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Steinbruch

Wiesenter hoffen auf die Landrätin

Tanja Schweiger hat im Wiesenter Streit zu entscheiden, ob die Abbaufrage auf die Kreistagssitzung kommt.
von Walter Schiessl und Peter Luft,MZ

Im Kampf um den Erhalt des Fürstlichen Thiergartens bei Ettersdorf wird es bald ganz zur Sache gehen.
Im Kampf um den Erhalt des Fürstlichen Thiergartens bei Ettersdorf wird es bald ganz zur Sache gehen. Foto: Schießl

Wiesent.Die Wiesenter hoffen im Hickhack um den bei Ettersdorf vorgesehenen Steinbruch auf eine politische Lösung. Denn bei der Genehmigung des Bauantrags werden die Verwaltung des Landratsamts und damit auch Landrätin Tanja Schweiger eine entscheidende Rolle spielen. Die Amtschefin muss entscheiden, ob sie die Herausnahme der zwölf Hektar großen Fläche auf die Tagesordnung einer Kreistagssitzung setzt oder nicht.

„Wir wollen eine politische Lösung!“

Gemeinderat Ali Stadler

Das Areal nahe Ettersdorfs gehört zum Fürstlichen Thierpark, der als Landschaftsschutzgebiet eingestuft ist. Die Landkreis-Chefin hat zwei Möglichkeiten: Entweder sie lässt den Kreistag über die Herausnahme der Fläche votieren, oder sie verzichtet darauf, indem sie eine sogenannte „Befreiung“ erteilt. Dadurch könne 25 Jahre lang Granit entnommen werden, eben mit behördlicher Erlaubnis, aber ohne Kreistagsvotum.

Die Wiesenter sprachen bei ihrer Bürgerversammlung die Hoffnung auf eine Abstimmung aus. „Da warten wir mit Spannung auf die Entscheidung, die die Landrätin treffen wird“, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher.

„Gute Luft wird weniger“

Bei der Bürgerversammlung war der Steinbruch neben der Stromtrasse und den Poldern das Hauptthema. Auch wenn der Bauantrag des Mallersdorfer Bauunternehmers Robert Fahrner bislang beim Landratsamt noch nicht eingegangen ist, die Wiesenter setzen alles dran, um das Vorhaben, für das die Regierung im Raumordnungsverfahren mit einigen Auflagen grünes Licht gegeben hat, verhindern zu können. Alle Wiesenter, so sagte Gemeinderat Ali Stadler, setzen auf die Landrätin. „Dann würde der Kreistag gefragt“, sagte Stadler weiter, und dann haben wir eine „politische Entscheinung“. Tanja Schweiger hat sich bekanntlich in ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete der Freien Wähler massiv gegen den Steinbruch geäußert und sogar eine schriftliche Anfrage an den Landtag gestellt, in der sie über einige Details Bescheid bekommen haben wollte.

Im Falle eines Kreistags-Beschlusses habe man wesentlich höhere Chancen, das Vorhaben zu durchkreuzen, sagte auch Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher. „Die Kreisräte müssten dann Farbe bekennen, ob sie für oder gegen das Abbau-Vorhaben sind“, argumentierte Ali Stadler weiter. Die Wiesenter und vor allem die Ettersdorfer haben von den jüngst getroffenen Entscheidungen die Nase längst voll. Karlheinz Barth brachte es auf den Punkt und sagte, „was sollen wir denn noch alles aushalten?“ Es werde mit der Stromtrasse und mit dem mit dem Steinbruch einhergehenden Lastverkehr immer mehr, „die gute Luft aus dem Wald wird immer weniger“, die aktuelle Lebensqualität sei erheblich bedroht.

Egon Schwing meinte, die angedachten Projekt brächten für Wiesent nur Belastungen und Ärger. „Von den überregionalen Mandatsträgern hört man gar nichts“, sagte Egon Schwing, der ebenso wie Max Peutler der Meinung war, dass man nichts ausrichten könne, wenn die überregionale Politik längst etwas anderes entschieden habe. Paul Wiethaler und Christian Graf, die beiden Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Steinbruch, waren anderer Ansicht, denn es sei bislang noch nichts passiert. Doch man müsse und werde auf der Hut sein, um das Drohende zu verhindern. Die Initiative will den Druck auf die Mandatsträger in der nächsten Zeit erhöhen. „Die Plakate der Steinbruchgegner hängen schief. Das gibt kein schönes Ortsbild ab“, bemängelte ein Bürger.

„Das Herz hätte geblutet“

„Hätte man nicht anstelle der Sanierung des alten Schulhaus zum Rathaus für 2.3 Millionen Euro auch einen Neubau außerörtlich hinstellen können“, warf ein Bürger ein. „Wir haben uns die Überlegungen dazu im Gemeinderat nicht leicht gemacht. Aber dann hätten wir zwei Gebäude im Unterhalt und wir wollten im Ortskern bleiben. Es hätte unser aller Herz geblutet, dieses markante Gebäude fallen zu lassen“, sagte die Bürgermeisterin. Viele Dörfer sterben eh fast im Innern aus. „Da wollten wir von der Gemeinde den Anstoß geben und Vorbild sein, den Ortskern zu beleben“, so Elisabeth Kerscher.

„Es sind die nächsten Jahre große finanzielle Anstrengungen nötig. Wir sind aber gut unterwegs. Und mein Traum ist es, dass jede Einrichtung der Gemeinde bis 2020 ihren Platz hat“, sagte die Bürgermeisterin. Es sei schon wichtig, wenn sich der Ortskern zusammenziehe und Häuser erhalten bleiben“, lobte Kreis-und Ortsheimatpfleger Peter Lutz.

Weitere Themen

  • Rathaus:

    Die Planungskosten für die Sanierung des alten Schulhauses in Höhe von 500 000 Euro sind sehr hoch, kritisierte Max Peutler. Schon alleine, dass die neuen Fenster wieder herausgerissen und durch neue ersetzt werden, ist nicht gut, sagt er. Ein neues Gemeindezentrum beim Feuerwehrhaus wäre besser gewesen.

  • Stromtrasse:

    Sie wird höchstwahrscheinlich durch das Gebiet der Gemeinde verlaufen. Welche Verlaufs-Variante zum Tragen kommt, sei noch offen. „Die Grundsatz-Entscheidung ist gefallen“, sagte Bürgeremisterin Elisabeth Kerscher, das müsse sie knallhart den Bürgern sagen.

  • Kindergarten:

    Er kommt nach dem Umzug in die Räume der Gemeindeverwaltung. Dadurch habe man viel mehr Platz für den Kindergarten und die Kinderkrippe, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher. Ein Neubau an anderer Stelle hätte zur Folge gehabt, dass die Gemeinde dann ein weiteres Gebäude hätte.

  • Friedhof:

    Dort bedeckt eine alte Eiche in den Herbstmonaten immer wieder Gräber mit Laub, weshalb Reinhold Bübl ein Fällen des Baums, der nahe an der Fahrbahn der Regensburger Straße steht, beantragte. Der Gemeinderat wird in einer seiner nächsten Sitzungen darüber beraten.

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