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Hochwasserschutz

Polder: Söder erneuert Seehofers Zusage

Der künftige Ministerpräsident macht den Barbinger Demonstranten Hoffnung. Er verspricht, Alternativen prüfen zu lassen.
Von Bettina Mehltretter

Die Gegner des Polder-Projekts im östlichen Landkreis Regensburg empfingen Markus Söder zunächst mit Pfiffen, dann mit „El Marco, El Marco“-Rufen (in Anlehnung an das Nockherberg-Singspiel am Vorabend). Söder war gut gelaunt. Foto: Bettina Mehltretter
Die Gegner des Polder-Projekts im östlichen Landkreis Regensburg empfingen Markus Söder zunächst mit Pfiffen, dann mit „El Marco, El Marco“-Rufen (in Anlehnung an das Nockherberg-Singspiel am Vorabend). Söder war gut gelaunt. Foto: Bettina Mehltretter

Barbing.Markus Söder schallten Pfiffe und Buh-Rufe entgegen, als er am Donnerstag vor dem Barbinger Rathaus aus seiner Limousine stieg. Rund 250 Flutpolder-Gegner – so die offizielle Schätzung der Polizei – hatten sich positioniert. Auf ihren Transparenten und Plakaten standen Sätze wie „Stoppt den Polder-Wahn! Wir ersaufen im Grundwasser“. Doch Markus Hörner, der Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Flutpolder, lenkte Söders Blick zuerst nach oben, an die Rathaus-Fassade: Dort hatten Polder-Gegner die Neun-Meter-Marke, die geplante Höhe der Dämme bei Eltheim und Wörthhof, mit Trassierband gekennzeichnet. Söder sagte prompt: „Das ist aber schon hoch.“

Für den amtierenden Finanz- und Heimatminister hätte es eigentlich ein rundum gemütlicher Donnerstagvormittag in Barbing werden sollen. Kreisbäuerin Rita Blümel hatte ihn eingeladen, beim Landfrauentag über sein Wohlfühlthema Heimat zu referieren. Doch Barbings Bürgermeister Johann Thiel und CSU-Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer hatten Söder gebeten, kurzfristig doch eine Stunde eher anzureisen.

Sehen Sie hier ein Video vom Söder-Besuch in Barbing:

Söder trifft in Barbing auf Polder-Gegner

Auf Pfiffe folgen Bravo-Rufe

Vor den Demonstranten betonte Markus Hörner, dass die Polder-Gegner befürchten, dass die Staatsregierung keine Bestrebungen unternimmt, den Sinn und Zweck der Polder zu untersuchen. Er selbst habe das Gefühl, dass die Planungen derzeit mit großer Wucht vorangetrieben werden und dann als alternativlos gesehen werden. Doch Söder bekräftigte, dass die Zusage, die sein Vorgänger Horst Seehofer einst den Donauanliegern im östlichen Landkreis gemacht hatte, auch unter seiner Herrschaft Bestand haben werde: Vor einer Entscheidung für den Polder-Bau würden alle Aspekte intensiv und ergebnisoffen geprüft. Söder betonte, dass auch Alternativen genau unter die Lupe genommen werden müssten. „Ich möchte, dass wir das vernünftig machen“, sagte er. Den Menschen in Barbing gab er ein Versprechen ab: „Sie werden gehört und wir werden das gemeinschaftlich entscheiden – auf Augenhöhe und nicht hintenrum oder über den Verwaltungsbescheid.“ Söder erklärte weiter, dass für ihn der Schutz des Eigentums sowie der Respekt vor der Bevölkerung „ein ganz wichtiges Thema“ sei. Dafür erntete er Applaus und „Bravo“-Rufe.

Dann huschte er mit Vertretern der Interessensgemeinschaft Flutpolder und des Bauernverbands, mit Stierstorfer, Landrätin Tanja Schweiger sowie mit den Bürgermeistern aus Barbing, Donaustauf, Neutraubling, Mintraching, Pfatter, Wörth und Wiesent in den ersten Stock des Rathauses. Dort tagten sie im Sitzungssaal hinter verschlossenen Türen. Wortführer waren die Vertreter der Interessensgemeinschaft sowie Barbings Bürgermeister Johann Thiel.

Mehr Bilder von der Demonstration finden Sie in unserer Bilderstrecke:

Poldergegner treffen auf Markus Söder

Protest im Internet

Währenddessen unterschrieben vor dem Rathaus und beim Landfrauen-Tag Polder-Gegner die Petition „Stoppt die Zerstörung unserer Heimat durch Flutpolder“, die auf openpetition.de gestarten worden war und dort inzwischen mehr als 11 400 Unterstützer gefunden hat. Rund 300 weitere Stimmen aus Barbing kommen nun hinzu, wie der Eltheimer Josef Gerl erklärte.

„Das sind schon alles gute Argumente.“

Markus Söder nach dem Gespräch im Barbinger Rathaus

Nach dem Gespräch im Rathaus sagte Söder unserer Zeitung: „Die Dimension der Probleme, die Größe der Polder zu sehen, auch die Auswirkungen auf das Umland – das sind schon alles gute Argumente. Da muss man auch Gegenargumente finden, wenn man das widerlegen will.“ Landrätin Schweiger war froh, dass er Seehofers Versprechen erneuert hat. Auch Markus Hörner hatte nicht mehr das Gefühl, den Polder-Gutachtern völlig ausgeliefert zu sein. Denn Söder habe zugesagt, dass am Ende eine politische Entscheidung gefällt werde. Dabei solle es nicht nur um Technik gehen, sondern auch um die Menschen vor Ort.

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