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Vom Unfallopfer zum Nationalspieler

Daniel Sperl leidet seit einem Unfall an Cerebralparese. Der Wörther kämpfte sich zurück und brilliert auf dem Fußballplatz.
Von Markus Schmautz

Der 29-jährige Daniel Sperl (rechts) kann seinen rechten Arm zwar nur noch eingeschränkt bewegen, als Angreifer kann er sich beim TSV Wörth dennoch durchsetzen. Foto: Schmautz
Der 29-jährige Daniel Sperl (rechts) kann seinen rechten Arm zwar nur noch eingeschränkt bewegen, als Angreifer kann er sich beim TSV Wörth dennoch durchsetzen. Foto: Schmautz

Wörth.„Daniel ist gut am Ball, ist schnell und zeigt eine vorbildliche Einstellung“, lobt Wörths Trainer Walter Luttner seinen Offensivspieler Daniel Sperl. Und seit 2017 setzt auch Conny Frank Fritsch, der Bundestrainer der Nationalmannschaft CP, regelmäßig auf den 29-jährigen Angreifer des TSV Wörth. CP ist die Abkürzung für „cerebral palsy“. Sperl gehört somit zu den besten Spielern Deutschlands, die an cerebraler Bewegungsstörung leiden.

Daniel Sperl, verheiratet und Vater zweier Kinder, ist sehr glücklich über die regelmäßigen Nominierungen auf Bayern- und auf Bundesebene. Er hat sich zurückgekämpft ins Leben. Er musste harte Zeiten durchmachen, um wieder arbeiten und Fußball spielen zu können. Im Jahr 2006 war der damals 16-Jährige in einen schrecklichen Verkehrsunfall involviert. Nach vielen Aufenthalten in Krankenhäusern – inklusive einiger Fehldiagnosen – wurde Sperl in Günzburg erfolgreich operiert. „Erst danach kam die Bizeps-Funktion meines rechten Armes wieder zurück.“ Viele Reha-Maßnahmen folgten und werden noch folgen. Bereits kurze Zeit nach dem Unfall fasste Sperl aber wieder Mut und setzte sich Ziele.

Vater Karl Heinz Sperl: „Ich bin stolz auf meinen Sohn. Er hat alles dafür getan, um sein Leben nach dem Unfall zu meistern!“  Foto: Schmautz
Vater Karl Heinz Sperl: „Ich bin stolz auf meinen Sohn. Er hat alles dafür getan, um sein Leben nach dem Unfall zu meistern!“ Foto: Schmautz

Vorbild war sein Vater Karl Heinz, der 22 Jahre zuvor (1984), ebenfalls durch einen Verkehrsunfall eine spastische Parese und weitere schwere Verletzungen davongetragen hatte. „Mein Vater kämpfte sich zurück ins Leben und arbeitet schon lange wieder als Straßenmarkierer. Wie es das Schicksal wollte, sollte mich das gleiche Unglück wie ihn ereilen.“

Sperl ließ sich nicht entmutigen. Er wollte alles dafür tun, seinen Arm wieder so bewegen zu lernen, wie es seinem Vater gelungen war. „Das schaffte ich in relativ kurzer Zeit. Somit setzte ich mir immer wieder neue Ziele.“

Auf nach Sevilla

Nationaltrainer Conny Frank Fritsch: „Daniel besticht durch seine Schnelligkeit, seine Technik und durch seinen großen Ehrgeiz.“  Foto: Schmautz
Nationaltrainer Conny Frank Fritsch: „Daniel besticht durch seine Schnelligkeit, seine Technik und durch seinen großen Ehrgeiz.“ Foto: Schmautz

