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Politik

Albert Füracker in der „Super-Pfalz“

Bei der Bauernkundgebung sprach der Minister heikle Themen wie die Ausgleichsflächen an – und erntete tosenden Applaus.
Von David Santl

Der bayerische Finanzminister Albert Füracker befürwortet eine Mehrgefahrenversicherung. Foto: David Santl
Der bayerische Finanzminister Albert Füracker befürwortet eine Mehrgefahrenversicherung. Foto: David Santl

Hemau.Was macht der bayerische Finanzminister auf einer Kundgebung für Bauern? Wer Albert Füracker nicht kennt, wird sich diese Frage vielleicht stellen. Doch als Redner für die traditionelle Bauernkundgebung auf dem Tangrintel-Volksfest war der CSU-Politiker genau die richtige Besetzung, stammt er doch selbst aus einem landwirtschaftlichen Betrieb in Lupburg. Und als solcher kennt er die Sorgen und Nöte der zahlreichen Bauern im Festzelt so gut wie kaum ein anderer.

Bei seinem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt im Zehentstadel in Hemau sagte Albert Füracker: „Ich weiß, wo ich herkomme.“ Und das sollte sich im Festzelt bemerkbar machen. „Ich bin wahnsinnig stolz, dass einer von uns Landwirten mit dem einflussreichsten Ministerium betraut worden ist“, freute sich Bürgermeister Hans Pollinger bei der Begrüßung im Festzelt.

Ähnlich äußerte sich auch die Kreis- und Bezirksbäuerin Rita Blümel: „Wir brauchen starke Politiker, deren Herz für die Landwirtschaft brennt“, erklärte sie. Albert Füracker sei einer von ihnen.

Dann trat der Finanz- und Heimatminister selbst ans Mikrofon. „Na, ihr macht’s a Musik“, lobte er die Tanngrindler Musikanten, die ihn zünftig auf die Bühne spielten.

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Albert Füracker auf dem Tangrintel-Volksfest

Auch wenn die Anzahl der Bauern weniger werde, bleibe die Landwirtschaft ein präsentes Thema. „Ohne die Bauern gäbe es keinen ländlichen Raum“, erklärte er. Deshalb müssten sie auch beachten, was sich in der Welt verändert, so Füracker: „Wir produzieren zum Beispiel 1,8 Mal so viel Milch wie nötig – da brauchen wir genügend Abnehmer in der Welt.“ Deshalb seien internationale Handelsbeziehungen in Europa und in der Welt wichtig.

Bei der Technik vorne dabei sein

Auch die Digitalisierung ließ Füracker nicht unerwähnt: „Dass wir uns E-Mails schicken, ist keine Digitalisierung.“ Der Freistaat Bayern müsse bei technischen Fragen an der Spitze stehen und bleiben.

Mit Blick auf die Dürreschäden in diesem Jahr sagte der Minister zu, dass Bayern die Einführung einer bundesweiten Mehrgefahrenversicherung unterstütze. „Die Landwirtschaft ist nicht kalkulierbar, da brauchen wir Sicherheit“, erklärte er. Doch ein Thema brannte den Landwirten besonders auf den Nägeln: die Ausgleichsflächen. „Selbst als Minister verstehe ich nicht, wieso Landwirten Flächen entzogen werden als Ausgleich bei Baumaßnahmen. Da muss etwas geändert werden“, forderte er unter dem tosenden Applaus der Bauern.

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Die Finanzen blieben an diesem Tag nicht ganz außen vor. „Durch die Dürre müssen manche Betriebe Rinder verkaufen, weil sie sie nicht mehr füttern können. Ihnen wollen wir finanziell helfen!“, sagte Füracker.

Kritik an Ideologen

Auf den technischen Strukturwandel kam der CSU-Mann ebenfalls zu sprechen: „Wir wollen die neue Technikgeneration bezuschussen“, erklärte er. Die Technik habe viel verändert. Dieser dürfe man sich nicht verschließen. „Oder ist noch jemand da, der Landwirtschaft wie vor 35 Jahren betreiben will?“, fragte er ironisch.

Wie kam Füracker bei den Bauern an?

  • Johann Mayer:

    „Ich schätze seine Klarheit und dass er den Leuten nicht nach dem Mund redet. Vor allem seine Aussagen zum Klimawandel haben mir gefallen. Diese drängende Aufgabe müssen wir anpacken“, sagt der Kreisobmann des bayerischen Bauernverbandes.

  • Franz Obeth:

    „Ich war sehr positiv überrascht von ihm. Man merkt, dass er zu dem steht, was er sagt. Ich hoffe, dass er die Meinung der Landwirte auch in der Politik gut vertreten kann. Vor allem sein Appell an die Bauern, zusammenzuhalten, hat mir gefallen“, so der Hemauer Landwirt.

  • Rita Blümel:

    „Es ehrt uns sehr, dass der Finanzminister selbst aus der Landwirtschaft kommt. So hat er vollstes Verständnis für uns und erkennt die Zusammenhänge gut. Auch dass er den internationalen Aspekt angesprochen hat, finde ich wichtig“, sagt die Bezirks- und Kreisbäuerin.

  • Johannes Mirwald:

    „Seine Rede hat mir wirklich gut gefallen. Da steckte richtig Herzblut dahinter. Vor allem dass er nicht über andere Politiker hergezogen hat, fand ich sehr gut. Auch die Botschaft, dass wir nicht auseinanderdriften sollen, war sehr wichtig“, so der Landwirt aus Kareth.

Ein Anliegen war dem Minister auch, dass konventionelle Bauern und Biobauern nicht gegeneinander ausgespielt werden: „Da gibt es so viele Ideologen“, kritisierte Albert Füracker. Das eine sei nicht besser als das andere. „Ich habe es satt, von Nicht-Landwirten belehrt zu werden, was wir zu tun hätten!“, rief er – und sprach vielen aus der Seele.

Ein Beispiel sei der Klimawandel: „Wir sind nicht Verursacher, sondern Leidtragende, und müssen uns dann als Schuldige beschimpfen lassen“, ärgerte er sich. Deshalb sei es für alle Bauern wichtig, zusammenzuhalten: „Da soll nicht der eine über den anderen schimpfen“, erklärte er. Aber auch ein großes Lob hatte Minister Füracker dabei. „Die Landwirte sind ein Aushängeschild unserer Heimat“, meinte er und erklärte, wie stolz er sei, ein Oberpfälzer zu sein: „Bei uns sind die Leute am glücklichsten – wir sind die Super-Pfalz!“

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