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Agrar

Jungbauern auf neuen Wegen

Thomas Pangerl und seine Freundin planen einen Selbsterntegarten. Es ist in der Region das erste Konzept dieser Art.
Von Hans Biederer

Thomas Pangerl und Isabella Wolski möchten neben den Hallen einen Selbsterntegarten verwirklichen. Foto: lbb
Thomas Pangerl und Isabella Wolski möchten neben den Hallen einen Selbsterntegarten verwirklichen. Foto: lbb

Pfatter.Beim Einkauf im Supermarkt haben sich viele Verbraucher daran gewöhnt, dass Lebensmittel aus der ganzen Welt, aber nur sehr selten aus der Nachbarschaft kommen. Immer mehr Menschen wollen aber wissen, wo ihr Essen herkommt und wer es herstellt – oder sie wollen gleich selbst aktiv werden. Und weil Landwirtschaft heute längst mehr ist als Ackerbau und Viehzucht kam dem Junglandwirt Thomas Pangerl aus Pfatter und seiner Freundin Isabella Wolski aus Bad Abbach die innovative Idee, einen Selbsterntegarten östlich von Pfatter anzulegen. Damit wollen sie eine Marktlücke bedienen.

„Saisonaler, regionaler und frischer bekommen die Leute das Obst und Gemüse nicht“

Thomas Pangerl, Landwirt

Der Plan dazu wurde nun in der letzten Bauausschusssitzung in Pfatter behandelt und einstimmig von den Gemeinderäten befürwortet. Auch eine Betriebsleiterwohnung mit Hofvermarktung gehört zum Konzept. „Wir wollen in unserem Selbsterntegarten den Leuten die Möglichkeit bieten, Gemüse und Obst frisch und eigenständig zu ernten. Außerdem bieten wir die Möglichkeit an, die Ware im Hofladen zu kaufen, den wir hier mitbetreiben möchten. Saisonaler, regionaler und frischer bekommen die Leute das Obst und Gemüse nicht“, versichert der 30-jährige Thomas Pangerl.

Auf die Frage, wie das junge Paar auf diese Idee gekommen sei, erklärt Isabella Wolksi: „Wir legen selber großen Wert auf gesunde und frische Ernährung. In unserem Umkreis gibt es dieses Konzept noch nicht.“ Die 28-jährige Notfallsanitäterin des BRK-Kreisverbandes Kelheim findet, dass ein Selbsterntegarten eine Bereicherung sowohl für Pfatter als auch für den ganzen östlichen Landkreis Regensburg und den angrenzenden Bereich von Straubing-Bogen wäre.

Erste Pflanzen bereits angebaut

„Isabella und ich haben uns überlegt, wie es mit unserer Landwirtschaft weitergehen soll. Eines war von vorneherein ganz klar: Wir möchten den Betrieb, auf welche Weise auch immer, gemeinsam weiterführen“, erzählt Pangerl. Nach längeren Überlegungen hat sich das Paar auf das Konzept geeinigt. „Wir stehen beide voll hinter unseren Plänen“, sagen sie.

Überlegt haben sich die beiden auch schon, was alles künftig auf ihren Anbauflächen wachsen soll. Geplant ist, auf einer Fläche von etwa 1000 Quadratmetern 30 Hochstamm- und Mittelstammobstbäume verschiedenster Arten sowie etwa 100 Spindelbüsche mit Beeren zu pflanzen. Zudem sollen Buschbohnen, Gurken, Tomaten, Feldsalat, Kohlrabi, Gelbe Rüben oder auch Porree im Selbsterntegarten wachsen. „Wir werden aber auch auf die Wünsche der künftigen Kunden eingehen“, verspricht Isabella Wolski.

„Vielleicht entsteht ein kleiner Streichelzoo für Kinder“

Isabella Wolski, Landwirtin

Die ersten Pflanzen wachsen bereits. Neben Weinstöcken, Haselnuss- und Holundersträuchern sowie Apfel- und Kirschbäumen wuchert das Geißblatt an einer Hallenwand empor. „Darin halten sich viele Insekten, die wir später zum Bestäuben unserer Obstbäume benötigen“, erklärt Pangerl. Ein Freund des Paares ist Gärtner. Er gab wertvolle Hinweise für das Konzept.

Für den Erfolg ihres Konzepts spricht aus Sicht der Jungunternehmer auch das relativ große Einzugsgebiet und die Nähe zur Bundesstraße. Alles was nicht frisch verkauft werden kann, möchten die beiden auf alternative Weise vermarkten. Obst kann beispielsweise entsaftet oder zu Marmelade und Gelee verarbeitet werden. Weiter schwebt dem Paar vor, Tiere wie Hühner, Gänse oder Schweine zu halten, denen die Überreste auch schmecken werden. „Vielleicht entsteht ein kleiner Streichelzoo für Kinder“, sagt Isabella Wolski.

Betrieb auf Bio-Basis

Kurt Pangerl, Vater von Thomas und selbst Landwirt. Foto: lbb
Kurt Pangerl, Vater von Thomas und selbst Landwirt. Foto: lbb

Sicher ist sich das Paar darin, den Betrieb auf Bio-Basis führen zu wollen. „Wir haben uns schon für das Bildungsprogramm ,Landwirt‘ angemeldet, denn wir sind ja Neueinsteiger“, meint die junge Frau. Einen freut das Engagement der beiden ganz besonders: Thomas Pangerls Vater Kurt. „Es freut mich unheimlich, dass mein Sohn die Landwirtschaft, die ich mir aufgebaut habe, mit so viel Herzblut weiterführen möchte“, betont er. Viel sei auf dem Grundstück, das etwa 150 Meter außerhalb des Ortsrandes liegt, schon geschehen. Vor kurzem habe man eine neue Maschinenhalle errichtet und auch neue Maschinen seien bereits angeschafft worden.

Der Bauausschuss der Gemeinde Pfatter zeigte sich von dem Vorhaben jedenfalls begeistert. Auf dem Gelände soll eine Betriebsleiterwohnung mit Verarbeitungsraum entstehen. Auch ein Folientunnel soll als Gewächshaus errichtet werden. Thomas Pangerl und seine Partnerin hoffen sehr, dass das Landratsamt nun positiv über das Bauvorhaben entscheidet. Dr. Markus Liebl, der Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Pfatter, erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass bei einer Ablehnung durch das Landratsamt die Möglichkeit besteht, dass die Gemeinde über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan beraten könnte.

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