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Wirtschaft

Die Dürre, die Bauern und das Geld

Die Wetterkapriolen machen alle Sparten zum Glücksspiel, klagen Landwirte im Landkreis Regensburg. Auch die Biobauern leiden.
Von Christof Seidl

Ein Landwirt wirbelt beim Bearbeiten einer vertrockneten Wiese eine Menge Staub auf. Auch im Landkreis Regensburg hat das extrem trockene und heiße Wetter vor allem Viehzüchter in eine problematische Situation gebracht,  Foto: Patrick Pleul/dpa
Ein Landwirt wirbelt beim Bearbeiten einer vertrockneten Wiese eine Menge Staub auf. Auch im Landkreis Regensburg hat das extrem trockene und heiße Wetter vor allem Viehzüchter in eine problematische Situation gebracht, Foto: Patrick Pleul/dpa

Regensburg.Es ist verrückt. Im vergangenen Jahr hat der späte Frost den Obstbauern die Ernte verdorben, in diesem Jahr drohen manche Obstbäume unter der Last der Früchte zusammenzubrechen. Umgekehrt ist die Situation bei Viehzüchtern. 2017 waren sie noch guter Dinge, dieses Jahr bringt das extrem trockene, heiße und sonnige Wetter einige an den Rand des Ruins, weil auf ihren Wiesen nichts mehr wächst. Sie müssen Futter zu hohen Preisen zukaufen – wenn es welches gibt. Teilweise versuchen die Betroffenen, dem Dilemma zu entkommen, indem sie Vieh vorzeitig schlachten lassen, um so den Futtermittelverbrauch zu senken. Dadurch entsteht ein Überangebot, das wiederum die Preise auf dem Fleischmarkt drückt.

Die bayerische Staatsregierung hat auf die langanhaltende Dürre reagiert und ein Sofortprogramm für Viehzüchter auf den Weg gebracht. Dabei werden auch finanzielle Hilfen für den notwendigen Zukauf von Grundfuttermitteln angekündigt. Und die Bundesregierung stellt 340 Millionen Euro für Landwirte in Deutschland bereit, die unter der Dürre leiden.

Finanzhilfen keine Dauerlösung

Johann Mayer aus Schirndorf steht inmitten eines verdorrten Maisfeldes. Archivfoto: lla
Johann Mayer aus Schirndorf steht inmitten eines verdorrten Maisfeldes. Archivfoto: lla

Reicht das, um die Situation zu entschärfen? Johann Mayer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) und selbst Viehzüchter in Schirndorf, sieht die angekündigten Hilfen skeptisch. In akuten Notfällen seien sie sinnvoll, allerdings würden die Probleme dadurch nur verschoben werden. Langfristig könnten solche Nothilfen ein vom Klimawandel verursachtes Höfe-Sterben nicht verhindern. Aktuell müsse jeder Betrieb durchrechnen, ob die angebotenen Hilfen sinnvoll seien. „Da gibt es ja viele Einschränkungen, die im Einzelfall sogar zu Rückforderungen führen.“

Bilder zum Dürresommer 2018

Im Landkreis ist die Situation sehr unterschiedlich, weil die wenigen Niederschläge im Sommer meistens lokale Schauer und Gewitter waren. Mayer: „Bei mir sind vor kurzem bei einem Schauer 30 Liter pro Quadratmeter heruntergekommen. Fünf Kilometer weiter waren es nur mehr drei Liter.“ Der Nutzen starker Niederschläge sei aber beschränkt. Das Wasser laufe weg, weil die harten, trockenen Böden es nicht aufnehmen können. „Wir bräuchten einen klassischen leichten Landregen über Tage hinweg, der den Boden richtig durchnässt.“ Die jüngsten Niederschläge seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen.

Auch Bio-Bauern leiden

Dürre macht den Schwandorfer Bauern zu schaffen

Hubert Heigl betreibt bei Kallmünz eine biologische Landwirtschaft mit Getreide und Schweinezucht. Grundsätzlich seien Bio-Betriebe gegen Trockenheit resistenter als konventionelle Anbauer, sagt er, unter anderem weil sich in den Böden durch die schonenden Anbaumethoden mehr Humus bilde, der Wasser bindet. Außerdem könne er durch die erweiterte Fruchtfolge das Risiko besser streuen. Aber bei einer so lange anhaltenden Trockenheit sei die Situation der Bio-Bauern „nicht wirklich besser“. Heigl spricht von einem Minus von 30 bis 50 Prozent bei der Getreideernte im langjährigen Vergleich. Auch er habe für seine Schweine bereits Futter zukaufen müssen. „Aber bei uns ist es wenigstens nicht so, dass wir nicht wissen, was wir unseren Kühen morgen verfüttern sollen.“

Auch die Ernteprognosen für Zuckerrüben sind schlecht – wenn es nicht bald ergiebig regnet. Foto: Philipp Schulze/dpa
Auch die Ernteprognosen für Zuckerrüben sind schlecht – wenn es nicht bald ergiebig regnet. Foto: Philipp Schulze/dpa

Die Trockenheit trifft auch Gemüsebauern wie Sieglinde Schweiger in Hinterberg bei Pettendorf. „Kein Blumenkohl, kein Brokkoli“, sagt sie. Normalerweise kann sie ihre Felder aus einem Weiher bewässern, doch diese Quelle ist inzwischen versiegt. Außerdem habe das heiße, trockene Wetter Pflanzenschädlinge sehr begünstigt, „aber da müssen wir jetzt durch“. Schweiger ist froh, dass sie keine Tiere versorgen muss.

Zu Besuch bei Kartoffelbauer Thomas Scheuerer

Bei Obstbauer Alfons Vilser in Alteglofsheim läuft die Ernte dagegen gut. Sein Obsthof arbeitet seit zehn Jahren nach ökologischen Methoden. Durch die schwache Ernte im Vorjahr hätten sich die Bäume ausruhen können, erklärt er. Deshalb sei der Ertrag in diesem Jahr gut, vor allem bei Obstbauern, die bewässern können. Nur die Frühernte sei schwach ausgefallen.

Die Finanzhilfen für Landwirte

  • Freistaat:

    Die bayerische Landesregierung hat ein Sofortprogramm für Viehzüchter angekündigt. Die Details, die für die einzelnen Landwirte wesentlich sind, stehen aber noch nicht endgültig fest.

  • Bund:

    Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner geht bei der diesjährigen Ernte von einer Schadenssumme für die Landwirte in Höhe von 680 Millionen Euro aus. Davon will der Bund die Hälfte übernehmen.

  • Teilen:

    Ihre Zusage knüpft die Ministerin daran, dass die Bundesländer die andere Hälfte der Hilfen finanzieren.

  • Ernte:

    Bayernweit soll das Ernteminus bei Mais und Getreide bei elf Prozent liegen.

Kreisobmann Mayer fordert für die Landwirte angesichts des Klimawandels eine dauerhafte, finanzierbare Ernteversicherung. Heuer treffe es ja nicht nur Viehzüchter, sondern auch viele Pflanzenanbauer. Bei Kartoffeln und Zuckerrüben werde die Ernte ebenso schlecht ausfallen, wenn es nicht bald dauerhaft regne. Mayer: „Die Einschläge kommen immer näher.“ Er spricht sich deshalb für ein Selbsthilfemodell aus, das Landwirte und Staat gemeinsam finanzieren, ohne dass Versicherungsgesellschaften daran Geld verdienen.

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