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Verein entstaubt Theaterstück

Der Holperdinger Theaterverein in Beratzhausen beweist mit Kohlhiesels Töchter erneut Mut und Einfallsreichtum.
von Ingrid Kroboth

Beim Lichterfest am „Sonnenhang“ geht’s lustig zu – es wird getanzt und geflirtet, was das Zeug hält. Foto: Kroboth
Beim Lichterfest am „Sonnenhang“ geht’s lustig zu – es wird getanzt und geflirtet, was das Zeug hält. Foto: Kroboth

Beratzhausen.Ein Stamperl von der „Hantigen“ oder doch lieber von der „Sanften“ gefällig? Schon bevor das Glöckerl zum neuen Stück des Holperdinger Theatervereins läutet, bekommen die Zuschauer einen hochprozentigen Vorgeschmack auf das, was sie in den folgenden zweieinhalb Stunden auf der Bühne im Pfarrheim erwartet: a hantige Susi und eine sanfte Liesl – Kohlhiesels Töchter eben. Die 28 Schauspielerinnen und Schauspieler – allesamt Laien – haben unter der Regie von Sigi Frauenknecht wieder großes Theater einstudiert, mit allem, was dazu gehört: prickelnde Liebesszenen, deftige Sprüche, hitzige Schlägereien, folgenschwere Verwechslungen, hinterfotzige Geschäfte, Hochzeit und Happy End.

Eine verhängnisvolle Anzeige

Obwohl die Spielsaison 2018 mit acht Aufführungen noch bis 4. November dauert, sind die Karten schon ausverkauft. Kein Wunder, die Holperdinger sind bekannt für bewegendes Theater mit Einfallsreichtum und großartigen Inszenierungen. „Ihr wert’s eich o’schaung“, hatte Regisseur Frauenknecht dem Publikum im vollbesetzten Saal vorausgesagt – und nicht zu viel versprochen.

Peter (Thorsten Plog) überrascht die von der Hotelfachschule heimgekehrte Liesl (Patricia Thaler) auf dem Balkon der elterlichen Pension Sonnenhang in Hirschstein – in der „Perle des Labertals“.  Foto: Kroboth
Peter (Thorsten Plog) überrascht die von der Hotelfachschule heimgekehrte Liesl (Patricia Thaler) auf dem Balkon der elterlichen Pension Sonnenhang in Hirschstein – in der „Perle des Labertals“. Foto: Kroboth

Gleich zum Einstieg herrscht Chaos auf der Bühne, der Kaffeetisch in der Pension Sonnenhang wackelt, Susi (Sandra Plog) stört das Schäferstündchen der Magd (Theresa Meyer) mit dem Knecht (Leo Eichenseher) im Stroh und sinniert zum Ohrwurm von Hubert von Goisern: „Heast as net, wia de Zeit vergeht?“ Dabei ist sie umringt von den drei Überirdischen: „Glaube“ (Luisa Frauenknecht), „Hoffnung“ (Elisabeth Schmid) und „Liebe“ (Theresa Simmich). Vater Kohlhiesel (Josef Prösl) hofft, für seine bärbeissige Tochter doch noch einen Mann zu finden. Er gibt bei Frau Simon (Magda Ehrl) eine Heiratsanzeige auf. Und die verkauft geschäftstüchtig an Susi gleich noch eine Stellenanzeige für Knecht und Kellner.

