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Gennßhenkher: Als die Schweden einfielen

Im dreißigjährigen Krieg wurde Schierling Opfer marodierender Soldaten. Das dreitägige Gennßhenkher-Fest erinnert daran.
Von Fritz Wallner

Die Gennßhenkher kommen: Das spektakuläre Fest in Schierling dauert noch bis Sonntag. Foto: Fritz Wallner
Die Gennßhenkher kommen: Das spektakuläre Fest in Schierling dauert noch bis Sonntag. Foto: Fritz Wallner

Schierling.Am Gennßhenkher-Fest zeigten die Schierlinger Schützen vom Kelheimer Landfähnl beim Exerzieren zwar bis zuletzt ihre hohe Einsatzbereitschaft. Doch gleichzeitig mussten etwa 5000 Zuschauer miterleben, wie während des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1633 die hungrigen und plündernden Schweden den Ort überfielen, dabei ein Teil der Bevölkerung umkam, und sie – der Sage gemäß – die letzten Gänse kaperten.

„Was Schierling hier feiert, ist ein wahres Volks-Fest“, stellte Rudi Hüttner mit ein bisschen Stolz fest. Er war am Samstagabend auf die Viehmarktwiese gekommen, um zu erleben, zu feiern und damit Teil des Geschehens zu werden, das sich vor etwa 385 Jahren in Schierling ereignet hat. Hüttner freute sich über das Engagement so vieler Schierlinger ebenso wie über die große Begeisterung, die damit ausgelöst wurde.

Das 7. Schierlinger Gennßhenkher-Fest

25 Gruppen zu Gast

Große Anerkennung kam auch von Landrätin Tanja Schweiger, MdB Peter Aumer und MdL Hubert Aiwanger sowie von Raynald Tanter, Bürgermeister von Schierlings französischer Partnergemeinde Penmarc’h.

Das idyllische Gelände an der Großen Laber sei ideal und man fühle sich wie in einer anderen Welt, fanden Schweiger und Aumer. „Mich begeistert vor allem das große Engagement so vieler junger Leute“, sagte Tanter. Das komme nicht von ungefähr, machten Sonja Schweiß und Bürgermeister Christian Kiendl deutlich, denn die Gennßhenkher seien ein besonders familienfreundlicher Verein. Über 600 Mannsbilder, Weiber und Kinder lebten drei Tage lang im Feldlager, rund 250 übernachteten in Zelten unmittelbar an der Großen Laber.

Der Fluss und Bach sorgte für Abkühlung und waren Spielplatz für die Kinder zugleich.

Markus Schweiß: Er steht seit 2001 an der Spitze der Gennßhenkher („Gänshänger“): „Wir spielen nicht Krieg, sondern wir zeigen das Leben einer Dorfgemeinschaft in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit den Gefahren und Herausforderungen
Markus Schweiß: Er steht seit 2001 an der Spitze der Gennßhenkher („Gänshänger“): „Wir spielen nicht Krieg, sondern wir zeigen das Leben einer Dorfgemeinschaft in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit den Gefahren und Herausforderungen

Etwa 25 Gästegruppen aus Südwestengland, Brünn, Rostock, Delitzsch in Sachsen und Memmingen sowie von vielen anderen Orten waren angereist. Sie alle erlebten die Damen-Tanzgruppe, junge Gaukler, Feuerspucker, den Chor des Vereins, Fanfaren, Trommler, einen Nachtwächter, die Landshuter Turmpfeifer und immer wieder das Exerzieren der Musketiere.„Wir haben die Mitwirkenden bei fast allen Gruppen verdoppeln können“, freute sich Markus Schweiß, der zusammen mit Roland Kraus als Cheforganisator wirkte. Allein beim Aufbau haben gut 100 Leute mitgeholfen, denn es galt nicht nur das Feldlager authentisch vorzubereiten, sondern auch Sitzgelegenheiten für rund 2500 Besucher zu schaffen.


