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Denkmaltag

Besucher erkundeten das Schloss Wörth

Ulrike Riedel-Waas und Walter Groß entführten auf eine Reise durch die Jahrhunderte. Probesitzen im Kerker war im Angebot. .
Von Sebastian Schmid, MZ

Ulrike Riedel-Waas (links) stellte dem interessierten Publikum das Wörther Rondellzimmer vor.
Ulrike Riedel-Waas (links) stellte dem interessierten Publikum das Wörther Rondellzimmer vor. Foto: Schmid

Wörth.Besucher aus nah und fern nutzten den Tag des offenen Denkmals, um die Geheimnisse des Wörther Schlosses zu erkunden. Nur zu besonderen Anlässen erhält die Öffentlichkeit Zutritt zum Rondellzimmer und dem ehemaligen Gefängnis. Ulrike Riedel-Waas stellte dem interessierten Publikum das Rondellzimmer vor, einen der prächtigsten Räume des Landkreises.

Walter Groß führte die 40 Gäste durch den Kerker, in dem der prominente Häftling Pfarrer Florian von Miller untergebracht war. Er hatte in Cham eine Rebellion angeführt, die blutig von österreichischen Truppen niedergeschlagen worden war. „Diese Räume waren so etwas wie Stammheim für die RAF. Sie wurden speziell für diesen Häftling errichtet“, sagte er. Schmunzelnd fügte er hinzu: „Wer will, der darf gerne Probesitzen.“

Moderne Seite der alten Mauern

Weil das Wörther Schloss nicht nur ein Denkmal und ein Wahrzeichen der Stadt ist, sondern auch heute noch einem Zweck dient, schlug Ursula Schmeling einen Bogen zur jetzigen Situation. Sie stellte dem Publikum die moderne Seite der alten Mauern vor: die gelungene Symbiose von alter Geschichte und moderner Nutzung. Seit 1988 nutzt Pro seniore die Räumlichkeiten als Seniorenwohnheim.

Dadurch werden zwei gesamtgesellschaftliche Aufgaben erfüllt: der Erhalt eines Denkmals und die fachgerechte Versorgung der Senioren. „Wenn ein Gebäude nicht genutzt wird, dann verfällt es. Durch das Wohnen und Leben im Wörther Schloss bleibt es lebendig“, sagte sie.

Im Heinz-Rühmann-Zimmer erklärte sie den 40 Gästen das Konzept, mit dem an die Betreuung der Bewohner herangegangen wird. Zunächst wird ihre Biografie erhoben, um mehr über ihre Hobbys, Abneigungen und Vorlieben zu erfahren. „Wenn jemand sein ganzes Leben nicht gestrickt hat, dann wird er bei uns sicherlich nicht damit anfangen“, sagte sie. Vielmehr gehe es darum, so viel wie möglich aus dem gewohnten Alltag der Senioren im Schloss nachzuempfinden.

Großen Wert legt die Leiterin der Pflegeeinrichtung darauf, ihren Bewohnern ein abwechslungsreiches Programm mit kleinen Ausflügen zu bieten: „Es stimmt in keinster Weise, dass die Leute hier oben festsitzen.“ So werden regelmäßige Fahrten organisiert: in den Tiergarten, das Wörther Kino, zu Weihnachtsmärkten, in das Gut Waffenschmiede oder zum Kegeln. Vor Ort im Schloss wird Gedächtnis- und Bewegungstraining angeboten oder gemeinsames Singen, Backen oder Malen. „Diese soziale Komponente ist uns sehr wichtig, denn sie trägt ganz entscheidend zum Wohlbefinden unserer Senioren bei“, erklärt Uschi Schmeling.

Modenschau für die Senioren

„Wir stehen auch im Austausch mit den Senioren der Pfarrgemeinde. Sie besuchen uns regelmäßig und laden uns ein.“ Auch vor Ort im Schloss finden kleine Veranstaltungen statt, die bei den Bewohnern Anklang finden. „Im Heinz-Rühmann-Zimmer machen wir unsere Videoabende, mit Filmen, die sie an ihre Jugend erinnern“, so Schmeling. Sie berichtete von einer alten Dame, die dem Seniorenstift stapelweise Kleidung aus den 60er-Jahren hinterlassen hat. Weil die Stücke noch in gutem Zustand sind und genau den Geschmack der älteren Mitbürger treffen, haben sie damit kurzerhand eine Modenschau organisiert. „Dabei merkt man förmlich, wie die Leute aufblühen, sich wieder jung fühlen und Spaß daran haben.“

Gemeinsam Denkmale erhalten

  • Klosteranlage:

    Unermüdlich führte Kirchenpfleger Sigfried Lehner am „Tag des offenen Denkmals“ Besuchergruppen nicht nur durch die vielen Räume des Klosters Frauenzell, sondern quer durch die Jahrhunderte.

  • Restaurierung:

    Von der ersten Schenkung im Jahr 1313 bis zu aktuellen Bemühungen in Sachen Restaurierung reichte die Bandbreite der Informationen. Begeistert nutzten Besucher die Gelegenheit, auch einmal jene Winkel zu erkunden, die normalerweise nicht zugänglich sind, etwa die Kellergewölbe, den Dachstuhl mit den gedrehten Kaminen, das brachliegende Geschoss über dem neuen Pfarrheim und den großzügigen Klostergarten.

  • Sicherung:

    Besonderes Augenmerk galt am Denkmalstag dem Sicherungsnetz in der ehemaligen Klosterkirche. Hätten nicht Bürger und Vereine vor zehn Jahren rund 10 000 Euro für ein Sicherungsnetz aufgebracht, könnte man die Kirche wegen Gefahr durch herabfallende Stuckteile bis heute nicht betreten. Zum Wahlspruch des Denkmaltages „Gemeinsam Denkmale erhalten“ passt diese private Initiative optimal, waren sich die Gäste einig. (lvr)

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