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Feuchttücher verstopfen den Kanal

Vielen Bürgern ist nicht klar, dass diese Tücher aus Plastik sind. Klumpen blockieren die Abwasserpumpen im Wörther System.
Von Sebastian Schmid, MZ

Michael Foerster, der Betriebsleiter des Klärwerks, muss regelmäßig eine Menge Unrat aus dem Abwasser holen.
Michael Foerster, der Betriebsleiter des Klärwerks, muss regelmäßig eine Menge Unrat aus dem Abwasser holen. Foto: S. Schmid

WÖRTH. Feuchttücher werden ein zunehmendes Problem für die Kläranlage der Stadt. Inzwischen kommt es zwei Mal im Monat zur Verstopfung der Rohre und dem Ausfall der Abwasserpumpen. „Vielen Bürgern ist nicht bewusst, dass diese Tücher aus Plastik und nicht aus Zellstoff sind“, meint Siegfried Stadler vom Baumamt. „Sie lösen sich im Wasser nicht auf, sondern blockieren die Pumpen.“ Dann müssen die Arbeiter des Bauhofs ausrücken, den Klumpen lokalisieren und entfernen. „Das ist jedes Mal zusätzlicher Aufwand, auf den man gerne verzichten könnte“, sagt Stadler.

„Vor allem am Wochenende oder nachts ist es ärgerlich, wenn es zu Störungen kommt.“ Er appelliert dringend an die Bevölkerung, keine Feuchttücher in die Toilette zu werfen. Ein Teil des Problems ist, dass auf einigen Verpackungen steht, dass einzelne Tücher in der Toilette entsorgt werden können. „Wenn jeder Haushalt, der an das Netz angeschlossen ist, nur ein Tuch entsorgt, dann sind es Tausende, die sich in den Pumpen verfangen“, erklärt Stadler. „Man kann dem nicht mit technischen Maßnahmen gegensteuern, dafür sind die Geräte nicht ausgelegt.“ Zwar gibt es in den meisten der 14 Pumpstationen eine zweite Pumpe, die im Bedarfsfall einspringen kann. Doch gelegentlich kommt es vor, dass auch sie verstopft wird. „Im Extremfall würde sich das Abwasser durch die Kanalisation zurückstauen und in die Gewässer gelangen“, sagt Siegfried Stadler.

Zu dichten Klumpen zementiert

Bevor es dazu kommt, greifen die Mitarbeiter des Bauhofs ein und verhindern Schlimmeres. Sie müssen die Pumpen aus dem Abwasser holen und von den Feuchttüchern befreien. Meistens haben sie sich zu einem dichten Klumpen zementiert. Diese 50 Zentimeter langen Verzopfungen stecken dann fest und lassen die Pumpen ausfallen. Aus Sicherheitsgründen müssen immer zwei Mitarbeiter diese unschöne Aufgabe übernehmen. „Keime oder auftretende Gase können nicht ungefährlich sein, deshalb braucht man zwei Personen, die sich gegenseitig absichern“, erklärt Stadler. Sie benötigen oft einen halben Tag, bis die Gerätschaften wieder voll funktionsfähig sind. „Während dieser Zeit könnten sie andere Tätigkeiten übernehmen, wenn sie nicht mit den Feuchttüchern zu tun hätten“, meint er.

Ein weiteres Problem bereitet ihm Kopfschmerzen: „Viele Leute entsorgen ihr Putzwasser aus Gewohnheit einfach über den Gull vor ihrem Haus.“ An einigen Stellen gelangt kann das verunreinigte Wasser so in Gewässer. „Wenn man sie darauf anspricht, zeigen sie sich meistens einsichtig“, berichtet Stadler. „Oft wissen sie schlichtweg nicht, wohin das Abwasser geleitet wird.“ Weil die Gullys dafür gedacht sind, Regenwasser abzuleiten, sind sie nicht immer an das Kanalsystem angeschlossen. „Manches, was auf diese Art und Weise entsorgt wird, findet sich dann in den Gewässern wieder“, so Stadler. Dies gilt beispielsweise für den Bach, der entlang der Straubinger Straße fließt.

Nicht nur Feuchttücher werden zur Belastung für die Kläranlage und die Pumpstationen. Für Michael Foerster, den Betriebsleiter des Klärwerks, ist es Alltag, Fremdkörper aus den Leitungen zu holen. „Von Unterhemden bis zu Batterien findet man jede Art von Unrat, der dort nichts verloren hat“, berichtet er. Besonders heimtückisch sind Rasierklingen, die immer wieder auftauchen. Gegen sie sind die Schutzhandschuhe nutzlos.

Ein Rechen filtert Müll heraus

Mit einem Rechen wird der gröbste Müll, der in der Kläranlage ankommt, herausgefiltert. Dabei sammeln sich jedes Jahr 48 Tonnen Abfall an. „Das entspricht mehreren Lkw-Ladungen“, meint Siegfried Stadler nachdenklich. Auch Bürgermeister Anton Rothfischer findet es bedenklich, wie viel Müll in das Abwassersystem der Stadt gelangt. „Wenn alle Bürgerinnen und Bürger ihren Abfall ordnungsgemäß entsorgen, dann haben wir diese Probleme nicht“, sagt er. „Man kann nur an die Vernunft der Leute appellieren, denn jede unnötige Reparatur ist mit Kosten für die Stadt verbunden.“

Zwei Systeme

  • Mischsystem

    Wenn Regen- und Schmutzwasser in einem Kanal zur Kläranlage fließen, muss das Kanalnetz in der Regel durch ein Regenentlastungssystem, durch einen Regenüberlauf und/oder durch ein Regenüberlaufbecken entlastet werden, damit die Kläranlage nicht überlastet wird. Dies kann bereits im Kanalnetz oder auch erst in der Kläranlage geschehen.

  • Trennsystem

    Hier wird das Schmutzwasser in einer separaten Rohrleitung der Kläranlage zugeführt, während das Regenwasser durch einen eigenen Kanal direkt in ein Oberflächengewässer geleitet wird.

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