              
              Clemens Zehender:  Er kommandierte als strenger Corporal 28 Musketiere. Die Gänshänger-Sage sei ein „großer Schatz“, um die Zäsur des Dreißigjährigen Krieges darzustellen. Das Heilige Römische Reich war zusammengebrochen und ein Drittel der Bevölkerung umgekommen.
Clemens Zehender: Er kommandierte als strenger Corporal 28 Musketiere. Die Gänshänger-Sage sei ein „großer Schatz“, um die Zäsur des Dreißigjährigen Krieges darzustellen. Das Heilige Römische Reich war zusammengebrochen und ein Drittel der Bevölkerung umgekommen.

Im Lager arbeiteten Schmied sowie Messer- und Scherenschleifer wie anno dazumal, und draußen unterhielten Zauberer sowie Akteure des Vereins Kinder und Erwachsene zugleich. Für die Kulinarik gab es Unterstützung von den Rock’n’Rollern, dem Schulförderverein, Partnerschaftsverein und dem Liederkranz. Ein grandioses Feuerwerk wurde in der ganzen Umgebung bestaunt.

Als der Hauptmann aus Kelheim – in Gestalt von Major a. D. Fritz Bronsart – in den 1630er Jahren nach Schierling kam, da war der Ort in Aufruhr. Denn er prüfte die Einsatzbereitschaft der Schützen. Die „Herren Sexer“ – die Gemeindevertreter – waren besonders nervös und feierten zu Beginn des Tages einen Gottesdienst. Doch die Prüfung war erfolgreich und deshalb wurde dem Hauptmann und ihnen ein Festmahl kredenzt.

Jennifer Baumann:Die junge Frau ist erst kürzlich zum Verein gestoßen. Innerhalb von zwei Monaten hat sie eine 20-köpfige, komplett neue Feuerspucker-Truppe aufgestellt. Die Leute waren begeistert und spendeten Riesen-Applaus.
Jennifer Baumann:Die junge Frau ist erst kürzlich zum Verein gestoßen. Innerhalb von zwei Monaten hat sie eine 20-köpfige, komplett neue Feuerspucker-Truppe aufgestellt. Die Leute waren begeistert und spendeten Riesen-Applaus.

Ganserl am Schnur als Nachtisch

Die Feuerspiele waren am Freitagabend ein Höhepunkt. Es gibt sie auch am Samstagabend. Foto: Fritz Wallner
Die Feuerspiele waren am Freitagabend ein Höhepunkt. Es gibt sie auch am Samstagabend. Foto: Fritz Wallner

Am Sonntag hat das der Völkl Luck mit seinem Gesinde erledigt. Knödel, Blaukraut, Soße und Kartoffelsalat wurden hergerichtet, die vier Ganserl beim Huber-Bäck gebraten. Da lief den Festgästen das Ganserlfett aus den Mundwinkeln und den Zuschauern das Wasser im Munde zusammen. Für die Schützen gab es am „Schüsselbrett“ – einer Holzbohle mit eingefrästen Vertiefungen – Wildschweineintopf. Außerdem machten sie sich über die Gansreste her. Als Nachtisch gab es „Ganserl an der Schnur“, wie Pfarrer Josef Helm angesichts des Schmalzgebäcks von Gertraud Piendl bemerkte.

Claudia Kraus und Jutta Stöckl: Die Frauen haben mit sechs weiteren „Näh-Weibern“ dafür gesorgt, dass Hunderte Schierlinger historische Kleidung hatten. Nur wer authentisch angezogen ist, wird Teil des Geschehens und darf das Feldlager betreten. Alle anderen schauen zu. (lww)
Claudia Kraus und Jutta Stöckl: Die Frauen haben mit sechs weiteren „Näh-Weibern“ dafür gesorgt, dass Hunderte Schierlinger historische Kleidung hatten. Nur wer authentisch angezogen ist, wird Teil des Geschehens und darf das Feldlager betreten. Alle anderen schauen zu. (lww)

Seinem Kollegen, dem evangelischen Pfarrer Uwe Biedermann, dagegen wurde übel mitgespielt. Er galt wegen seiner Konfession als Ketzer, wurde festgenommen, mit „Wahrheitsserum“ abgefüllt und wieder freigelassen. Der so Gescholtene revanchierte sich mit einem fulminanten „Spaltvers“. Besser ging es dem Schützen Uli Müller, der mit seiner Frau Tanja im Rahmen des Festes Hochzeit feierte.

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