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Natur

BN: Polder kein Allheilmittel

Der Bund Naturschutz bezieht Position. Er fordert einen ganzheitlichen und dezentralen Hochwasserschutz.
von Sarah Sophie Ruppert

Sind für natürlichen Hochwasserschutz: Sepp Paukner, Dr. Christine Margraf, Josef Stadler, Richard Mergner und Georg Kestel (v.l.)Foto: Sarah Sophie Ruppert
Sind für natürlichen Hochwasserschutz: Sepp Paukner, Dr. Christine Margraf, Josef Stadler, Richard Mergner und Georg Kestel (v.l.)Foto: Sarah Sophie Ruppert

Regensburg.Der Hochwasserschutz muss ganzheitlich gedacht werden, fordert der Bund Naturschutz (BN). Er sei mehr als nur eine Summe von technischen Bauwerken, betonten Vertreter des BN am Dienstag in einem Pressegespräch. Für den Landesvorsitzenden des BN, Richard Mergner, ist die jüngst von der Staatsregierung veröffentlichte Studie zum Hochwasserschutz an der Donau zu wenig. „Der Bund Naturschutz fordert einen ganzheitlichen Hochwasserschutz zum Schutz der Menschen an der Donau. Die vom Umweltministerium vorgelegten Untersuchungen sind nicht die Alternativenprüfung, die wir seit Jahren fordern.“

Dieser Meinung sind auch seine Kollegen vom BN, die stellvertretende Landesbeauftragte Dr. Christine Margraf, Donau-Experte Georg Kestel, der Vorsitzende der Ortsgruppe Wörth-Wiesent, Josef Stadler, und der Sprecher der Donau-Naab-Regen-Allianz, Sepp Paukner. Es fehle ihnen vor allem die Betrachtung aller Möglichkeiten.

Der BN kritisiert, dass erneut „nur Einzelmaßnahmen“ in den Bericht einflossen. Die Berechnung nötiger und denkbarer Gesamtkonzepte sei nicht vorhanden. Die fehlenden Studien sollen demnach von unabhängigen Wissenschaftlern erstellt und in einem transparenten Dialogprozess mit Betroffenen und Umweltverbänden diskutiert werden.

2013 traf das Hochwasser Deggendorf extrem. Foto: Wolfram Zummach/dpa
2013 traf das Hochwasser Deggendorf extrem. Foto: Wolfram Zummach/dpa

Nach Ansicht des BN ist es wichtig, in Zusammenhängen zu denken und zu planen. „Hochwasserschutz ist weit mehr als nur technische Maßnahmen der Wasserwirtschaft“, so der Landesvorsitzende Mergner. Lediglich die Bewirtschaftung von Staustufen sowie angenommene Rückhaltebecken gingen in die Studie mit ein.

Einbezug der Landschaft

Dr. Christine Margraf bemängelte die ausbleibende Berücksichtigung der Landschaft. Sie sehe vor allem große Potenziale hinsichtlich landwirtschaftlicher Maßnahmen sowie einer Renaturierung von Mooren, Feuchtgebieten und Flüssen. Hier benötige man dringendst eine Berechnung, wie alle Maßnahmen im Ganzen, aber auch mit einer Deichrückverlegung wirken. Zur ganzheitlichen Betrachtung zählt nach Ansicht des BN auch die Bekämpfung der Ursache und nicht nur des Symptoms, also konkret der Einbezug des Klimaschutzes oder die Rückgewinnung von natürlichen Überflutungsräumen, wie zum Beispiel Flussauen.

Hochwasser

Polder: Der Kampf geht weiter

Nach dem Kabinettsbeschluss herrscht im Landkreis Regensburg Verunsicherung. Bei den Initiativen überwiegt Frust und Ärger.

Natürliche Auen haben die Fähigkeit, dass diese bei ansteigendem Gewässer, zum Beispiel die Donau, langsam „vollaufen“ könnten. Durch ihre vielen Rinnen und Senken, die sich zuerst mit Wasser füllen, aber auch mit ihren höherliegenden Ebenen, ist eine natürliche Flussaue ein Reich für Vielfalt und Erhalt von Flora und Fauna. Sie plädiere dafür, dass man dem Wasser Raum gebe, mit den Auen ist das möglich: Breitwasser anstelle von Hochwasser.

Auch in der Landschaft selbst müsse etwas passieren. Die Fähigkeit des Versickerns und der Wasserrückhaltung müssten demnach verbessert werden. Dies könne zum Beispiel mit dem Erhalt und Rückgewinn von Wiesen, aber auch mit der Aufforstung und dem ökologischen Waldbau geschehen. Auf landwirtschaftlicher Ebene gäbe es ebenso Möglichkeiten, den Boden entsprechend des Hochwasserschutzes zu gestalten. Hier sei es wichtig, einen humusreichen Acker zu bewirtschaften, der eine hohe Regenwurmdichte möglich macht. Solche Handlungen seien nach Ansicht des BN einfach umzusetzen. „Diese Maßnahmen nutzen auch bei Trockenzeiten und bei Starkregen, sie helfen der Artenvielfalt und sichern Bodenfruchtbarkeit, weil sie den Landschaftswasserhaushalt insgesamt verbessern“, meint Markgraf.

Der Schutz muss in die Fläche

Sepp Paukner und Josef Stadler waren an den Dialogen zu den Poldern im Landkreis Regensburg beteiligt. Sie beanstandeten das Vorhaben um die Flutpolder Eltheim und Wörthhof, beide zwischen Wörth und Neutraubling angedacht. Paukner findet es „gut, diese beiden Polder in Regensburg nicht zu bauen“. Unterstützung erhalten sie von ihrem Mitstreiter Georg Kestel. Er sieht es als inakzeptabel, dass anerkannte Schutzmaßnahmen pauschal ausgeschieden oder gar nicht betrachtet, hingegen Polder seit Jahren in allen Kombinationsmöglichkeiten berechnet werden. Kestel insistiert, dass endlich die vielfältigen landschaftsbezogenen flächigen Hochwasserschutz- und Regenrückhaltemöglichkeiten unter die Lupe genommen würden. „Die Politik muss sich auf den Hochwasserschutz in der Fläche konzentrieren“, so Stadler.

Hochwasserschutz

  • Deich:

    Die wasserbauliche Schutzanlage wird an Küsten und Flüssen eingesetzt. Der Deich schützt die unmittelbar dahinterliegenden Wohn- und Baugebiete sowie Felder.

  • Land und Landwirtschaft:

    Wiesen, Moore, aber auch landwirtschaftlich bestellte Felder sind natürliche Hochwasserschutz- und Regenrückhaltemöglichkeiten. Durch beispielsweise ökologische Wald- und Landwirtschaft können die Porenstruktur gefördert und eine lockere Bodenstruktur erhalten bleiben.

  • Polder:

    Ein Polder ist ein künstlicher Hochwasserschutz. Hier wird das Wasser aus dem Fluss in ein Rückhaltebecken geleitet, dass durch einen Damm vom Gewässer getrennt ist. Bei Niedrigstand kann das Wasser zurückgeleitet werden.

  • Auen:

    Hier handelt es sich um natürliche Überschwemmungsräume. Das Wasser tritt bei hohem Stand über das Ufer, kann sich in den Senkungen der Auen langsam ausbreiten und sickern. Bei Niedrigwasser geht der Pegel wieder zurück.

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