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Politik

Flutpolder bedroht Bauernhof

Landwirt Bernhard Raith fürchtet um den Betrieb in Geisling. Der steht mitten im Poldergebiet. Wegziehen will er aber nicht.
von Hans Biederer

Landwirt Bernhard Raith steht zusammen mit seinem Jungvieh an der Stelle, an der der geplante Flutpolder errichtet werden soll. Foto: Biederer
Landwirt Bernhard Raith steht zusammen mit seinem Jungvieh an der Stelle, an der der geplante Flutpolder errichtet werden soll. Foto: Biederer

Geisling.Erst vor wenigen Jahren hat Junglandwirt Bernhard Raith in seine eigene Zukunft investiert. Er erfüllte sich seinen persönlichen Traum und baute auf dem elterlichen Hof in Moosmühle, zwischen Geisling und Pfatter gelegen, einen Freilaufstall mit automatischer Melkmaschine. „Derzeit befinden sich in meinem Stall 65 Milchkühe. Außerdem läuft draußen hinter dem Stall auf der Weide noch die gleiche Anzahl an weiblicher Nachzucht im Alter von sechs bis 24 Monaten herum“, erzählt der 25-jährige Landwirt im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Grundwasser sprudelt im Garten

Raiths Hof liegt mitten im geplanten Poldergebiet Eltheim. „Sollte der Polder wirklich gebaut werden, wird mein Anwesen mit einem Polderdamm praktisch eingekesselt“, so Raith. „Am liebsten wäre es den Planern, wenn wir gar nicht mehr hier wären und der Hof weg wäre. Das wäre für sie die kostengünstigste Lösung. Denn dann bräuchte der Monsterdamm nicht um unseren Hof herum gebaut werden. Außerdem würden sie so zusätzlich eine große Menge an Stauvolumen gewinnen“, ist sich Bernhard Raith sicher. Das alles macht dem jungen Mann mächtig Angst. Denn seine sämtlichen Auslaufflächen rund um den Kuhstall, die derzeit von seinem Jungvieh als Weide genutzt werden, würden wegfallen. Genau dort verläuft nämlich die Polderdammlinie.

Der neu gebaute Freilaufstall, hinter dem in unmittelbarer Nähe (wenige Meter) der Flutpolder geplant ist. Foto: Biederer
Der neu gebaute Freilaufstall, hinter dem in unmittelbarer Nähe (wenige Meter) der Flutpolder geplant ist. Foto: Biederer

„Ich wüsste nicht, wo ich die 60 Jungtiere im Freilandbetrieb unterbringen sollte. Außerdem liegen viele meiner Eigentumsflächen im geplanten Flutpolder“, fragt sich der Landwirt. Eine weitere große Befürchtung hat Bernhard Raith wegen dem Grundwasserproblem. „Wenn das Wasser in der Donau nach einem heftigen oder lang anhaltenden Regen steigt, steigt zwangsläufig auch das Grundwasser. Aufgrund des undichten Donaudammes sprudelt das Grundwasser förmlich in einem Teil unseres Gartens nach oben“, sagt er.

Bernhard Raith befürchtet, dass sich mit dem zusätzlich aufgestauten Wasser im Polder, die Grundwassersituation weiter verschärft. „Es wurde ja früher vor dem Ausbau der Donau auch versprochen, dass es keine negativen Auswirkungen auf das Grundwasser hätte. Das Ergebnis sehen wir ja. Darum glaube ich den sogenannten Fachleuten hier nicht, dass sie dieses Mal das Problem in den Griff bekommen könnten“, zweifelt der Agrarier.

Sehr genau hat Bernhard Raith deshalb die Podiumsdiskussion mit den Spitzenvertretern der Landtagsfraktionen in Barbing vor etwa zwei Wochen verfolgt. Markus Hörner, der Sprecher der Interessensgemeinschaft Flutpolder, leitete die Veranstaltung. „So, wie es in der Diskussion zum Tragen kam, sehe auch ich das Ganze. Zwei Faktoren müssen hier den Ausschlag geben. An oberster Stelle muss stehen, dass für unsere Region mit dem möglichen Bau der beiden Polder südlich und nördlich der Donau, keine Nachteile entstehen dürfen. Und hier habe ich, wie bereits erwähnt, meine starken Bedenken“, betont der Landwirt. Als weiterer Faktor, der gegen die Errichtung der Flutpolder herangeführt werden muss, ist die Kosten-Nutzen-Frage.

„Ein Großteil meiner Futterflächen liegt im Poldergebiet.“

Landwirt Bernhard Raith

„Für die Unterlieger der Donau in Deggendorf oder Passau bringen unsere Polder hier überhaupt nichts. Dies ist ja erwiesen. Das Problem ist, dass in manchen Gegenden neben der Donau in hochwassergefährdenden Bereichen gebaut werden darf“, bemängelt er. Raith hofft, dass wirklich gründlich gearbeitet wird. Denn eines ist für ihn sicher: Der Flächenverbrauch wäre bei dem Monsterbau enorm. „Dies würde dazu führen, dass die Preise weiter ansteigen und landwirtschaftlich nutzbare Flächen nicht mehr bezahlbar sind. Ein Großteil meiner Futterflächen liegt im Poldergebiet.

Angst vor Verschmutzung

Wenn der Polder geflutet wird, sind die Böden nach dem Abfluss des Wassers mit Öl und Schmutz belastet. Es heißt zwar, dass wir dann eine Entschädigung bekommen. Aber damit kann ich meine Tiere nicht füttern. Ob und woher ich dann Ersatzfutter bekomme, steht in den Sternen. Wenn, dann muss das Futter von weither gekarrt werden. Ob dann die Qualität stimmt, ist sowieso fraglich“, befürchtet er.

Schließlich teilt er noch mit vielen Landwirten die Befürchtung, dass mit dem Ablassen des Wassers in den gefluteten Poldern auch gute Ackererde abgeschwemmt werde. „Sollte dieser Fall eintreten, wären die Flächen für den Anbau von Feldfrüchten wie etwa Mais, den wir als Futtermittel für unsere Kühe dringend brauchen, nicht mehr geeignet“, ist er überzeugt.

„Es gibt offensichtlich auch Gedankenspiele, dass Betriebe, die den Polderbau stören, einfach aus- oder umgesiedelt werden sollen.“

Landwirt Bernhard Raith

Ein weiteres, für ihn undenkbares, Szenario erläutert der 25-Jährige: „Es gibt offensichtlich auch Gedankenspiele, dass Betriebe, die den Polderbau stören, einfach aus- oder umgesiedelt werden sollen. Erstens wäre es die Frage, wo man dann hinkommt und zweitens wird keiner der Landwirte so einfach seinen Grund dafür zur Verfügung stellen. Hinzu kommt ja noch, dass wir Flächen dazu pachten müssen, um unsere Tiere versorgen zu können“, erklärt Bernhard Raith. „Außerdem ist das hier meine Heimat. Hier bringt mich so schnell keiner weg“, bekräftigt er mit entschlossener Miene.

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Eingekesselt

  • Der Raith-Hof:

    „Mein Hof liegt mitten im geplanten Poldergebiet Eltheim. Sollte der Polder wirklich gebaut werden, wird mein Anwesen mit einem Polderdamm praktisch eingekesselt“, so Bernhard Raith.

  • Damm:

    „Im Extremfall errichten sie den Damm einen Steinwurf vom Stall entfernt. Da wir uns an der tiefsten Stelle befinden, liegt die Dammhöhe bei neun Metern.“

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