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Medizin

Nepalesische Ärztin in Wörth

Dr. Aditi Mishra aus dem von der Nepalhilfe unterstützten Krankenhaus in Dhulikhel bildet sich im Bereich Allergologie fort.
Von Kerstin Hafner

Dr. Aditi Mishra testet einen Patienten auf Pollenallergie. Foto: Kerstin Hafner
Dr. Aditi Mishra testet einen Patienten auf Pollenallergie. Foto: Kerstin Hafner

Wörth.Übertriebene Hygiene und das Leben in Ballungsgebieten kann Menschen empfindlicher machen für Allergieauslöser. Sie sind aber keine ‚Wohlstandskrankheit‘ oder ein Problem der nördlichen Halbkugel allein – auch im Himalaya kennt man Allergien oder allergiebedingte Lungenerkrankungen – und zwar erstaunlicherweise vor allem wegen Hausstaubmilben, die dort bis in große Höhen vorkommen. Wer in den Alpen über 1200 Meter Seehöhe lebt, braucht sich über Milben keine Gedanken zu machen; in Südamerika kommen sie bis 2000 Meter vor, in Asien klettern sie höher.

Um fortan bessere medizinische Hilfe leisten zu können, hospitiert derzeit eine junge Ärztin aus dem Hochgebirgsstaat an der Kreisklinik in Wörth, um sich neue Techniken im Bereich Allergologie, Pneumologie, Innere Medizin und Umweltmedizin anzueignen.

Dr. Aditi Mishra mit Krankenhausdirektor Martin Rederer (re), dem Ärztlichen Leiter Dr. Wolfgang Sieber und ihrer Gastgeberin Henriette Müller, Hausärztin in Neutraubling  Foto: Kerstin Hafner
Dr. Aditi Mishra mit Krankenhausdirektor Martin Rederer (re), dem Ärztlichen Leiter Dr. Wolfgang Sieber und ihrer Gastgeberin Henriette Müller, Hausärztin in Neutraubling Foto: Kerstin Hafner

Dr. Aditi Mishra (33) ist Absolventin der Kathmandu University und arbeitet zuhause am Universitätskrankenhaus Dhulikel 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt. Sie ist nach Dr. Shekhar Kc der zweite Fernost-Besuch bei Dr. Sieber in Wörth.

Vier Wochen bleibt Dr. Aditi in Deutschland

Dr. Aditi befindet sich in der Mitte ihres Deutschland-Aufenthalts, sie kam vor zwei Wochen und fliegt in 14 Tagen zurück. Anfangs hat die Mutter einer zweijährigen Tochter in der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Müller, Lohner und Wildner in Neutraubling mitgearbeitet. Sie wohnt bei Henriette Müller, die sich seit Beginn der Nepalhilfe im Kreis für die Weiterbildung von Medizinern engagiert. Bis Mitte der Woche wird Dr. Aditi noch in der Wörther Klinik unter den Fittichen von Dr. Wolfgang Sieber bleiben, dann wechselt sie zu Prof. Dr. Mark Berneburg an die Uniklinik, wo sie das bereits erworbene Rüstzeug an unterschiedlichen Allergie-, Intoleranz-, Provokations- und Lungenfunktionstests um die Königsklasse erweitern darf.

Prof. Berneburg wird ihr zeigen, wie die auf dem Asthma-Antikörper Xolair basierende Immuntherapie/ Hyposensibilisierung gegen Allergien mit dem Präparat Omalizumab funktioniert. „Natürlich ist so eine kostspielige Behandlung derzeit nur für einen sehr kleinen Teil der nepalesischen Bevölkerung erschwinglich“, erklären Dr. Sieber und Henriette Müller und beziehen sich damit auf das Fehlen von Krankenkassen im Himalayastaat. „Aber wir wollen die Mediziner Nepals ja auch fit für die Zukunft machen. Vielleicht gibt es bald ein günstigeres Generikum von Omalizumab.“ (Anm. d. Red.: ein Nachahmerpräparat, ähnlich Diclac zu Voltaren).