Die drei „Überirdischen“ – Glaube (Luisa Frauenknecht), Liebe (Theresa Simmich), Hoffnung (Elisabeth Schmid) – tanzen beim Lichterfest zu „Waterloo“ von Abba. Foto: Kroboth
Die drei „Überirdischen“ – Glaube (Luisa Frauenknecht), Liebe (Theresa Simmich), Hoffnung (Elisabeth Schmid) – tanzen beim Lichterfest zu „Waterloo“ von Abba. Foto: Kroboth

Schon lenkt Liesl (Patricia Thaler) ihren Elektroroller zwischen den Zuschauerreihen hindurch auf die Bühne – endlich, nach drei Jahren Hotelfachschule, daheim. Der Jugendchor (Anna, Emmi und Maya Eichenseher, Vincent Prösl, Michi Spangler, Nelly und Lilly Plog) singt mit der Chorleiterin (Vroni Peter) ein Begrüßungslied. Das Musikanten-Trio (Hans Mosner, Thomas Lang und Adrian Hatton) begleitet die Willkommensfeier. Schon ist Vaters Heiratsanzeige von Erfolg gekrönt: die Freier (Michel Schäfer, Thomas Lang und Thomas Kalweit) stürmen als Rosenkavaliere zur Pension und treffen prompt auf „Chefin“ Susi, die Arbeitssuchende für Stall und Gasthaus erwartet.

Susi (Sandra Plog) und Toni (Benny Thumann) kommen sich beim Twist langsam näher: „Come on Everybody“, schallt es aus der Musikbox und das Paar findet seinen Stil. Foto: Kroboth
Susi (Sandra Plog) und Toni (Benny Thumann) kommen sich beim Twist langsam näher: „Come on Everybody“, schallt es aus der Musikbox und das Paar findet seinen Stil. Foto: Kroboth

Sie will aber erst klären, ob die Herren ihren Anforderungen genügen. Das Rennen macht Rolf (Andi Rösner) als Knecht, der es aber auf die Mitgift der vermögenden Gastwirtstochter abgesehen hat: „Schönheit vergeht, aber der Wert übersteht.“

Den Posten als Kellner übernimmt Peter (Thorsten Plog), der kein Hehl aus seiner Zuneigung zu Liesl macht. Das Problem ist Mutter-Kohlhiesels Verfügung auf dem Sterbebett: Liesl darf erst heiraten, wenn ihre Schwester Susi unter der Haube ist. Peter ersinnt einen Plan: Toni (Benny Thumann), Liesls Freund aus Kindertagen und nach wie vor glühender Verehrer, soll zum Schein die Susi heiraten.

Hochzeitsnacht ohne Harmonie

Das Musikanten-Trio (Hans Mosner, Adrian Hatton und Thomas Lang) spielt live zu all den Großereignissen auf dem Hof der Familie Kohlhiesel: zum Lichterfest, zur Hochzeit, zum Gesang der Schwestern.  Foto: Kroboth
Das Musikanten-Trio (Hans Mosner, Adrian Hatton und Thomas Lang) spielt live zu all den Großereignissen auf dem Hof der Familie Kohlhiesel: zum Lichterfest, zur Hochzeit, zum Gesang der Schwestern. Foto: Kroboth

Susi im weißen Brautkleid, Toni sturzbetrunken, geben sich vor der Bürgermeisterin (Gerlinde Braun) das Eheversprechen. Doch schon die Hochzeitsnacht ist nicht von Harmonie geprägt. Zu allem Überfluss kommt auch noch eine Maklerin (Gabi Wagner), die den angeblich zum Verkauf stehenden „Hof mit viel Baugrund“ an zwei Kaufinteressentinnen (Eva Schutzbier und Vroni Peter) verhökern will.

Susi verteidigt ihren Toni. Vom Balkon fliegen Unterhosen und Nachttöpfe, was die ungebetenen Gäste zu einer Anzeige veranlasst und den Dorfpolizisten (Franz Dirrigl) auf den Plan ruft. Und Toni merkt schließlich auf einmal, dass er sich „irgendwie“ in seine Frau verliebt hat. Zugleich gesteht Peter seine Liebe zu Liesl ein: „Schon als ich sie des erste mal gsehn hab.“ Als schließlich die aufgehübschte Susi im Partnerlook mit Liesl auftritt, trauen die beiden Verliebten ihren Augen nicht – und die „Megaparty am Sonnenhang“ kann steigen.

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