechnisch verbessert werden. Klimaschutzmanagerin Manuela Zirngibl wird ab Januar allen Bürgern Termine anbieten. Sie wird – wo gewünscht – mit der Wärmebildkamera, die dem Bund Naturschutz gehört, unterwegs sein und Schwachstellen aufdecken. „Die Kamera macht die Wärmestrahlung sichtbar“, sagt die Regensburgerin, die dann aus den Aufnahmen Rückschlüsse auf die Oberflächentemperatur zieht.

Die Wärmebildkamera

  • Funktion:

    Aufgebaut ist die Kamera im Prinzip wie eine normale elektronische Kamera für sichtbares Licht, die Sensoren unterscheiden sich aber in Aufbau und Funktionsweise je nach zu detektierender Wellenlänge. Es ist nicht möglich, mit herkömmlichen Filmen sehr langwellige Strahlung aufzunehmen, weil die fotoempfindliche Emulsion auch in verpacktem Zustand durch die thermische Eigenstrahlung „belichtet“ würde.

  • Aufnahmen:

    Bilder, die von Infrarotkameras erzeugt werden, liegen zunächst als Intensitätsinformation vor. Wärmebildkameras stellen diese üblicherweise in Graustufen dar, gängige Kameramodelle sind in der Lage, bis zu 256 (8 bit) Graustufen aufzulösen. Allerdings ist es für den menschlichen Betrachter nicht möglich, derart feine Graustufungen aufzulösen; es ist daher nützlich, Bilder in Falschfarben-Darstellung zu erzeugen.

Für diese Aufnahmen sind die Wintermonate optimal, denn die Häuser sind meist voll beheizt und die Stellen, an denen viel Energie verloren geht, sind in der Regel gut sichtbar. Fotografiert werden die Gebäude von außen wie auch von innen. Im Außenbereich erscheinen die Schwachstellen rot, im Innenbereich blau. „Meist sind das undichte Fensterrahmen oder schlechte Glasscheiben“, sagt Manuela Zirngibl. Bisweilen können schon durch das Auswechseln von Fenster- oder Türdichtungen Verbesserungen erzielt werden, sagt die Klimaschutzmanagerin. Diese Technik nennt sich Thermografie.

Weil sie aber nicht in Konkurrenz zu den Energieberatern gehen will, macht sie keine Auswertungen der aufnahmen. Stattdessen bekommen die Wiesenter die Fotos mit einer Liste der Namen der Energieberater, die die Aufnahmen dann professionell auswerten und zu ganz speziellen Verbesserungen raten können. Weiter steht in Wiesent ein Energiemesser für Elektrogeräte bereit. Dieser kann kostenlos ausgeliehen werden. Er hilft, den Stromfressern auf die Spur zu kommen und kann sogar die entstandenen Kosten sowie die CO2-Emissionen berechnen.

Bürger können Geld sparen

Weil die Wärmebildkamera im Besitz des Bunds Naturschutz ist, müssen die Wiesenter 22 Euro für einen Einsatz verlangen. Dieser dauert in etwa eine Stunde, anschließend erhalten die Interessenten die Bilder auf ihren PC geschickt, sagt Manuela Zirngibl, die für ihre Beratung selbst natürlich nichts verlangt.

„Für uns ist es wichtig“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher, den Bürgern Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihre Energiesituation verbessern und letztendlich dann auch Geld sparen können. Die Wärmebildkamera soll mithelfen, die Schwachpunkte der einzelnen Gebäude aufzudecken. An den Bürgern liegt es dann, Abhilfe zu schaffen.

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