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Mit dem Fahrrad einmal quer durch Asien

Stefanie und Helmut Gesierich aus Zeitlarn nehmen sich eine Auszeit und gehen für ein halbes Jahr auf Abenteuertour.
Von Martina Schaeffer, MZ

Stefanie und Helmut Gesierich begeben sich mit dem Fahrrad auf kleine Weltreise: Sie touren durch Asien von Nord nach Süd.
Stefanie und Helmut Gesierich begeben sich mit dem Fahrrad auf kleine Weltreise: Sie touren durch Asien von Nord nach Süd. Foto: Schaeffer

Zeitlarn.Stefanie und Helmut Gesierich begeben sich auf abenteuerliche Reise: Mit dem Fahrrad wollen die beiden Zeitlarner ein halbes Jahr Asien durchqueren, von Norden nach Süden, von Irkutsk am Baikalsee quer durch die Mongolei und China bis hinunter nach Laos, Kambodscha und Thailand und vielleicht sogar Singapur. Für ihre „kleine Weltreise“ haben sich die beiden ein halbes Jahr Auszeit genommen, steigen mit einem „Sabbatical“ eine Weile aus dem Hamsterrad von Job und Alltagsstress aus und dafür gemächlich in die Pedale, allerdings gleich zigtausendkilometerweit.

„Jetzt oder nie“, hätten sie sich gedacht, erzählt Steffi Gesierich, als Betriebswirtin bei den Bayerischen Staatsforsten für die Logistik zuständig, eine reine Bürotätigkeit. Einmal aus dem Alltag aussteigen, aus dem Arbeitsstress, schiebt ihr Mann Helmut, Diplom-Ingenieur bei einer Regensburger Firma, nach.

Das Ehepaar aus dem Regensburger Landkreis – sie 35, er 40 Jahre alt – will der deutschen Pünktlichkeit kurz mal den Rücken kehren, dem langen Winter entkommen, neue Eindrücke, neue Ideen sammeln und vielleicht sogar einen Sinneswandel bekommen.

Alles ist bunt und duftet

Und: Sie haben ein Faible für die asiatischen Länder, sind schon durch Myanmar, das frühere Birma, Kambodscha oder Indien geradelt. Mal drei, mal vier, mal sechs Wochen lang. „Es ist bunt, es ist die Kultur, es sind die Gerüche“, schwärmt Helmut Gesierich, „die ganzen Gewürze, die du da auf den Märkten hast.“

Und außerdem sei Asien auch viel sicherer als beispielsweise Südamerika, schiebt seine Frau Steffi nach. „Auf allen Reisen, die wir in Südostasien gemacht haben, hatten wir nie Probleme“, meint auch Helmut.

Es darf gerne verrückt sein

Etwas Sportliches sollte es auch bei dieser Reise sein, denn das ist beider Leidenschaft. Steffi Gesierich liebt dabei das Verrückte: Die 35-Jährige ist Extremsportlerin.

Sie läuft Marathon, den Ultralauf beim Regensburger Landkreislauf oder zuletzt den Vertical Up in Kitzbühl in Tirol, einmal steil den Berg hinauf, gemeinsam mit ihrem Lauffreund Klaus Huber.

Nie ohne Rad unterwegs

Zum Sport hat sie gefunden, weil sie sich vor Jahren das Rauchen abgewöhnt hat, als Ausgleich, um sich abzulenken und die drohende Gewichtszunahme abzuwehren. Jetzt will sie noch Schwimmen lernen, liebäugelt mit einem Triathlon.

Und ihr Mann Helmut war schon immer Moutainbiker, wie er erzählt. Ohne Rad war er eigentlich nie anzutreffen. Früher sei er auch gelaufen, sagt er, aber dann bekam er Probleme mit dem Knie.

