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Protest

Poldergegner heizten der Ministerin ein

Die CSU-Spitze hatte Emilia Müller auf den Kiefenholzer Damm geladen, um ihr die Argumente nahezubringen. Es gab Gelächter.
von Sebastian Schmid, MZ

Staatsministerin Emilia Müller informierte sich über die Argumente der Poldergegner, zu denen auch Wörths ehemaliger Bürgermeister Franz Beutl gehört.
Staatsministerin Emilia Müller informierte sich über die Argumente der Poldergegner, zu denen auch Wörths ehemaliger Bürgermeister Franz Beutl gehört. Foto: Schmid

Wörth.Einige Dutzend Gegner der geplanten Flutpolder waren nach Kiefenholz gekommen, um gegenüber Staatsministerin Emilia Müller ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen. Am Donaudamm warteten sie auf die Ankunft der aus Bruck in der Oberpfalz stammenden CSU-Politikerin.

Auf zahlreiche Plakate und Banner hatten die Polder-Gegner geschrieben, was sie von den Poldern halten: „Kiefenholz reicht es! Sie wollen uns absaufen lassen! Unsere Heimat wird zerstört!“ Altbürgermeister Franz Beutl übergab Emilia Müller einen Brief, in dem er seine Einwände zusammenfasste. Er wandte sich an die CSU-Bezirksvorsitzende und brachte die Argumente gegen die Flutpolder vor: „Kiefenholz hat schon seinen Beitrag zum Hochwasserschutz geleistet!“ Der gespundete Damm halte das Dorf seit 25 Jahren hochwasserfrei. Würden die Polder gebaut, hätte das eine enorme Verschlechterung der Situation in Kiefenholz zur Folge: „Das Wasser aus dem Vorwald kann nicht mehr abfließen. Dann ist unsere Trinkwasserversorgung in Gefahr“, so Beutl.

„Die Maßnahme muss sterben!“

„Frau Ministerin, sprechen Sie mit ihrer Kollegin, denn diese Maßnahme muss sterben!“ Aufmerksam lauschte Emilia Müller seinen Ausführungen und ging auf die Bedenken ein: „Trinkwasser ist ein zentrales Thema. Wenn es hier zu einer Verschlechterung kommen sollte, werden die Polder nicht gebaut.“ Dies habe Umweltministerin Ulrike Scharf gegenüber Sylvia Stierstorfer schriftlich mitgeteilt.

Die Ängste der Anwohner in den betroffenen Gemeinden seinen im Kabinett diskutiert worden. Man versuche, das Verfahren so transparent wie möglich zu gestalten, sagte dei Ministerin. „Für den Hochwasserschutz brauchen wir ein gesamtbayerisches Konzept“, sagte Emilia Müller. „Dazu müssen wir abwarten, was die Gutachten, die gerade erstellt werden, ergeben.“ Erst wenn diese Untersuchungen abgeschlossen sind, wird auf ihrer Grundlage eine Entscheidung getroffen.

„Ich kenne die Emotionen und Ängste der Menschen“, sagte die Ministerin. Das Wasserwirtschaftsamt habe den Auftrag, nichts ohne die Bevölkerung zu entscheiden. Markus Hörner, Vorsitzender der IG Flutpolder, meinte: „Selbst wenn die Polder technisch machbar wären, sinnvoll sind sie auf keinen Fall.“ Dafür gäbe es eine Vielzahl von bekannten Argumenten. „Ich hoffe, dass sie sich mit ihrer Stimme im Kabinett für uns einsetzen“, sagte Markus Hörner.

Schritt in die richtige Richtung

Die Zusage, dass es erst nach den hydrologischen Gutachten zu einer Entscheidung kommen wird, ist für Hörner schon ein Erfolg und ein Schritt in die richtige Richtung: „Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass das Verfahren ergebnisoffen geführt wird.“ Er befürchtete, die Regierung wolle dieses Projekt gegen den Willen der Bürger beschließen. Markus Hörner zeigte sich überzeugt, das Gutachten werde ergeben, dass Flutpolder nicht die geeignete Maßnahme für den Hochwasserschutz seien: „Es ist unmöglich, die Polder zu bauen, ohne dass eine Verschlechterung für uns eintritt.“

Das Misstrauen ist in der Bevölkerung immer noch deutlich zu spüren, auch wenn sich in Kiefenholz niemand aus der Menge direkt an die Ministerin wandte. Als Sozialministerin Emilia Müller sagte, sie habe immer gute Erfahrungen mit der Arbeit des Wasserwirtschaftsamts gemacht, fingen viele der anwesenden Poldergegner an, laustark zu lachen.

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