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Aktion

Die Wörther Mittelschüler zeigen Flagge

Die jungen Leute treten gegen Rassismus ein. Dafür bekamen sie einen Ehrentitel, übernehmen aber auch Verpflichtungen.
Von Sebastian Schmid, MZ

  • Die Wörther Schüler zeigten bei der Preisverleihung, wie sie sich eine frei Welt vorstellten. Foto: Sebastian Schmid
  • Die Preisverleihung „Schule ohne Rassismus“ Foto: Schmid
  • Die Preisverleihung „Schule ohne Rassismus“ Foto: Schmid

Wörth.„Gerade kann man erleben, wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wieder aufflammen“, sagte Bürgermeister Anton Rothfischer. Er gratulierte den Schülern und Lehrern der Wörther Mittelschule zur Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Gleichzeitig betonte der Schulverbandsvorsitzende: „Man muss diesen Menschen mit Mut und Argumenten entgegentreten, denn sie haben auf keinen Fall recht.“

Genau dafür steht die Wörther Schule nun ein und verpflichtet sich zur Einhaltung von drei Prinzipien: Zentrale Aufgabe wird es sein, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

Geschieht Gewalt oder fallen menschenverachtende Äußerungen, soll sich die gesamte Gemeinschaft dafür einsetzen, Wege zur gegenseitigen Wertschätzung zu finden.

Wenigstens einmal pro Jahr soll ein Projekt gegen Diskriminierung durchgeführt werden, um diesem Problem langfristig zu begegnen und es zu unterbinden.

82 Prozent unterschrieben

Dazu mussten mindestens 70 Prozent der Schüler, Lehrer und Angestellten eine Selbstverpflichtung unterzeichnen, um diese drei Grundpfeiler des Programms zu bestätigen. So wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die Wissen und Fakten zu den Themen Rassismus und Diskriminierung gesammelt hat, um gegebenenfalls mit Argumenten gerüstet zu sein. „In Wörth haben 82 Prozent unterschrieben. Das ist eine gute Quote“, sagte Yvonne Hruby, die im Auftrag von Landrätin Tanja Schweiger sprach. Die Gruppenleiterin für Sozialarbeit an Schulen sprach den Kindern ihre Anerkennung für das Projekt aus: „Ihr geht damit nicht den einfachen und bequemen Weg, sondern den richtigen!“ Rassismus habe viele grausame Gesichter. Es sei immer leichter, andere für Probleme verantwortlich zu machen, als selbst nach Lösungen zu suchen.

Schulleiter Martin Voggenreiter zeigte sich ebenfalls beeindruckt vom Engagement der Schüler: „Dieses Thema wurde nicht von außen oder von den Lehrern hineingetragen“, sagte er. „Es waren die Schüler, die sich eingesetzt haben und sich stark gemacht haben.“ Die Lehrkräfte hätten lediglich bei der Umsetzung Hilfestellung geleistet. So könne er sicher sein, dass das Projekt nachhaltig angelegt sei und Bestand haben wird.

Stefan Schnabel, Nachwuchstrainer des EVR, sprach seine Hochachtung vor den Schülern aus: „Als wir gefragt wurden, ob wir das Projekt unterstützen, haben wir sofort ja gesagt.“ Gerade als Sportler müsse man immer weltoffen sein und den Mensch als Ganzes sehen. „Wir werden euch auch weiterhin zur Seite stehen, wenn ihr Hilfe braucht“, so Schnabel.

Würde aller Menschen schützen

Auch Herbert Schötz, Vorsitzender des Fördervereins für die Mittelschule, fand lobende Worte: „Ihr habt diese Auszeichnung nicht geschenkt bekommen, sondern habt sie euch verdient.“ Er berichtete von Diskriminierungen, die er selbst auf facebook gesehen hat: „Niemand ist Gesindel, nur weil er in Afrika oder im arabischen Raum geboren wurde.“ Gerade wegen solcher Äußerungen sei es wichtig, auch außerhalb der Schule Flagge zu zeigen. Der Förderverein hat die Kosten für die Plakette übernommen, die als Erinnerung an den permanenten Auftrag am Eingang der Schule befestigt wird. Er wird das Projekt auch langfristig unterstützen.

Schulrat Clemens Sieber erinnerte daran, dass es die Aufgabe aller ist, die Würde des Menschen zu schützen: „Rechtsradikale dürfen das nicht in Frage stellen!“ Anschließend trugen die Schüler ihre „Träume“, wie eine bessere Welt aussehen sollte, vor. Dazu lief ein Remix der berühmten Rede des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King.

Das größte Schulnetzwerk in Deutschland

Die Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist das größte Schulnetzwerk in Deutschland. Ihm gehören 1700 Bildungseinrichtungen an, die von einer Million Schülern besucht werden.

In Bayern sind es bisher 300 teilnehmende Schulen. Das Projekt wurde von Jugendarbeitern in Belgien entwickelt und ist seitdem auch in Österreich, den Niederlanden und Spanien aktiv.

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