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Elektrizität

Stromleitung sorgt für Spannung

Dass die Trasse durch den östlichen Landkreis Regensburg führen könnte, ärgert die Bürgermeister. Mitspracherechte sind rar.
von Walter Schiessl, MZ

Wörth.Haben wolle die Stromtrasse, von der zwei Varianten unweit von Wörth verlaufen würden, keiner, sagt Wörths 2. Bürgermeister Josef Schütz, aber irgendwo müssen die Leitungen im Boden verlegt werden. Möglichkeiten, den Bau zu verhindern, gibt es nach der Auffassung von Schütz wohl kaum. Man werde einzig die Bedenken, die gegen das Vorhaben erhoben werden können, natürlich einbringen. Das soll bei der heutigen Stadtratssitzung (19.30 Uhr im Rathaus) geschehen. Da werde man die Argumente sammeln, die beispielsweise aus geplanten Baugebieten oder Naturschutzgebieten bestehen könnten.

Die Betreibergesellschaft Tennet, die das gesamte Stromnetz der E.on erworben hat, hatte unlängst die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden zu einer Info-Versammlung geladen. Neben Josef Schütz waren auch Elisabeth Kerscher (Wiesent) und Irmgard Sauerer (Brennberg) dabei. Am 24. Oktober sollen die Bürger in Neutraubling über die Pläne informiert werden.

Kein Mitspracherecht

Möglichkeiten, die Leitung, die von Magdeburg nach Landshut führen soll, zu verhindern, gebe es wohl kaum, sagt Schütz. Der Bundestag habe den Beschluss gefasst, wonach der Strom durch unterirdische Leitungen fließen solle. Der Verlauf der Variante, die dann tatsächlich verwirklicht werde, werde, so schätzt Josef Schütz, dann so getroffen, dass man auf den geringsten Widerstand stoße. „Wer seine Argumente lautstark vorbringt, hat die besten Karten, dass der Kelch an ihm vorbeigeht.“ Eine zur Auswahl stehende Möglichkeit führe über Frauenzell nach Dietersweg und Wiesent, die 4. Variante verlaufe über Brennberg nach Hofdorf und Zinzendorf und quere in der Nähe dann die Donau. Dort verläuft die bisherige Stromleitung bereits, die großen Hochspannungs-Masten sind von Weitem zu sehen.

Klar, so Josef Schütz, müsse allen sein, dass die einzelnen Gemeinden kein Mitspracherecht hätten. Der Leistungsbau im Boden sei von der Bundesregierung beschlossen, kein Bürgermeister und kein Gemeinderat werde dazu um seine Meinung gefragt, einzig Tennet bringe die Pläne offensiv vor, das heiße, die Bürgermeister, Gemeinderäte und Bürger würden umfassend informiert. „Aber ablehnen kann man da wohl nichts“, sagt Josef Schütz, der den Leitungsbau kritisch sieht. Der Stadtrat werde gefordert sein, um die Einwände einzureichen und, wer am lautesten schreie, so Schütz, der habe die besseren Chancen, dass die Leitungen nicht vor seiner Haustüre in den Boden gelegt würden.

„Wir wissen bislang kam was Konkretes!“

Wiesents Bürgerneisterin Elisabeth Kerscher

Natürlich wolle keiner den Stromleitungsbau vor seiner Türe, sagt Josef Schütz, der aber der Auffassung ist, dass man noch viel Zeit habe, die Argumente zu sammeln. „Wann die Leitung wirklich gebaut wird, weiß heute noch keiner“, sagt er. Man befinde sich noch lange nicht in der wirklichen Planungsphase.

Die Gemeinde Brennberg hat sich bereits gegen das Vorhaben, die Variante in den Ostlandkreis zu legen, geäußert. Bürgermeisterin Irmgard Sauerer sagte zur MZ, man gehe hier auf den dünner besiedelten Osten zu, weil man auf der westlichen Trasse über größere Orte wie Kallmünz oder Sinzing käme, was wohl einen erhöhten Protest zur Folge hätte. Durch die Gemeinde Brennberg verlaufe aber bereits eine 380-KV-Leitung, was mit Magnetfeldern und Elektrosmog verbunden sei. Von dieser Trasse würde man dann abweichen und daneben eine Bodenverlegung machen. Bei der Gemeinderatssitzung der vergangenen Woche machte man seinem Unmut gegen die Pläne Luft und teilte dem Landratsamt schon mal mit, dass man eine zweite Leitung durch die Gemeinde nicht hinnehmen werde.

Wenig Konkretes bekannt

Die Brennberger verwiesen darauf, dass die Landschaft in ihrem Bereich besonders schön und erholsam sei und nicht zerstört werden dürfe, wohl wissend, wie Bürgermeisterin Irmgard Sauerer sagte, dass der Verlauf über ein Bundesgesetz beschlossen würde. Aber der Verlauf so nahe am Kloster Frauenzell vorbei käme der Zerstörung eines kulturgeschichtlichen Denkmals allererster Güte gleich. Auch dagegen wurde der Protest formuliert. In Wiesent hat man gemischte Gefühle, was den Trassenverlauf angehe. „Aber wir wissen bislang nur wenig Konkretes“, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher. Sie könne sich aber nicht vorstellen, dass die Stromleitung durch das Wiesenter Wasserschutzgebiet verlaufen werde, sagte Elisabeth Kerscher.

22 Planungsvarianten allein in der Oberpfalz hat Tennet für die geplante Stromautobahn zur Diskussion gestellt. Sie verlaufen auf dem Weg von Sachsen-Anhalt ins niederbayerische Landshut in einem Korridor entlang der A93. Neben der nördlichen Oberpfalz sind die Landkreise Schwandorf, Amberg-Sulzbach und der Großraum Regensburg betroffen. Allein durch diesen Landkreis sind drei Alternativrouten geplant, um das Stadtgebiet Regensburg, wo der Bau der Erdverkabelung kaum möglich wäre, zu umgehen.

Das Unternehmen Tennet

  • Netz:

    Zum 1. Januar 2010 kaufte Tennet von E.ON deren deutsches Höchstspannungsnetz, das bis zum 5. Oktober 2010 als Transpower Stromübertragung firmierte. Damit kam E.ON einer Verpflichtung gegenüber der Europäischen Kommission nach, dieses bis zum 1. Dezember 2010 an einen Investor zu verkaufen, der bisher keine Interessen in der Stromerzeugung und/oder -versorgung hatte. Die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte dies aufgrund der marktbeherrschenden Stellung des E.ON-Konzerns in einem Kartellverfahren gefordert, das durch den Verkauf an den niederländischen Stromnetzbetreiber eingestellt werden konnte.

  • Betreiber:

    Tennet Holding B.V. (eigene Schreibweise TenneT) ist ein 1998 gegründeter niederländischer Stromnetzbetreiber mit Sitz in Arnheim. Tennet befindet sich vollständig im Besitz des niederländischen Finanzministeriums und betrieb 2008 in den Niederlanden ein Stromnetz von 3507 Kilometern Länge. Das Tochterunternehmen Tennet TSO GmbH betreibt in Deutschland ein Höchstspannungsnetz mit einer Gesamtlänge von rund 10 700 Kilometern. Sitz des Tennet TSO firmierenden Unternehmens ist Bayreuth. Das Unternehmen sollte zunächst die wirksame und zuverlässige Energieversorgung der Niederlande sicherstellen.

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