Nepalesen haben niedrigste Lebenserwartung Asiens

Nepalesen gelten zwar als robust, haben aber die niedrigste Lebenserwartung in Asien. Die medizinische Versorgung ist schwierig, Menschen aus unwegsamen Regionen müssen oft mehrere Tagesmärsche in Kauf nehmen, um schwerwiegende Leiden in einem größeren Krankenhaus diagnostizieren oder behandeln zu lassen. Dr. Aditi berichtet: „Unsere Klinik in Dhulikhel ist inzwischen 400 Betten groß geworden und gemessen am Standard unseres Landes ausgesprochen fortschrittlich. Manche Patienten nehmen tagelange Anreisen auf sich und treffen spätabends oder nachts bei uns ein. Dann kann man als Arzt nicht nach Hause gehen. Man muss helfen.“

Engagement

Nepalhilfe besichtigt ihre Projekte

Drei Vertreter der Organisation machten sich vor Ort ein Bild. Im Zentrum steht die Beseitigung der Erdbebenschäden.

Daheim dauert Dr. Aditis reguläre Arbeitswoche sechs Tage, jeweils von 9 bis 17 Uhr, aber diese Zeiten lassen sich selten einhalten. „Pro Tag kommen in die Dermatologie, wo ich stationiert bin, bis zu 150 Patienten im Sommer und um die 80 im Winter“, erklärt sie. Frei sei nur der Samstag und da unternehme sie dann gerne etwas mit ihrer kleinen Familie.

Infektionen machen Nepalesen zu schaffen

Während in Deutschland Herz-/Kreislaufprobleme zu den häufigsten Diagnosen zählen, leiden Nepalesen am meisten unter Infekten oder infektionsbedingten Allergien, Asthma und Hautproblemen bis hin zu Neurodermitis. Dr. Aditi ist selbst allergisch auf Milben, wusste es aber lange Zeit nicht. Erst durch die Tests aus Europa weiß sie Bescheid. Auch Medikamentenunverträglichkeiten häufen sich. „In Nepal sind Antibiotika frei verkäuflich“, weiß Müller. „Die Menschen werfen ein Mittel nach dem anderen ein und die Mediziner dürfen dann raten, welches nicht vertragen wird.“

Langjähriges Engagement für Nepal

  • Einsatz:

    Seit vielen Jahren engagieren sich Ärzte und Kliniken aus dem Raum Regensburg für den Himalayastaat Nepal. Treibende Kraft dahinter ist Heri Wirth, Unternehmer und Bauherr des Nepal-Himalaya-Pavillons bei Wiesent.

  • Austausch:

    Im Zuge dieser Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Dhulikhel bei Kathmandu kam es zu Geld- und Sachspenden und immer wieder zum Mediziner-Austausch. Deutsche Ärzte tragen ihr Wissen nach Nepal, Jungärzte aus dem Himalaya-Staat kommen zum Lernen nach Bayern.

  • Allergiekongress:

    2017 fand in Dhulikhel der 1. Nepalesische Allergiekongress statt, mit Vorträgen der Ärzte Dres. Wolfgang Sieber, Michael Weidenhiller, Roland Lenoch und Michaela Huber. Alle Departments aus dem Dhulikhel Hospital hielten ebenfalls Vorträge. 300 Teilnehmer kamen.

Dr. Sieber, Chefarzt der Inneren Medizin in Wörth, ist stolz, die Kollegin vom anderen Ende der Welt bei sich zu haben: „Ich bin seit Jahren aktiv für ‚Ärzte ohne Grenzen‘, war selber schon mehrfach in Nepal. Wir fühlen uns geehrt, dass jemand um den halben Erdball fliegt, um an unserer Kreisklinik neue Techniken zu erlernen.“ In der Freizeit war Dr. Aditi mit Henriette Müller in München und auf der Walhalla. Zum Abschied am Flughafen weiß sie schon das passende Wort: Servus.

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