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Umwelt

Poldergegner hoffen auf Ende der Planung

Das Modell von Professor Andreas Malcherek zeigt: Der Grundwasserstand im Kreis Regensburg hat sich in Donaunähe erhöht.

Sehen ein Ende der Flutpolder in Sicht: Landrätin Tanja Schweiger, Professor Andreas Malcherek und Wörths 2. Bürgermeister Josef Schütz. Foto: Hans Biederer
Sehen ein Ende der Flutpolder in Sicht: Landrätin Tanja Schweiger, Professor Andreas Malcherek und Wörths 2. Bürgermeister Josef Schütz. Foto: Hans Biederer

Wörth.Seit vier Jahren plant der Freistaat Bayern die gesteuerten Flutpolder Eltheim und Wörthhof mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 47,6 Millionen Kubikmesser Wasser. Anwohner, das Landratsamt sowie die Interessensgemeinschaft (IG) Polder gehen seit dieser Zeit massiv gegen die Planungen vor. Ein Grundwassermodell sollte deren Einwände gegen den Bau belegen.

Nun konnte Professor Dr.-Ing. Andreas Malcherek in der Aula der Mittelschule in Wörth das Ergebnis seiner Untersuchungen präsentieren. Die wichtigste Kernaussage: Das Grundwassermodell bestätigt die bereits vorhergesagten und von den alteingesessenen Bewohnern entlang der Donau festgestellten Tatsachen. Der Grundwasserstand hat sich in Donaunähe überall erhöht. „Das Grundwassermodell ist ambitioniert, komplex und gut durchdacht. Es muss jedoch im Einvernehmen mit den tangierten Behörden nachkalibriert werden“, fügte Professor Malcherek an.

„Dichtung wurde überschätzt“

Poldergegner simulieren zurzeit mit einem Holzgerüst die Ausmaße des geplanten Polderbaus. Foto: Hans Biederer
Poldergegner simulieren zurzeit mit einem Holzgerüst die Ausmaße des geplanten Polderbaus. Foto: Hans Biederer

Das Modell zeigte auch die Durchlässigkeiten des Bodens auf. Diese hängt ganz stark von der Porosität, also von der Bodenbeschaffenheit ab. Anhand einer Differenzgrafik der Grundwasserstände zwischen der Computerberechnung und der Realität im Bereich Frengkofen weist diese eine enorme Abweichung von 3,2 Metern auf. „Dieses Leck wurde in irgendeiner Weise im Modell nicht richtig berücksichtigt. Auch im weiteren Verlauf direkt an der Donau sind die Modellprognosen des Grundwasserstands immer zu tief angesetzt. Dies bedeutet, dass die Schmalwanddichtung der Donau durch die Fachbehörden überschätzt wurde“, stellt Professor Malcherek fest. Betroffen sind vor allem die Bereiche Auburg, Frengkofen sowie die Staustufe Geisling. „Die Grundwasserpegelstände stiegen, beginnend mit der Inbetriebnahme der Staustufe Geisling, deutlich an und blieben konstant hoch.“

„Dieses Leck wurde in irgendeiner Weise im Modell nicht richtig berücksichtigt.“

Professor Dr.-Ing. Andreas Malcherek

Die Messwerte aus dem Jahr 1845 dürfen nach Überzeugung des Professors nicht in die heutige Statistik mit einbezogen werden. „Dieser Wert liegt mit 4000 Kubikmetern pro Sekunde Wasserdurchfluss viel zu hoch.“ Daraus ergebe sich, dass der amtlich festgestellte HQ100 mit 3400 Kubikmetern zu hoch angesetzt wurde. Dieser hohe Wert fordere ein mehr an Sicherheit und einen überdimensionierter Hochwasserschutz. „Durch eine Berichtigung könnten einige der vielen Polder entfallen“, argumentiert der Experte. Die zunehmende Flächenversiegelung bewirke eine Zunahme des Hochwasserabflusses. Dies bedeute im Umkehrschluss: Flächenschutz ist gleichzeitig Hochwasserschutz.

Kontraproduktiv sieht der Fachmann den Donauausbau zwischen Straubing und Vilshofen. Durch die geplanten 67 neuen Buhnen und acht neuen Parallelbauwerke im Fluss erhöht sich der Wasserspiegel um 20 Zentimeter. „Dies alles nur, um die Schifffahrt bei Regelniedrigwasser zu verbessern. Wenn ich 20 Zentimeter im Niedrigwasser erwirke, erhöhe ich auch 20 bis 25 Zentimeter im Hochwasser.“

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Vorsichtig optimistisch

Das heißt: Durch den Donauausbau in Niederbayern, wird die Hochwassersituation verstärkt. Die Planungen des Donauausbaus müssen für die Bevölkerung transparent gemacht werden. Der Donauausbau in Niederbayern und der Hochwasserschutz im Landkreis Regensburg hängen eng zusammen, sagt Malcharek.

Durch das Grundwassermodell soll jedoch nicht nur der Polderbau verhindert werden. Professor Malcherek sieht hier auch die Chance, mit einer optimierten Binnenentwässerung die extreme Grundwassersituation im östlichen Landkreis zu verbessern. All diese neuen Informationen machten die Zuhörer in der Aula der Mittelschule in Wörth erstmals vorsichtig optimistisch, dass die Polderplanungen eingestellt werden könnten. „Eine Erkenntnis sollte jedoch ganz eindeutig noch vor den Landtagswahlen kommen“, waren sich die Anwesenden bei der Veranstaltung in Wörth einig.

Das sagen Betroffene:

Magda Aumer, Griesau Foto: Hans Biederer
Magda Aumer, Griesau Foto: Hans Biederer

Magda Aumer, Griesau: „Endlich wurde zugegeben, dass durch den Donauausbau im östlichen Landkreis Missstände entstanden sind. Das haben wir schon seit Jahrzehnten feststellen können. Ich hoffe nun auf ein Einlenken der Staatsregierung.“

Albert Robold, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossen im Landkreis Foto: Hans Biederer
Albert Robold, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossen im Landkreis Foto: Hans Biederer

Albert Robold: Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossen im Landkreis sagt: „Ich vermute und hoffe, dass das Projekt am Finanziellen scheitern wird, zumal der Hochwasserschutz nicht das bringt, was sich die Fachleute erhofften.“

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