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Nachruf

Trauer um Filmstar Sepp Wierer

Der bescheidene Wörther Polizist hatte im Pensionsalter in Kinostreifen eine große Karriere gemacht.
von walter schiessl, mz

So bleibt Sepp Wierer den Wörthern in Erinnerung.
So bleibt Sepp Wierer den Wörthern in Erinnerung. Foto: Schießl

Wörth.Ein Wörther Original ist tot. Sepp Wierer, der vielen Filmliebhabern durch verschiedene Rollen bekannt wurde, starb im Alter von 85 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Sepp Wierer, ein gelernter Maurer, war, von kurzen Phasen abgesehen, seiner Heimstadt treu geblieben. Die Wörther kannten ihn als humorvollen Spaziergänger, der für jeden Passanten immer ein lustiges Sprücherl parat hatte. Wäre nicht der Bayerische Rundfunk 1986 auf Komparsensuche gegangen, Sepp Wierers Leben wäre weitaus weniger spektakulär verlaufen. Der gebürtige Wörther hatte das Ende des zweiten Weltkriegs als Jugendlicher erlebt.

Er konnte sich bis zuletzt an den Einmarsch der Amerikaner erinnern, als er und seine Mutter samt vier Geschwistern um den kleinen Küchentisch saßen, während 15 Mann der Besatzer das Haus inspizierten. Als eine summende Fliege immer wieder um den Lampenschirm kreiste und die Amerikaner mucksmäuschenstill wurden, weil sie das Geräusch nicht kannten, „do hob i lauthals zum Lacha o’gfangt“, erinnerte sich Wierer. Die überraschten US-Soldaten schlossen sich dem Buben dann aber schnell an.

Sepp Wierer hatte den Beruf des Maurers gelernt, war in Oberbayern und schließlich in der Schweiz im Einsatz, wo er seine Frau Johanna, eine Stubaitalerin, kennenlernte. „1956 ham ma g’heirat und san schnell wieder nach Wörth“, erinnerte er sich. 1965 war er in die Dienste der Polizei getreten, bei der er bis zu seinem 60. Geburtstag blieb. Wenige Tage, bevor er in Pension ging, starb seine Johanna.

Der 30 Jahre am Wörther Kolpingtheater spielende Wierer wurde schließlich 1986 entdeckt. „I war damals 56 Jahr alt“, erzählte der Wörther, der mit Schauspielern wie Günther Maria Hallmer, Michael Lerchenberg, Enzi Fuchs, Heide Ackermann oder Martina Gedeck per Du war. „Mei erster Film war Schiefweg“, hatte der Senior erzählt. Damals spielte er in beeindruckender Weise den Onkel Sebald, der sich um die Emmerenz Meier kümmerte und gemeinsam mit ihr seine Leidenschaft zum Dichten entdeckte. Ein ganzes Jahr hatten die Dreharbeiten gedauert. Damals entstand auch die Freundschaft mit dem Regisseur Jo Baier, die bis zu Wierers Tod anhielt. Für die Emmerenz Meier bekam die Crew sogar den Grimme-Preis. Die Liste der Filme, die die beiden gefertigt haben, war lange. „Die Hölleisengretl“, „Wildfeuer“ oder der „Weibsteufel“ zählen dazu. Vor fünf Jahren war das Wörther Original in dem niederbayerischen Krimi „Sau Nummer vier“ zu bewundern. Voller Begeisterung hatte Sepp Wierer von den Dreharbeiten erzählt.

Jetzt ist Sepp Wierer gestorben. Um ihn trauern seine Kinder und Enkeln. Ihnen wendet sich allgemeine Anteilnahme zu.

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