MyMz
Anzeige

Grenzübertritt mit dem Rad war verboten

Abenteuer pur: Auf ihrer ungewöhnlichen Reise durch Asien haben Steffi und Helmut Gesierich aus Zeitlarn bereits viel erlebt.
Von Martina Schaeffer, MZ

Stefanie und Helmut Gesierich aus Zeitlarn sind auf Extremtour mit dem Fahrrad einmal quer von Norden nach Süden durch Asien. Das Programm ist anstrengend, abenteuerlich und sehr kontrastreich. Die beiden sehen auf ihrer Reise riesige Sonnenblumenfelder, Obstanbaugebiete, Kastanienplantagen, Tempel, idyllische Dörfer und dazu bekannte Sehenswürdigkeiten wie die chinesische Mauer, den Kaiserpalast, die hängenden Klöster oder die Yungang-Grotten. In ihren Fotos haben sie ihre Eindrücke festgehalten.

Zeitlarn.Aufregend, anstrengend und immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Das sagen die beiden Zeitlarner Steffi und Helmut Gesierich nach den ersten rund 3200 Fahrrad-Kilometern ihrer Einmal-quer-durch-Asien-Tour. Das ist Abenteuer pur: In Russland blieben sie mit ihren Rädern im Schlamm stecken, in der Mongolei wurden sie von einem Grenzbeamten festgehalten – Grenzübertritt mit Fahrrädern strengstens verboten –, und in China eskortierte sie, auf der Suche nach einem Schlafplatz, die Polizei wieder aus dem Ort hinaus. Immer wieder mussten die beiden Extremtourer auf ihrer Fahrt mit dem Rad einmal von Norden nach Süden quer durch Asien Wendungen, Windungen, Unerwartetes erleben.

Halbes Jahr auf Weltreise

Beeindruckend schlängelt sich die chinesische Mauer bei Badaling die Hügel hinauf.
Beeindruckend schlängelt sich die chinesische Mauer bei Badaling die Hügel hinauf.

Stefanie und Helmut Gesierich – sie 35, er 40 – reisen ein halbes Jahr lang von Irkutsk am Baikalsee quer durch die Mongolei und China bis hinunter nach Laos, Kambodscha und Thailand und vielleicht sogar Singapur. Im August sind sie zu ihrer „kleinen Weltreise“ gestartet. Die Betriebswirtin bei den Bayerischen Staatsforsten und der Diplom-Ingenieur haben sich ein halbes Jahr Auszeit vom Job, vom Alltagsstress, ein „Sabbatical“, genommen. Stattdessen treten sie nun kräftig in die Pedale. Und das gleich zigtausend Kilometer weit.

Der deutschen Pünktlichkeit den Rücken kehren, dem Winter entkommen, neue Eindrücke, Ideen sammeln und vielleicht sogar einen Sinneswandel bekommen – das war ihr erklärtes Ziel. Und dem ist das sportbegeisterte Ehepaar aus dem Landkreis Regensburg bereits sehr nahe gekommen.

Spannende Kontraste

Ihre Extremtour ist voll spannender Kontraste: ob einsame Landstriche, mit Ziegen, Schafen und sonst schon rein gar nichts, ob bergige, steinige Höhen, riesige Waldgebiete oder Städte voll pulsierenden Lebens mit sechsspurigen Autobahnen, Windparks, Solaranlagen, Elektroautos und anderem Hightech.

Immer wieder mussten die beiden Fahrradreisenden improvisieren, ihre Pläne an die Gegebenheiten der fernen, fremden Länder anpassen. Nach rund 3200 Kilometern auf ihrem Tachometer erzählen sie von ihren ersten Erlebnissen.

Im Schlamm gesteckt

Sie berichten vom beschwerlichen Auftakt in Russland, wo sie eigentlich zunächst zur Insel Olchon radeln wollten. „Doch wir sind gleich mal im Schlamm stecken geblieben.“

Sie säuberten die Räder in einem Bach vom gröbsten Schlamm und beschlossen kurzerhand zurück nach Irkutsk zu fahren. Von hier ging es weiter. Die Landschaft rund um den Baikalsee sei sehr bergig. „Wir fahren durch riesige Waldgebiete“, erzählen sie.

Und dann an der Grenze zur Mongolei die erste böse Überraschung: Der Grenzbeamte lässt sie mit den Fahrrädern nicht durch. Es dürften nur motorisierte Fahrzeuge die Grenze überqueren.

„Wie gut, dass zehn Meter von der Grenze entfernt einige Taxis darauf warten, Leute zu befördern.“ Die Kontinent-Durchquerer konnten schnell wieder aufatmen. Ein kleiner Transporter wurde organisiert und so schafften sie den Grenzübertritt in die Mongolei schließlich doch.

