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Landwirtschaft

Bauland treibt Bauern in den Ruin

Die vermehrten Ausweisungen nehmen den Landwirten immer mehr Flächen. Als Folge droht ein weiteres Höfesterben.
Von Walter Schiessl

Immer größere Flächen werden zu Bauland umgewandelt. Das hat für die Landwirte schlimmste Folgen. Foto: Schießl
Immer größere Flächen werden zu Bauland umgewandelt. Das hat für die Landwirte schlimmste Folgen. Foto: Schießl

Regensburg.Des einen Freud – des anderen Leid. Was die Ausweisungen von Bauland in vielen Gemeinden die Herzen der potenziellen Häuslebauer höher schlagen lässt, sorgt auf der anderen Seite bei den Landwirten für viel Frustration. Denn die Ausweitung der Bauflächen macht das Ackerland immer knapper, lässt die Pachtpreise nach oben schnellen und macht die Produktion von Feldfrüchten damit oftmals unrentabel.

Wie der Bayerische Bauernverband wissen lässt, ist die Situation höchst prekär. „Jede Gemeinde ist darauf aus, Gebiete für Wohnraum und Industriebetriebe auszuweisen und das geht allen zulasten der Landwirtschaft“, sagt Johann Mayer, seit 1992 Obmann der früher über 300 landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis. Inzwischen sei man bei 270 angekommen, diese Tendenz geht in dieser Zeit spürbar und immer schneller nach unten, merkt er an. Diese Ausweisung alleine schmerze die Bauern schon, zudem gebe es für die Gemeinden die gesetzliche Verpflichtung, Ausgleichsflächen zu beschaffen, die dann den Landwirten teilweise ebenfalls fehlen. „Die Spirale dreht sich immer weiter nach unten“, sagt der Kreisobmann.

„Der Ertrag stimmt nicht mehr“

In der Stadt Wörth ist man gerade dabei, ein 16 Hektar (160 000 Quadratmeter) großes Baugebiet für gut 140 Häuser auszuweisen. Die Fläche, die am Brand heißt, liegt auf einem großen Westhang zwischen Wörth und Wiesent. Bislang wurde das Areal, das sieben Personen gehört, weitgehend für den Feldanbau genutzt. Die Stadt wird 4,65 Hektar als Ausgleichsfläche zur Verfügung stellen, sagt der Bauamtsleiter Siegfried Stadler. Somit fehlen für die Landwirtschaft gut 10 Hektar. Einer der betroffenen Bauern ist der Wiesenter Alois Bauer, der zur Haltung seiner 60 Milchtiere an die 35 Hektar bewirtschaftet und eben eine große Fläche von einem Wörther Besitzer gepachtet hat.

Zahlen und Fakten zur Landwirtschaft im Landkreis Regensburg finden Sie im Video:

Zahlen und Fakten zur Landwirtschaft im Landkreis Regensburg

Für den 65-Jährigen ist klar: „Die Pachtpreise gehen weiter nach oben, so dass es sich für uns nicht mehr rentieren wird, eine teuere Fläche zuzupachten, das Geld für den Ertrag stimmt dann einfach nicht mehr“, sagt er und ließ unlängst wissen, dass er die Viehhaltung schon bald schweren Herzens aufgeben werde.

„Der Flächenhunger der Gemeinden schadet vielen Bauern!“

Johann Mayer, BBV-Kreisobmann

Ja nach Lage zahlt ein Bauer für einen Hektar, den er pachtet, 300 bis 1000 Euro im Jahr. Der Durchschnittswert der Ernte gibt 80 Doppelzentner Weizen, was einen Jahresertrag von 1200 Euro entspricht. „Da ist dann weder das Düngen, noch das Benzin und auch nicht die Arbeit während des Jahres mit eingerechnet, sagt der Wiesenter Josef Zimmerer, der vor fünf Jahren die Viehwirtschaft aufgegeben hat. Der Sohn führt die Feldarbeit weiter. Dem Ruhestands-Agrarier fehlt das Verständnis für die Politik, die seiner Meinung nach die Landwirtschaft an den Abgrund treibt. „Wenn man das so will, dass gehen noch viele Betriebe den Bach hinunter“, prophezeit Josef Zimmerer.

Die Folgen der Misere

  • Hofaufgabe:

    Josef Zimmerer aus Wiesent hat die Viehwirtschaft aufgegeben, Alois Bauer aus Mitteroith wird ihm in Kürze folgen.

  • Teuerung:

    Wenn die Pacht für die Flächen immer höher wird, wird der Gewinn für die Bauern immer geringer. Es bleibt nur wenig übrig.

  • Fütterung:

    Wenn die Pachtflächen weniger werden, wird die Futterproduktion nicht immer knapper. Es muss mehr zugekauft werden.

Die fehlenden Flächen beschäftigen jeden Landwirt, sagt der Kreisobmann, den einen mehr, den anderen weniger. In fast jeder Gemeinde und besonders in der Region rund um Regensburg gibt es massive Bemühungen, die Wohn- und Industrieflächen zu vergrößern, weiß Johann Mayer. Der Kreisobmann bekommt von seinen Mitgliedern immer wieder zu Gehör, dass das Führen der Bauernhöfe immer härter werde.

Vielfältige Ursachen

Die Ursachen dafür seien vielfältig, sagt er. Das fange bei den bürokratschen Vorgaben an, die von Privatleuten nur noch schwer zu bewerkstelligen seien, gehe mit den von den Lebenmittelkonzernen immer weiter nach untengedrückten Preisen für Fleisch und Milch weiter und ende bei den steuerlichen Hürden, die von der Regierung für die Bauern geschaffen wurden. „Früher hat man Vergünstigungen für die Re-Investitionen in die Betriebe wie etwa die Käufe von Maschinen oder die Neubauten von Stallungen erhalten, das gibt es jetzt nicht mehr“, sagt Johann Mayer, der wie alle seine 270 Betriebe den großen Flächenhunger durch die Gemeinden beklagt.

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Das hat für die Landwirte fatale Folgen. Denn es werde immer schwerer, einen Betrieb so zu führen, dass die Familie ein solides Einkommen habe. „Früher kannten wir so etwas wie das Burn-out-Syndrom gar nicht“, sagt der Kreisobmann, heute sei es Gang und Gebe, dass immer mehr Landwirte ausgebrannt seien. Das führe bisweilen sogar so weit, dass es bis zum Selbstmord gehe, weil man keine Zukunft mehr vor Augen habe.

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