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Hochwasserschutz

Polder-Aus: Es bleiben Zweifel

Die Gegner jubeln. Einige halten eine Wiederbelebung der Planungen in Regensburg aber nicht für völlig ausgeschlossen.
Vom Johann Biederer und Christof Seidl

In Geisling hat Markus Hörner, Sprecher der IG Flutpolder, gestern Abend ein Modell, das die enormen Dimensionen der geplanten Polderdämme zeigt, als Zeichen für das Ende der Planungen umgesägt. Foto: Biederer
In Geisling hat Markus Hörner, Sprecher der IG Flutpolder, gestern Abend ein Modell, das die enormen Dimensionen der geplanten Polderdämme zeigt, als Zeichen für das Ende der Planungen umgesägt. Foto: Biederer

Barbing.Junglandwirt Bernhard Raith ist sehr erleichtert. „Als ich die Information heute in der Mittelbayerischen Zeitung gelesen habe, dass die Flutpolder gestorben sind, habe ich innerlich einen freudigen Jubelschrei ausgestoßen. Für mich als Landwirt, der auf die Felder und Wiesen in unmittelbaren Umkreis meines Hofs dringend angewiesen bin, wäre es eine Katastrophe gewesen, wenn direkt hinter meinem Anwesen der Damm für den Flutpolder errichtet worden wäre“, erzählte er im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Unsere Grafik zeigt die Dimensionen der Flutpolder, die nun nicht mehr gebaut werden sollen:

Wie am Montag berichtet, haben CSU und Freie Wähler (FW) im Landtag in ihrer Koalitionsvereinbarung festgelegt, dass die beiden riesigen Flutbecken im südöstlichen Landkreis Regensburg nicht mehr weitergeplant werden.

Der Geislinger Landwirt erinnert sich gut, wie er vor wenigen Monaten Besuch von FW-Landesvorsitzendem Hubert Aiwanger und von dem neuen FW-Landtagsabgordneten Tobias Gotthardt erhalten hatte. Beide versprachen ihm, dass sie sich für ein Ende der Polderplanungen einsetzen werden. „Und sie haben Wort gehalten.“

Die Angst bleibt

Raith traut der Sache allerdings nicht so ganz: „Die Pläne verschwinden zwar jetzt in den Schubläden der Behörden. Aber ich habe Angst, dass nach einer möglichen erneuten Flutkatastrophe an der Donau die Diskussionen wieder von vorne losgehen könnten“, befürchtet er. Vorerst blicke er aber optimistisch in die Zukunft und setze weiter auf die Modernisierung seiner Hofstelle.

Landwirt Bernhard Raith ist froh, dass seine Felder und Wiesen bei Geisling nicht mehr vom Polderbau bedroht sind. Foto: Johann Biederer
Landwirt Bernhard Raith ist froh, dass seine Felder und Wiesen bei Geisling nicht mehr vom Polderbau bedroht sind. Foto: Johann Biederer

So wie Raith denken viele, auch aufseiten der Kommunalpolitiker. Barbings Bürgermeister Hans Thiel begrüßt zwar ebenfalls das „Aus“ für die Flutbecken, ihm wäre aber eine Entscheidung auf Basis des Grundwasser-Gutachtens, das noch dieses Jahr vorliegen sollte, lieber gewesen. Thiel ist überzeugt, dass dieses Gutachten gezeigt hätte, das die riesigen Flutbecken den Grundwasserspiegel negativ beeinflussen würden. Damit wären Flutpolder im südöstliche Landkreis dauerhaft vom Tisch gewesen.

Franz Heitzer, Ex-Ortsvorsitzender der CSU Illkofen/Eltheim, sagt: „Ich hätte mich lieber ins Gefängnis einsperren lassen, als dass die Polder direkt vor meine Haustüre gebaut worden wären. Ich bin froh, dass diese Dinger jetzt nicht kommen. Ich bin dafür, dass man extreme Hochwasser für unseren Bereich mit der Staustufe in Geisling regelt.“ Foto: Tino Lex
Franz Heitzer, Ex-Ortsvorsitzender der CSU Illkofen/Eltheim, sagt: „Ich hätte mich lieber ins Gefängnis einsperren lassen, als dass die Polder direkt vor meine Haustüre gebaut worden wären. Ich bin froh, dass diese Dinger jetzt nicht kommen. Ich bin dafür, dass man extreme Hochwasser für unseren Bereich mit der Staustufe in Geisling regelt.“ Foto: Tino Lex