Keine Angst vor den Hunden

Stopp an den Ming-Gräbern im chinesischen Changping
Stopp an den Ming-Gräbern im chinesischen Changping

„Es ist gigantisch“, so ihr Urteil. Mit Tempo 80 oder 100 geht es durch die weite Landschaft –„und es kommen nur ein paar Ziegen, Schafe und sonst nichts“. Die Zeltplätze liegen einsam, „mitten im Nirgendwo“.

Und auch ihre Angst vor den vermeintlich gefährlichen Hunden war umsonst: „Die Hunde, denen wir begegneten, sind eher vor uns geflüchtet. Sie schauten uns entgeistert an und sind dann lieber auf und davon.“ Vielleicht hätten sie sie aber auch einfach nicht riechen können, flachsen die beiden.

Kontrastreich dazu ihr Bild von China, Bäume, Parks und dazu viel Hightech. „Man merkt, dass China sehr viel in diese Region investiert. Wohl auch um die drohende Wüstenbildung Richtung Peking zu verhindern.“

Wenig erfreulich dann diese Episode: Die Gesierichs werden in einem chinesischen Ort auf der Suche nach einer Unterkunft von der Polizei freundlich, aber bestimmt wieder hinausgeleitet. Den Grund erfahren sie, der Sprache nicht mächtig, nicht.

Sie sind an dem Tag bereits 120 Kilometer geradelt und müssten nun weitere 40 bis zur nächsten größeren Stadt zurücklegen. Unmöglich. Ein paar Kilometer weiter schlagen sie irgendwo einfach ihr Zelt auf.

Viel Sehenswertes

Kamelreiten in den mongolischen Sanddünen
Kamelreiten in den mongolischen Sanddünen

Stefanie und Helmut Gesierich sehen auf ihrer Fahrt riesige Sonnenblumenfelder, Obstanbaugebiete, Kastanienplantagen, Tempel, idyllische Dörfer. Sie besuchen die bekannten Sehenswürdigkeiten: chinesische Mauer, Kaiserpalast, hängende Klöster, Yungang-Grotten. Beeindruckend, sagen sie, aber Vieles sei inzwischen kommerzialisiert, wird von Touristen überrannt.

Und die beiden betonen: „Manchmal wünschen wir uns die Ruhe und Einsamkeit der Mongolei zurück.“ Ende September sind sie in Peking angekommen und wollen bald weiter.

Das ist die geplante Route der beiden:

Der Zug ist schneller

Doch erneute Wendung dieser ungewöhnlichen Reise: Um schneller Richtung Süden zu kommen, wollen Stefanie und Helmut Gesierich nun umsteigen, vom Fahrrad, schlichten Mountainbikes ohne jeglichen Schnickschnack, auf den Schnellzug und so die tausend Kilometer nach Xian etwas abkürzen.

Von Xian aus soll es dann weiter Richtung Hongkong gehen und von dort nach Vietnam. Und das sind ihre Pläne für die nächsten Tage: „Wir werden noch ein paar Wochen in China verbringen. Die leckeren Gerichte genießen, uns alle paar Kilometer an der Straße von einer Kamera filmen lassen und irgendwie die Internetzensur umgehen.“

Die Sportler und ihr Rad

  • Die Läuferin

  • Der Sport ist Leidenschaft von Steffi und Helmut Gesierich. Die 35-jährige Betriebswirtin mag es dabei gern ein bisschen verrückt: Sie läuft Marathon, den Ultralauf beim Regensburger Landkreislauf oder zuletzt den Vertical Up in Kitzbühl in Tirol, einmal steil den Berg hinauf. Zum Sport hat sie gefunden, weil sie sich vor Jahren das Rauchen abgewöhnt hat, als Ausgleich, um sich abzulenken und die drohende Gewichtszunahme abzuwehren.

  • Der Radler

  • Helmut Gesierich ist Mountainbiker durch und durch. Ohne Rad ist er eigentlich nie anzutreffen. Früher ist er auch mal gelaufen, aber dann bekam er Probleme mit dem Knie.

  • Die Räder

  • Die beiden sind auf ihrer Nord-Süd-Tour quer durch Asien mit ganz normalen Mountainbikes unterwegs. Sie fährt ein blaues, zusammengebasteltes Snake, zehn Jahre alt, und er ein ebenfalls blaues Wheeler, ganz ohne Schnickschnack.

Auf dem Reise-Blog können Sie den Erlebnissen folgen

Lesen Sie mehr über Zeitlarn

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht