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Landwirtschaft

„Rübe ist zum Aschenputtel geworden“

Die Zuckerrübenanbauer blicken mit Sorgenfalten in die Zukunft. Ein Appell an die Politik soll den Bauern helfen.
Von Peter Luft

Ein Rübenroder lädt Zuckerrüben auf ein Feld. Foto: Armin Weigel/dpa
Ein Rübenroder lädt Zuckerrüben auf ein Feld. Foto: Armin Weigel/dpa

Barbing.„Die Zuckerrübe, einst viele Jahre als die Königin der Feldfrucht bezeichnet, verliert ihren Glanz. Sie ist in unseren Anbaubetrieben zum Aschenputtel geworden“, sagte Diplom-Ingenieur Johannes Wiesbeck vom Hölzlhof bei Wenzenbach. Der Vorsitzende der Verbandsregion Regensburg eröffnete die Winterversammlung des Verbands Bayerischer Zuckerrübenanbauer beim Ring Südbayerischer Zuckerrübenanbauer und der Arge zur Förderung des Zuckerrübenanbaues im Saal der Rathausgaststätte „Zum Barbinger“. Etwa 160 Landwirte und Rübeninspektoren waren gekommen. Sechs Fachredner und Referenten des Verbandes und der Südzucker informierten zum Thema.

Die Rübenanbauer mussten viel Sitzfleisch mitbringen. Denn sie kamen erst nach drei Stunden zu Wort. Dann hielten sie sich aber mit kniffligen Fragen und Unmut nicht zurück. Vor allem der Schließung der Regensburger Zuckerfabrik wird noch immer nachgetrauert.

Die Bilanz zu 2018

  • Durchschnittserträge:

    Dr. Rudolf Apfelbeck, der Geschäftsführer des Verbands der Zuckerrübenanbauer, berichtete trotz Hitze und Trockenheit von Durchschnittserträgen im Jahr 2018.

  • Vorsprung:

    Die Rübe hatte seinen Angaben zufolge einen Wachstumsvorsprung, musste dann aber bis zur Ernte mit nur 50 Prozent der Regenmenge gegenüber Normaljahren auskommen.

  • Pflanzenschutz:

    „Hier gibt es im 2019 für die Anbauer schwierigere Bedingungen und 2020 Änderungen bei der Saatgutbestellung“, sagte der Geschäftsführer.

Wiesbeck zeichnete in seiner Rede ein aktuelles Bild zum Berufsstand Bauer. „Wir Rübenanbauer durchleben gerade eine aufregende Zeit in einem schwierigen gesellschaftlichen Umfeld“, sagte er. Landwirte würden als Umweltschänder, Erzeuger von ungesunden Nahrungsmitteln und Feinstaub, Naturschutz- oder Artenvernichter an den Pranger gestellt. Neuerdings werde unter dem Stichwort „Gesundheitsrisiko Zucker“ ebenfalls den Bauern der schwarze Peter zugeschoben, erklärte Wiesbeck.

Sorgen bereitet den Rübenanbauern aber auch ihr Partner, die Südzucker AG, mit der Ankündigung der Senkung von Anbaumengen und mit gleich zwei Schließungen von Zuckerfabriken. „Wir Bauern haben zum Erhalt der Standorte unseren Beitrag geleistet“, betonte Johannes Wiesbeck. „Die Zukunft der Zuckerrübe darf in Bayern nicht aufs Spiel gesetzt werden“, lautete schließlich ein Appell der Versammlung an die Politik, um die Zerstörung der Zuckerproduktion zu verhindern.

„Die Welt braucht Zucker“, sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende Dr. Helmut Ring. Deshalb könnten die Erzeuger langfristig einer guten Zeit entgegengehen. „Allerdings müssen wir am Zuckermarkt das Schiff wieder in positive Gewässer führen“, sagte Ring. Zur Zeit durchlebe die Branche aber eine Krise, stellte Dr. Rainer Schechter als Vertreter der Südzucker AG fest. Dazu gehören seinen Worten zufolge höhere Kosten bei der Produktion, Einsparungen, Werkschließungen und höhere Umweltauflagen. „Doch wir hatten kein schlechtes Rübenjahr“, erklärte Schechter. Ziel sei es, das Unternehmen auch trotz roter Zahlen zu festigen. „Wir dürfen auch bei unguter Situation den Kopf nicht in den Sand stecken“, betonte der Vertreter der Südzucker AG.

Zu den neuen Ausführungsbestimmungen der Düngeverordnung referierte Dipl. Ingenieur Stefan Steinberger, Geschäftsführer vom Ring Süddeutscher Zuckerrübenanbauer. Aktuelle Hinweise zum Pfanzenschutz und der Rübenmotte als neuer Schädling gab Versuchstechniker Gerald Wagner.

„Der Rübenanbau ist gut organisiert. Das macht uns stark“, erklärte der Rohstoffleiter Bayern, Benjamin Kirchberger von der Südzucker AG Rain am Lech und Plattling. Der Rübenertrag lag seiner Auskunft nach in Summe bei 85 Tonnen pro Hektar und war damit leicht unterdurchschnittlich. „Die neue Nische heißt Biorübenverarbeitung“, stellte er fest.

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