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Streit

Polder: Appell an Niederbayern

Die Poldergegner aus dem Landkreis Regensburg beklagen Versäumnisse in Niederbayern beim Hochwasserschutz.
Von Hans Biederer

Der Ort Fischerdorf bei Deggendorf versank während des Hochwassers im Juni 2013 nach einem Dammbruch komplett in den Fluten. Die Ursache dafür sieht IG-Sprecher Markus Hörner im mangelhaften Hochwasserschutz in der Niederbayerischen Region. Foto: Marius Becker/dpa
Der Ort Fischerdorf bei Deggendorf versank während des Hochwassers im Juni 2013 nach einem Dammbruch komplett in den Fluten. Die Ursache dafür sieht IG-Sprecher Markus Hörner im mangelhaften Hochwasserschutz in der Niederbayerischen Region. Foto: Marius Becker/dpa

Regensburg.Markus Hörner ist empört und aufgebracht. „Macht erst die dringend erforderlichen eigenen Hausaufgaben in eurem Landkreis, bevor ihr dies von anderen verlangt und mit den Fingern auf andere zeigt“, fordert der Sprecher der Interessensgemeinschaft Flutpolder von den niederbayerischen Landkreisen.

Hintergrund sind die derzeitigen Entwicklungen und negativen Stimmen aus Niederbayern zum Thema Flutpolder im östlichen Landkreis Regensburg. Zwei Dämme hielten 2013 den Wassermassen von Isar und Donau bei Fischerdorf im Kreis Deggendorf nicht mehr stand, brachen und setzten ganze Landstriche unter Wasser.

Versäumnisse in Niederbayern

„Die Frage darf aber erlaubt sein: Sind die Flussoberlieger schuld am Bruch der Dämme oder sind diese auf Versäumnisse der Landkreise in Niederbayern zurückzuführen?“, sagt der IG-Sprecher. Seit mehr als 15 Jahren kämpft er zusammen mit vielen Bürgern an der Seite des Landkreises und mehrerer Verbände gegen den geplanten Bau der Flutpolder Eltheim und Wörthhof im östlichen Landkreis Regensburg.

„In Niederbayern, so erscheint es mir, herrscht momentan eine Stimmung, die besagt: Es wäre gut, wenn die Flutpolder Eltheim und Wörthhof im östlichen Landkreis Regensburg gebaut werden, dann wären alle Hochwasserprobleme in Deggendorf und Passau gelöst. Das einzige, was dagegen spricht, sind die störrischen Oberpfälzer.“ Deshalb hätten sich offensichtlich alle Kommunen im Unterlauf der Donau abgesprochen und zusammengetan. Und jede habe nun eine Resolution verfasst und ins Ministerium nach München geschickt, beschreibt der IG-Sprecher die derzeitige Situation aus seiner Sicht.

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Hörner betont, dass aus fachlicher Sicht bekannt sei, dass dabei vieles von dem, was dort geschrieben und propagiert werde, nicht stimmt. Das hätten die Menschen im Landkreis Regensburg zum einen im Zuge des Hochwasserdialogs erfahren. Zum anderen habe das damals auch der Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Umweltministerium, Professor Martin Grambow, gesagt. „Er stellte ganz klar in den Vordergrund, dass unsere Polder für den Bereich Passau überhaupt keine positiven Auswirkungen haben. Aber gerade von dort kommen jetzt diese hysterischen Forderungen“, stellt Hörner fest. Weil es hier einen klaren Widerspruch gibt, will der Frontmann der Interessensgemeinschaft die niederbayerische Bevölkerung aufklären.

Gerade für den Raum Deggendorf müsse man ganz deutlich machen: Hätte man dort beizeiten den ganz normalen Grundhochwasserschutz HQ100 plus Freibord erstellt, wäre auch 2013 nichts passiert. „Diese Aktivitäten und Resolutionen, die jetzt aufkommen, sind für mich der Aufgeregtheit nach der Hochwasserkatastrophe geschuldet“, argumentiert Hörner.

Wirkung in Passau gleich null

Es gebe allerdings auch Menschen in Niederbayern, die dieses Versäumnis genau kennen würden. „Würden diese Personen jetzt das Wort ergreifen, so würden sie gefressen“, ist sich Markus Hörner sicher. Tatsache sei, dass eine Flutung von Poldern im Landkreis Regensburg 70 Flusskilometer stromabwärts nur eine geringfügige positive Auswirkung auf Deggendorf haben würde – und das nur unter günstigsten Voraussetzungen. In Passau wäre die Wirkung gleich null.

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„Aber welche verheerenden Auswirkungen hätten die Polder bei uns vor Ort“, fragt Hörner. Er ist sich sicher, dass eine ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung und die Analyse der Auswirkungen im östlichen Kreis Regensburg genügen müssten, um den Bau zu stoppen. Der IG-Sprecher hat heute noch die Worte im Ohr, die der damalige RMD-Chef den Landwirten im südöstlichen Landkreis Regensburg gesagt hatte: „Was wollt ihr denn? Die Dämme, die wir bauen, beinhalten so viele Reserven, dass hier nichts mehr passieren kann.“ Darum verweist Hörner auf die dringend erforderlichen Maßnahmen in Niederbayern. „In der Oberpfalz haben wir unsere Hausaufgaben mit dem Donauausbau und dem Bau der Dämme vollumfänglich erledigt.“

Regelmäßig berichtet die Mittelbayerische über die geplanten und dann wieder verworfenen Flutpolder im Landkreis Regensburg. Hier finden Sie das Dossier!

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