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Sonntag, 25. Februar 2018 2

Polizei

Keyless-Go macht es Dieben leicht

Mittels eines billigen Funkgerätes können teure Pkws geöffnet und weggefahren werden. Viermal waren Diebe in Wörth aktiv.
von Walter Schiessl, MZ

Josef Schweiger zeigt es: Die Schlüssel können mit Alufolie umwickelt werden – das hilft gegen den Diebstahl. Foto: Schießl

Wörth.Die Autohersteller bieten bei den teueren Modellen gerne Varianten an, die sich „ keyless go“ nennen. Diese bringen es für die stolzen Wagenbesitzer mit sich, dass sie ihren Pkw ohne den Schlüssel ins Schloss stecken zu müssen, aufschließen und dann auch starten können. Der Pkw-Schlüssel muss eigentlich nur in der Tasche oder in der Hand des Lenkers sein. Doch diese Variante hat auch einen großen Nachteil: Pkw-Diebe können mittels einer sogenannten Funkverlängerung die Autos problemlos klauen.

Polizeihauptkommissar Josef Schweiger, der Leiter der Wörther Inspektion, kann ein Lied von den technisch versierten Autodieben singen. „Verglichen mit 2016, als wir nur einen Pkw-Diebstahl auf diese Weise hatten, haben die Täter heuer schon viermal zugeschlagen“, sagt Schweiger. Auffallend sei es, dass immer sehr teure Fahrzeuge geklaut würden. Den Schaden, den die Ganoven allein im Gebiet der Wörther Inspektion anrichteten, beziffert die PI-Chef aif 300 000 Euro.

Zusammenarbeit mit Tschechien

2016 wurde ein BMW X6 im Wörther Wohngebiet gestohlen. Der Wagen hatte einen Zeitwert von 25 000 Euro. Aufbruchsspuren sah man keine, so dass die Polizei davon ausgeht, dass der Wagen über eine sogenannte Funkverlängerung in Gang gebracht wurde. Dazu nutzen Autodiebe ein kleines Gerät, das zwischen 100 und 300 Euro kostet, mit dem dann der Schlüssel, der nicht selten unweit der Haustüre abgelegt ist, geortet wird. Dessen Code wird festgehalten und dann zum Pkw gegeben, so dass dieser problemlos geöffnet und auch gestartet werden kann. Einzige Voraussetzung: Der Wagen muss im Freien vor dem Wohnhaus geparkt sein.

Vier weitere Fälle registrierte die Wörther Polizei allein schon diesem Jahr. So wurden am 11. März in Donaustauf ein Audi A6 im Wert von 70 000 Euro, am 7. April ein Audi A7 in Frengkofen im Wert von 63 000 Euro, am 9. Mai wieder ein Audi A6 in Donaustauf im Wert von 70 000 Euro und am 2. Julie ein AMG-Mercedes im Wert von 105 000 Euro gestohlen. Die Täter gehen dabei nach der gleichen Masche vor und orten die Fahrzeuge mittels des Funkverlängerungsgeräts. Allerdings können die Wagenbesitzer Abhilfe gegen dieses Vorgehen schaffen. Denn sie müssen eigentlich nur den Pkw-Schlüssel mehrfach mit einer Alu-Folie umwickeln. „Oder man kann sich auch spezielle Schlüsseltaschen kaufen, die ebenfalls mit einem Alu-Einsatz ausgestattet sind“, weiß Josef Schweiger. Aber natürlich funktioniere das nicht immer, denn die Zeitgenossen vergessen bisweilen in der Eile des Gefechts, die Schlüssel so zu verwahren.

