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Aktionstag

Bodenqualität: Wurzel spricht

„Landerlebnisse für Groß und Klein“ gab es in Brennberg: Trotz Freizeitbus kamen aber nur wenige mit dem ÖPNV.
von Resi Beiderbeck

Johann Schneck, Experte für ökologischen Landbau, zeigte auf, was einen gesunden Boden ausmacht. Foto: Beiderbeck
Johann Schneck, Experte für ökologischen Landbau, zeigte auf, was einen gesunden Boden ausmacht. Foto: Beiderbeck

Brennberg.Nach langer Vorlaufzeit und ausgeklügelter Planung kam am Sonntag erstmals ein „Freizeitbus“ als Zubringer der Linie 5 von Wiesent aus in Brennberg an. Aber die allermeisten Besucher kamen halt so wie immer – mit dem Auto, wie RVV-Geschäftsführer Josef Weigl feststellen musste. „Sprit gespart, Klima geschont, nette Leute getroffen“, freuten sich demgegenüber diejenigen Gäste, die auf dem Weg zum Aktionstag „Landerlebnisse für Groß und Klein“ das ÖPNV-Angebot nutzten.

Von Brennberg aus gab es sogar ein Shuttle-Angebot mit E-Autos. Günther Beiderbeck, Thomas Saradeth, Herbert Adlhoch, Alex Schmid, Hans Meier und Gerhard Sauerer kutschierten die Gäste zu den einzelnen Programmpunkten. So richtig viele Fahrgäste hatten sie aber leider nicht.

Mit Muskelkraft unterwegs

Sonne pur, herrliche Landschaft und angenehmen Fahrtwind genossen die Teilnehmer einer Tagestour mit dem ADFC Regensburg. Auf dem Falkensteinradweg rollten die Radler heran, wobei keineswegs alle von ihnen mit Elektro-Unterstützung fuhren. Etliche bewältigten die Herausforderung mit reiner Muskelkraft und das bis hoch zur Burgruine. Dort schloss man sich gerne der Burgführung an, die Ortsheimatpfleger Robert Böck sehr interessant gestaltete. Landrätin Tanja Schweiger kam zum Theater-Schnuppern auf die Burg. Sie sagte „Vergelt´ s Gott“ für den Aktionstag als gelungenen Beitrag zu den Regionaltagen: „In Brennberg ist immer a bisserl was Ökologisches, a bisserl was Kulturelles, viel Kulinarisches und auch etwas für Kinder dabei.“

Unterschiedliche Bereiche zusammen zu bringen und zu vernetzen, das gefalle ihr besonders gut an den Regionaltagen, so die Landrätin. Bürgermeisterin Irmgard Sauerer und Regionalentwicklerin Elisabeth Sojer-Falter freuten sich über das Traum-Wetter und die Resonanz der Besucher.

Nachhaltigkeit, Gesundheit, Umwelt und Natur standen im Mittelpunkt einer Exkursion auf dem Hof der Familie Luft in Kirnberg, wo es um den „gesunden Boden“ ging. „Das Lebensthema schlechthin“, sagte 2. Bürgermeister Franz Löffl, „denn in einer Handvoll Erde sind mehr Lebewesen als Menschen auf der Welt“. Junglandwirt Mario Luft berichtete, dass der Familienbetrieb rund 50 Hektar Acker- und Grünland bewirtschaftet. 55 Milchkühe profitieren davon, dass sich Familie Luft seit vier Jahren sehr intensiv mit Bodenkultur befasst und dazu vor allem effektive Mikroorganismen und Gesteinsmehl verwendet. Gute Erfahrungen hat man mit dem Bodenverbesserer „Leonardit“ gemacht, einem heimischen, humifizierten Naturprodukt, das die Gesundheit von Boden, Pflanze, Tier und Mensch fördert.

„Seit wir damit arbeiten, können wir gute Erfolge feststellen“, sagte Mario Luft, „so haben wir zum Beispiel viel mehr Klee auf den Wiesen und müssen kaum nachsäen“. Als Anschauungsobjekt diente ein Feld in Hofnähe, das Johann Schneck, Leiter der Staatlichen Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, in Landshut-Schönbrunn, anschaulich und humorvoll unter die Lupe nahm.

Note „Gut“ sagt der Experte

Anhand eines Bodenprofils prüfte er Kriterien wie Wasserhaltefähigkeit, Nährstoffversorgung, Durchlüftung. „Die Wurzel spricht zu uns. Sie sagt mehr aus als alles andere.“ Und über das Feld der Familie Luft sagte sie „Gut“. Dass die Pflanzenqualität „brutal“ von der Bodenqualität beeinflusst wird, erklärte Dipl. Ing. Franz Rösl, Kompost-Experte und Vorsitzender der Interessengemeinschaft „Gesunder Boden e. V“. Den Boden bezeichnete er als lebendigen Organismus mit einem Immunsystem, dessen Stabilität logischerweise Einfluss auf das Immunsystem der darauf wachsenden Pflanzen und schließlich auf die Gesundheit des Menschen hat.

„Den Humusanteil zu steigern, das ist eine wichtige, aber langwierige Aufgabe, die viel zum Klimaschutz beitragen kann.“ Altes Wissen mit neuem Wissen verbinden sei das Ziel, denn alle Umbrüche der Menschheitsgeschichte hätten mit Erosionsereignissen zu tun. Vertiefen kann man das beim Bodentag am 27. November.

Je intakter der Boden ist, umso mehr Wasser kann er aufnehmen, desto weniger landet in Bächen und Flüssen und umso besser ist das für den Hochwasserschutz. Darum ging es auch bei der Führung auf einer Feuchtwiese am Himmelmühlbach mit Ansgar Lemper, dem Leiter der Unteren Naturschutzbehörde.

Ein unterhaltsamer Sonntag auf dem Land

  • Burgführung:

    Robert Böck nahm die Gäste mit auf eine spannende Führung durch die Schlösser Ober- und Unterbrennberg – so nannte man die Teile der heutigen Burgruine nämlich einstmals. Die Gäste bekamen einen lebendigen Eindruck vom Leben auf einer Burg in früherer Zeit.

  • Theater:

    Der Krimiklassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“ wird im Burgstadl ab 19. Oktober gezeigt. Bei den Proben durften sich die Gäste schon mal ein wenig Appetit holen auf das Stück, das hier in Bayerischer Sprache gespielt wird. Zwei Vorstellungen sind schon ausverkauft.

  • Land-Art:

    Stöckchen, Blätter, Zapfen, Kastanien, Federn, Früchte, Rindenstücke und noch viel mehr Schätze, die in der freien Natur scheinbar nutzlos herumliegen, sammelten Kinder mit großem Eifer, um daraus zusammen mit Susanne Kainz phantasievolle Land-Art-Bilder zu legen.

  • ÖPNV:

    Das ÖPNV-Gefühl konnten Naherholungssuchende und Einheimische auf dem Weg zu einzelnen Programmpunkten einen Sonntag lang erfahren. Dabei kamen Leute ins Gespräch, die sich sonst nie getroffen hätten. Schon deswegen hat sich der Pilot-Versuch gelohnt. (lbi)

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