Räder ohne Schnickschnack

Das Gepäck für das halbe Jahr muss sorgfältig ausgewählt werden. Die Fahrradtaschen sind klein.
Das Gepäck für das halbe Jahr muss sorgfältig ausgewählt werden. Die Fahrradtaschen sind klein. Foto: Gesierich

Am 1. August starten die beiden in Russland. Mit ganz normalen Mountainbikes. Sie fährt ein blaues, zusammengebasteltes Snake, zehn Jahre alt, und er ein ebenfalls blaues Wheeler, ganz ohne Schnickschnack, ohne Sonderausstattung, ohne nix.

„Wir sind noch die klassischen Fahrradfahrer, die selber treten“, betont Helmut Gesierich, der passionierte Mountainbiker. Für so eine Extremtour müsse es auch einfach sein. „Eine mordsmäßige Federgabel kriegt man ja nirgends repariert.“

Genaue Route noch offen

Ihre Tour führt über weite Strecken durch dünn besiedeltes Gebiet, die Steppe, fernab jeglicher Zivilisation. „Die größte Herausforderung wird die Mongolei“, meint Gesierich. „Sobald wir in China sind, gibt es wieder deutlich mehr Leute, mehr Unterkünfte.“

So ganz genau steht die Route noch nicht fest. „Mal schauen“, sagt er. „Wir lassen uns da nicht unter Druck setzen.“ Es soll einmal quer durch, von Norden nach Süden, gehen. Das ist die grobe Richtung. Laos, eventuell Kambodscha, Thailand. Und vielleicht sogar Singapur – falls ihnen die Zeit unterwegs nicht davonrennt.

So sieht die geplante Reiseroute aus:

Ein langsameres Reisen

Wie viele Kilometer das sind? Helmut Gesierich zuckt mit den Schultern. „Ich hab das noch nie nachgeschaut.“ Mit dem Fahrrad reise es sich ganz anders, betonen sie.

Tolle Begegnungen bei der Tour durch Myanmar 2011
Tolle Begegnungen bei der Tour durch Myanmar 2011 Foto: Gesierich

Langsamer, nah an den Menschen, nah an der Natur. Man komme leichter mit den Einheimischen ins Gespräch. „Die Leute kommen her und bieten ihre Hilfe an“, erzählt die Betriebswirtin.

Erfahrungsaustausch zwischen zwei Rad-Reisenden
Erfahrungsaustausch zwischen zwei Rad-Reisenden Foto: Gesierich

Keine Angst vor Gefahren

So eine Reise birgt auch Gefahren, das wissen sie. Und auch Steffi Gesierichs Vater hat besorgt nachgefragt, ob sie nicht doch lieber einfach durch den Bayerischen Wald radeln möchten. Doch die beiden Abenteurer haben sich informiert, viele Reiseberichte gelesen und winken ab.

„Das gefährlichste sind eher die Hunde. Sie laufen einem hinterher und beißen.“ Helmut Gesierich

„Das gefährlichste sind eher die Hunde“, meint der Diplomingenieur. „Sie laufen einem hinterher und beißen.“ Das sei ihnen schon einmal bei einer früheren Radreise passiert. „Helmut hat dann gebellt“, erzählt Steffi schmunzelnd. Das half: Der Hund sei beeindruckt gewesen und stehengeblieben. Und die 35-Jährige erwägt, ob sie diesmal gegen derlei Angriffe statt eines Pfeffersprays vielleicht doch lieber die Leckerli-Tüte einpacken sollten.

Steffi und Helmut Gesierich freuen sich auf ihre „kleine Weltreise“ per Rad von Norden nach Süden durch Asien, erzählen sie im MZ-Video

Sie freuen sich jetzt auf die Freiheit, auf das Treibenlassen, das unbekannte Essen, all das Neue. Sie wollen die Chinesische Mauer anschauen, klar, und andere schöne Ecken. „Und zum Schluss vielleicht auf einen schönen Strand“, schmunzelt Helmut Gesierich. Denn auch das betont er: „Man muss zwischendurch auch mal Pause machen.“

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