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Agrar

Landwirte fordern Dialog

Beim Bürgermeistergespräch mit den Landwirten erhielt der Wildlebensraum-Wanderweg in Kareth-Rehtal großes Lob.
Von Josef Dummer

Viel mehr solcher Blumenwiesen sollten wieder die Landschaft verschönern und Landwirte und Naturschützer gleichermaßen zufriedenstellen. Foto: Dummer
Viel mehr solcher Blumenwiesen sollten wieder die Landschaft verschönern und Landwirte und Naturschützer gleichermaßen zufriedenstellen. Foto: Dummer

Lappersdorf.Das Bürgerbegehren „Rettet die Bienen“ ist derzeit in aller Munde. So auch beim Bürgermeistergespräch mit den Landwirten des Marktes Lappersdorf. Das Amt des Moderators mit knapp 30 Landwirten im Sitzungssaal des Rathauses übernahm heuer wegen Erkrankung von Bürgermeister Christian Hauner sein Stellvertreter Stefan Königsberger.

Er begrüßte eingangs den Wildlebensraumberater für die Oberpfalz, Balduin Schönberger, sowie den Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Johann Mayer, zu diesem jährlich stattfindenden Treffen mit den örtlichen Landwirten.

Voller Leidenschaft erzählte Schönberger vom „nicht zu erwartenden Erfolg“ des im Jahr 2017 angelegten ersten bayerischen Wildlebensraum-Wanderwegs in Kareth-Rehtal als Pilotprojekt für ganz Bayern. 86 Exkursionen, angefangen von Schulklassen bis zu naturinteressierten Gruppierungen, hat er seit der Eröffnung schon durch den Lehrpfad geführt und den Nutzen und erste Erfolge für die Natur erklärt. So sei erwiesenermaßen der Wildbestand angestiegen in einem vernetzten Lebensraum von 18 Kilometern, der sich bis nach Pettendorf hinzieht, sagte Schönberger auf Anfrage.

Modellprojekt für Bayern

Es würden wieder Rebhühner gesichtet und vermehrt seltene Vogelarten, wie ein das Projekt begleitender Ornithologe bestätigt habe. Damit könne im Bereich des Modellgebiets mit eindeutigen Zahlen gearbeitet werden.

Schönberger war der Meinung, dass neben der Natur auch die Landwirtschaft profitieren könne und sich dieses Modell in fünf Jahren schon als Netzwerk über die gesamte Oberpfalz und später über Bayern ausgebreitet habe. Wichtig sei es bei allen Maßnahmen, stets sensibel vorzugehen und alle Seiten, Natur und Landwirtschaft, zufriedenzustellen.

Und als ebenso wichtig erachtete der Wildlebensraumberater die Einbeziehung der Öffentlichkeit, um auch darstellen zu können, dass „Bauern aktiven Naturschutz betreiben, so wie dies in Lappersdorf praktiziert wird“. Schönberger bedankte sich bei allen Unterstützern der Aktion, insbesondere bei Herbert Engl und seinen Mitstreitern. Landwirt Johannes Mirwald, der die Themenauswahl einer Sendereihe im Bayerischen Fernsehen in jüngster Zeit kritisierte, meinte dazu: „Das sollte sich die Redaktion von ‚Unser Land‘ einmal anschauen“.

Wildlebensraumweg

  • Eröffnung:

    Im Juni 2017 wurde der Wildlebensraum-Wanderweg vom damaligen bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in Kareth-Rehtal eröffnet.

  • Zweck:

    Der rund vier Kilometer lange Wanderweg informiert an acht Stationen auf Tafeln über Wildtiere, deren Lebensräume und über die Zusammenhänge mit der Landwirtschaft. In diesem Gebiet werden auch Projekte umgesetzt.

Kritik übten die anwesenden Landwirte an der zunehmenden Anzahl von Greifvögeln, die sichtbare Schäden am Kleintierbestand anrichten, denen jedoch aus Schutzgründen kein Einhalt geboten werden könnte.

Bauernobmann Mayer freute sich über den Erfolg des Projekts und erinnerte an seine Worte bei der Eröffnung: „Wenn wir es in Lappersdorf schaffen, werden wir es überall schaffen“. Das Projekt in Kareth sei jetzt am Leben, werde aber von vielen Freizeitbürgern oft ignoriert, indem sie beispielsweise Hunde frei laufenlassen. Mit Skepsis erwarte er die Auswirkungen aus dem Bürgerbegehren „Rettet die Bienen“ für die Landwirte, denn es beinhalte aus seiner Sicht gesetzliche Auflagen, „die uns treffen werden“, sagte Mayer.

„Ein Kreuz zu machen und damit zu verlangen, die Landwirtschaft soll jetzt dieses Problem des Bienensterbens anpacken, ist zu einfach gedacht“, kritisierte Mayer. Einzelne, in dem Bürgerbegehren verlangte Forderungen seien für ihn eine „kalte Enteignung von Eigentum der Landwirte“.

Bringt Blühpakt die Lösung?

Zum vom Bauernobmann propagierten Blühpakt meinte Wildlebensraumberater Schönberger, sich nicht nur auf Blühflächen zu versteifen, sondern die allgemein naturnahe Struktur mit Feldrainen, Hecken oder auch Brachflächen ebenso zu beachten.

Die für die Grünen im Marktrat sitzende Christa Wunderer war nicht der Meinung wie Mayer, dass die Landwirte allgemein als „Sündenböcke der Nation“ angesehen werden. Beide kamen schließlich überein, dass die gegensätzlichen Meinungen nur im Dialog aus der Welt geschafft werden könnten. Dem stimmten alle Versammlungsteilnehmer geeint zu.

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