Eine rein politische Entscheidung berge dagegen Risiken, weil sie umkehrbar sei. Der Barbinger Bürgermeister spricht sich dafür aus, dass die Interessengemeinschaft gegen Flutpolder (IG), die in den vergangenen Jahren auf vielen Ebenen Argumente gegen die riesigen Flutbecken gesammelt hat, bestehen bleibt – „praktisch in Lauerstellung.“

Stierstorfer ist überglücklich

Manfred Lichtl, Sprecher der IG Grundwasser in Pfatter, sagt: „Ich war sehr froh, „als ich diese Meldung heute gelesen habe“. Lichtl hat aber Zweifel, ob die Polderpläne für ewig vom Tisch sind. Als Herausforderung sieht er noch das Grundwasserproblem im Raum Pfatter an. „Aber mit dem neuen Umweltminister könnten auch hier Fortschritte erzielt werden.“ Foto: Gabriele Thomann
Manfred Lichtl, Sprecher der IG Grundwasser in Pfatter, sagt: „Ich war sehr froh, „als ich diese Meldung heute gelesen habe“. Lichtl hat aber Zweifel, ob die Polderpläne für ewig vom Tisch sind. Als Herausforderung sieht er noch das Grundwasserproblem im Raum Pfatter an. „Aber mit dem neuen Umweltminister könnten auch hier Fortschritte erzielt werden.“ Foto: Gabriele Thomann

Die CSU-Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer aus Pfatter sagte im MZ-Gespräch, sie sei überglücklich über das Ende der Flutpolderpläne. Seit mehr als zehn Jahren habe sie mit dem CSU-Kreisverband, der IG Polder und den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden gegen die Polder gekämpft. „Ich bin froh, dass wir mit unseren Argumenten so gut durchgedrungen sind.“ Stierstorfer ist überzeugt, dass die Polderdebatte damit endgültig beigelegt ist. Beide Koalitionspartner hätten den Vertrag inklusive der Poldervereinbarung einstimmig beschlossen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe schon bei seinem Besuch vor Ort erkennen lassen, dass er für die Argumente der Polder-Gegner ein offenes Ohr hat.

Thomas Gerl, CSU- und IG-Polder-Mitglied, findet: „Die CSU-Führung in München hätte uns früher über die Pläne, dass die Polder nicht kommen, informieren müssen – vor der Wahl. Dass jetzt der Erfolg den Freien Wählern zugesprochen wird, halte ich nicht für richtig. Denn wir von der Basis kämpfen seit zwölf Jahren dagegen an und die FW sind auf den Zug aufgesprungen.“ Foto: Tino Lex
Thomas Gerl, CSU- und IG-Polder-Mitglied, findet: „Die CSU-Führung in München hätte uns früher über die Pläne, dass die Polder nicht kommen, informieren müssen – vor der Wahl. Dass jetzt der Erfolg den Freien Wählern zugesprochen wird, halte ich nicht für richtig. Denn wir von der Basis kämpfen seit zwölf Jahren dagegen an und die FW sind auf den Zug aufgesprungen.“ Foto: Tino Lex

Ihr Parteifreund, der Pfatterer Bürgermeister Jürgen Koch, teilt die Freude über die Absage an die Flutpolder. Auch er hält die Entscheidung auf landespolitischer Ebene für endgültig. Koch geht zugleich davon aus, dass das Grundwasser-Gutachten noch abgeschlossen wird.

Einig sind sich die drei Kommunalpolitiker darüber, dass die Bürger vor Ort und vor allem die Mitglieder der IG Flutpolder großen Anteil am „Aus“ für die beiden riesigen Flutbecken haben. Sie hätten über Jahre hinweg sehr viel Zeit und Engagement in ihren Widerstand investiert.

Sehen Sie hier ein Video von Söders Besuch im Landkreis Regensburg:

Söder trifft in Barbing auf Polder-Gegner

Viele Bürger verfolgten bei einer Podiumsdiskussion gespannt die Polder-Debatte:

Voller Saal bei Flutpolder-Debatte in Barbing

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