Seinen Beruf als Kfz-Mechatroniker konnte er allerdings nicht mehr ausüben. Deshalb schulte er um. Nun arbeitet er als Technischer Zeichner bei der Firma Lausser in Pilgramsberg. Sperl kann zwar seinen Arm nicht heben und nicht nach rechts drehen, allerdings kann er die rechte Hand und die Finger frei bewegen. „Somit kann ich am Computer arbeiten und mit einem Stift schreiben.“ Die Maus bedient er mit links. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich allerdings musste umlernen, die linke Hand trainieren.“

Mit seiner Behinderung geht Daniel Sperl offen um, er steht Fragen jederzeit aufgeschlossen gegenüber. Sperl spricht über sein Leiden und bleibt dabei immer optimistisch. „Man muss jederzeit am Ball bleiben, nicht nur beim Fußball muss man sich stets weitere kleine, erreichbare Ziele setzen, sich aber auch darüber im Klaren sein, dass nicht mehr alles machbar sein wird. Damit muss man sich abfinden!“

„Man darf nie aufgeben, muss sich immer neue – realistische – Ziele setzen!“

Daniel Sperl, Nationalspieler Cerebral Palsy

Regelmäßig stehen für ihn im Reha-Zentrum in Straubing Behandlungen an. Ziel ist es nicht nur weitere Verbesserungen herbeizuführen, sondern vor allem auch den Status quo beizubehalten. Fußball begeisterte Daniel Sperl schon als kleinen Jungen. So versuchte er bereits im Jahr 2007, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen. Und das mit beachtlichem Erfolg. Vor seiner Zeit beim TSV spielte er unter anderem für Bernried und Kirchroth in der Bezirksliga. Im Jahr 2016 wechselte er nach Wörth, schaffte mit dem TSV im Sommer 2018 den lange ersehnten Wiederaufstieg in die Kreisliga.

Fußball ist sein absolutes Lieblingshobby. Geschont oder bemitleidet zu werden, will er nicht. Sperl will mit seiner Power gegen „nicht gehandicapte“ Menschen bestehen. Und nicht selten lobt ihn ein Gegenspieler nach der Partie. Sperl möchte auch weiterhin für die Bayernauswahl CP und für die Nationalmannschaft CP aktiv sein. Sein nächstes großes Ziel ist die Weltmeisterschaft (World Cup) im Juli in Sevilla. In der Vorrunde geht es gegen England und Brasilien.

Die 14 ist seine Nummer

Walter Luttner vom TSV Wörth: „Daniel ist ein Leistungsträger bei uns. Er ist immer positiv gestimmt und geht mit Vollgas voran!“  Foto: Schmautz
Walter Luttner vom TSV Wörth: „Daniel ist ein Leistungsträger bei uns. Er ist immer positiv gestimmt und geht mit Vollgas voran!“ Foto: Schmautz

Gerne denkt er an die Europameisterschaft 2018 zurück. Mit dem deutschen Team belegte er einen hervorragenden sechsten Platz. Übrigens gehört die Nationalelf CP nicht zum DFB, sondern zum DSB, dem Deutschen Behindertensportverband.

Am liebsten läuft Sperl mit der Nummer 14 auf. Und diesen Wunsch erfüllen ihm seine Trainer gerne. Sowohl Walter Luttner beim TSV Wörth, als auch Conny Frank Fritsch, sein Trainer auf Landes- und auf Bundesebene. Am 30. Juni reist er für vier Tage ins Trainingslager an die Sportschule Oberhaching. Dort werden als Vorbereitung auf den World Cup zwei Testspiele gegen Australien absolviert. Dann geht es auch schon Richtung Sevilla. Doch auch mit der Bayernauswahl steht ein großes Event an. Und zwar werden im Rahmen der Fußballiade in Landshut, dem größten Jugend- und Amateurfußball-Event Bayerns, zwei Spiele gegen Dänemark als großer Showact absolviert.

Daniel Sperl geht weiterhin voran – im Fußball wie im Leben: „Man darf niemals aufgeben, sich nicht hängen lassen. Man muss sich immer neue – realistische – Ziele setzen.“

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