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Kirche

Der Kanzelförderverein macht Druck

Der Verein fordert, dass noch heuer der Wiedereinbau der historischen Kanzel in der Kirche St. Michael erfolgen soll.
Von Michael Jaumann, MZ

  • So sah die Pfarrkirche St. Michael in Köfering in einer Aufnahme aus dem Jahr 1910 aus. Foto: Archiv Winkler
  • Beim Tag des offenen Denkmals soll auch heuer wieder die Kanzel vorgestellt werden. Foto: Winkler

Köfering.„Was unsere Vorfahren geschaffen haben, wollen wir erhalten“, sagt Winfried Schoppelrey. Darum setzt er sich seit drei Jahren mit rund 50 weiteren Enthusiasten im Kanzelförderverein dafür ein, dass die Ausstattung der spätbarocken Kirche St. Michael in Köfering wieder zusammengeführt wird. „Erst wenn die Kanzel drin ist, geben wir wieder Ruhe“, bekräftigt Schoppelrey. Im Gespräch mit unserem Medienhaus machen die Gründungsmitglieder Schoppelrey, Roman Illing und Dr. Hermann Reidel Druck. „Aus konservatorischen Gründen muss die Kanzel noch heuer verbaut werden“, drängt Reidel, der sich als ehemaliger Bischöflicher Konservator und Leiter der Bischöflichen Kunstsammlungen so ein Urteil schon erlauben darf.

Kirche nach dem Konzil ausgeräumt

Dr. Hermann Reidel, Winfried Schoppelrey und Roman Illing gehören zu den Gründungsmitgliedern des Kanzelfördervereins. Foto: Jaumann
Dr. Hermann Reidel, Winfried Schoppelrey und Roman Illing gehören zu den Gründungsmitgliedern des Kanzelfördervereins. Foto: Jaumann

Die Werke der Vorfahren zählten in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts weniger als heute. In der Aufbruchsstimmung des 2. Vatikanischen Konzils, als die Kirche modernisiert wurde und alte Zöpfe der Liturgie abgeschnitten wurden, hat man im Überschwang auch viele Kirchen kahl geräumt. Darunter auch die Pfarrkirche St. Michael. Teile der Ausstattung fanden zunächst im Schloss der gräflichen Familie Lerchenfeld Obdach, später in den Depots der Diözese. Der frühere Pfarrer Erich Maier, der bei den Köferingern heute noch sehr geschätzt ist, holte bereits in den 80-ern die Altäre wieder zurück. Die Kanzel aber blieb vorerst im Depot.

Die Heimholung der Kanzel.  Foto: Winkler
Die Heimholung der Kanzel. Foto: Winkler

Als Köferinger 2012 von den Plänen einer weiteren Kirchenrenovierung erfuhren, wurden sie beim damaligen Konservator Reidel vorstellig, um die Kanzel heimzuholen. Einer Rückführung der Kanzel stimmte die Diözese unter der Voraussetzung zu, dass die Köferinger die Kosten übernähmen. Die Renovierung wurde aber der Finanzen wegen letztlich ohne den Einbau der Kanzel abgeschlossen. „Um anzuschieben“, so Schoppelrey, gründeten Köferinger Bürger 2014 den Förderverein, dem auch Konservator Reidel in der Gründungsversammlung beitrat. Zu den Aufgaben des Vereins zählt, Zuschüsse und Spenden zu sammeln. Da kann ein bestens vernetzter Mann wie Reidel, der auch im Ortskuratorium der Stiftung Denkmalschutz sitzt, wertvolle Hilfe leisten.

Mit einem Modell testete der Verein die künftige Lage der Kanzel. Foto: Winkler
Mit einem Modell testete der Verein die künftige Lage der Kanzel. Foto: Winkler

Wie teuer ein Einbau kommt, ist noch nicht ausgerechnet. Immerhin hat das Bauamt der Diözese aber bereits einen Architekten beauftragt, der nötige Arbeiten und Kosten benennen soll. Drei unterschiedliche Angebote hat der Verein selbst eingeholt und schätzt die Einbaukosten bisher auf 50 000 Euro. Neben der Arbeit des Restaurators zählen dazu Arbeiten für das Kürzen von Kirchenbänken und Heizung, Arbeiten am Fußboden und ein neuer Aufgang zur Kanzel – auch, wenn diese zu liturgischen Zwecken nicht mehr benutzt werden dürfte.

Bisher hat der Verein noch kein Geld verbraucht. Die Heimholung und Lagerung der Kanzel haben Mitglieder ehrenamtlich unternommen, und für die Ausbesserung schadhafter und fehlender Stellen ist Roman Illing zuständig. Rund 1800 Arbeitsstunden hat Illing, der zusammen mit seinem Vater bereits in den 80er-Jahren an den Altären Schnitzarbeiten erledigte, in seine Arbeit investiert. Zwischen 70 000 und 100 000 Euro hat er dem Verein daher wohl bisher gespart.

Ein Mini-Foto als Vorlage

Ein winziges Foto lieferte Informationen für die Restaurierung. Foto: Winkler
Ein winziges Foto lieferte Informationen für die Restaurierung. Foto: Winkler

Illing war wie Schoppelrey einst Ministrant, kennt die Kanzel noch aus seiner Jugend und ist Feuer und Flamme für das Projekt. Als einzige Grundlage für seine Arbeiten diente ihm ein vielleicht drei Zentimeter großes Foto aus dem Archiv des ehemaligen Ortsheimatpflegers Herbert Winkler, das dieser hochvergrößerte.

15 000 Euro hat der Verein bisher auf der hohen Kante. Dass die nötige Summe zusammenkommt, daran hat Schoppelrey keinen Zweifel. So habe die Gemeinde etwa einen Zuschuss von 5000 Euro zugesagt. Und Graf Philipp von und zu Lerchenfeld hat in der Jahresversammlung des Fördervereins im Mai laut Protokoll „jegliche finanzielle Unterstützung“ zugesichert.

1800 Stunden investierte Roman Illing in die Schnitzarbeiten. Foto: Winkler
1800 Stunden investierte Roman Illing in die Schnitzarbeiten. Foto: Winkler

Ende Juli treffen sich Vertreter des Bischöflichen Baureferats, des Landesamtes für Denkmalschutz sowie des Architekturbüros mit dem Restaurator. Restaurator und Architekt stellen dabei die Maßnahme vor, damit das Landesamt für Denkmalschutz die entsprechende Erlaubnis erteilen kann.

„In einem nächsten Schritt legen Restaurator und Architekt dem Bischöflichen Baureferat die Kostenkalkulation vor – das Baureferat erteilt sodann die Genehmigung zur Durchführung der Maßnahme“, heißt es aus der Bischöflichen Pressestelle gegenüber unserem Medienhaus. Einen Zeitrahmen wollte die Pressestelle auch auf Nachfrage nicht nennen.

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