„Lieber einmal zu viel als zu wenig gemeldet!“

Wörths PI-Chef Josef Schweiger

Auf alle Fälle sollten unbekannte Personen oder Fahrzeuge, die vor Wohnhäusern und geparkten Autos beobachtet werden, der Polizei gemeldet werden. „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“, sagt der PI-Chef. Das gleiche gelte, wenn bei teueren Pkws, die an Tankstellen mit Sprit aufgefüllt würden, der Motor weiterlaufe. Das könne ein Zeichen dafür sein, dass der Wagen gestohlen wurde und eben mit einem keyless-go-system ausgestattet sei.

Denn in diesem Falle würde der Wagen nach dem Abstellen nicht mehr gestartet werden können. „Der Diebstahl wäre dann für die Katz gewesen“, sagt der PI-Chef. Bei der Kripo Regensburg laufen alle Fäden für der Aufklärung der Pkw-Diebstähle bei einem Spezialisten in Furth im Wald zusammen. Dort hat man sich darauf eingestellt, dass viel Autos über die Grenze nach Tschechien gefahren würden. Die Beamten arbeiten eng mit der Polizei des Nachbarlands zusammen.

Autos tauchen nur selten wieder auf

In der Oberpfalz wurde heuer bis zur Jahresmitte 18 Pkws, die mit dem keyless-System ausgestattet waren, gestohlen. Der Schaden liegt bei sage und schreibe 1,3 Millionen Euro. „Die Zahl der Autos, die wieder auftauchen, ist sehr überschaubar“, sagt Albert Brück von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Die Gesetzeshüter gehen davon aus, dass bei den einen oder anderen Modellen das Keyless-System ausgebaut werden könnte. Aber ein großer Teil der Fahrzeuge wird sicher in die Einzelteile zerlegt und mit diesen dann Handel betrieben. Das sei inzwischen ein lukratives Geschäft.

Der ADAC forderte die Autohersteller schon mehrfach auf, die gesamte Fahrzeugelektronik systematisch so abzusichern, wie dies in anderen IT-Bereichen längst Standard ist. Fahrzeuge mit Keyless-Schließsystem dürften laut dem ADAC nicht deutlich leichter zu stehlen sein als Pendants mit normalem Funkschlüssel. Und: Für Besitzer betroffener Fahrzeuge sollte es Abhilfe geben. Außerdem könne ein geeigneter Störsender bereits das Abschließen des Autos verhindern, was es einem Dieb noch einfacher macht, ins Auto zu gelangen, wird von den Kritikern ins Feld geführt.

Probleme gebe es inzwischen auch bei Motorrädern. Auch hier könne man die gleiche Arbeitsweise der Diebe feststellen.

So funktioniert „Keyless“

  • Keyless Go beschreibt ein System, um ein Fahrzeug ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels (also „keyless“, zu deutsch „schlüssellos“) zu entriegeln und durch das bloße Betätigen des Startknopfes zu starten. Ermöglicht wird das durch einen Keyless-Go-Schlüssel mit Chip, den der Fahrzeuglenker mit sich führt. Sobald sich eine Hand dem Türgriff eines mit Keyless Go ausgestatteten Fahrzeuges bis auf wenige Zentimeter nähert, wird das System mit Hilfe eines Näherungssensors aus dem sogenannten „Sleep-Mode“ geweckt und über mehrere im Fahrzeug verteilte Antennen ein codiertes Anfragesignal ausgesendet.

  • Nachteil:

    Das System geht darauf in einen Empfangsmodus im UHF-Bereich und wartet auf Bestätigung. Ist der Schlüssel mit dem RFID-Transponder in Reichweite, empfängt er auf das Signal, decodiert es und sendet es mit einer neuen Codierung wieder aus. Im Fahrzeug decodiert es wiederum ein Steuergerät. Das Keyless Go System ist laut Sicherheitsexperten und dem ADAC vor Funk- bzw. Autodieben mit Funkabhörtechnik absolut unsicher, in Tests des ADAC mit 20 Fahrzeugmodellen konnte in jedem Fall die Sperre durch Mithören der Codes durch Fremde überwunden werden. Die Signale lassen sich sogar durch Wände hindurch abfangen.

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