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Natur

Projekt „boden:ständig“ erhält Preis

Schierling und Pfakofen stiegen früh in das Hochwasserschutz-Projekt ein. Davon profitieren die Bürger und die Natur.
Von Fritz Wallner

Über das Programm „boden:ständig“ wurde in Schierling der Retentionsraum am Allersdorfer Bach südlich des Ortes Schierling entscheidend verbessert und gleichzeitig ein neuer Erlebnisraum geschaffen Foto: Fritz Wallner
Über das Programm „boden:ständig“ wurde in Schierling der Retentionsraum am Allersdorfer Bach südlich des Ortes Schierling entscheidend verbessert und gleichzeitig ein neuer Erlebnisraum geschaffen Foto: Fritz Wallner

Schierling.Den Markt Schierling und die Gemeinde Pfakofen durchfließen die Große Laber, sowie verschiedene kleinere Gewässer, Bäche und Gräben. Die Bürgermeister Christian Kiendl und Reinhold Winter, sowie Bürger haben nicht nur einmal erlebt, dass daraus bei den immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen reißende Flüsse werden können. Seit Jahren ergreifen sie interkommunal wirksame Gegenmaßnahmen und wurden dafür jetzt von der Bayerischen Staatsregierung mit dem „boden:ständig-Preis 2019“ ausgezeichnet.

Das Schierling-Pfakofen-Projekt war das erste im Landkreis Regensburg und eines der Pilotprojekte in Bayern. Beide Bürgermeister hätten auf Anhieb das Potenzial der Initiative erkannt und mit voller Überzeugung und Tatkraft zum Gelingen beigetragen, hieß es beim Festakt in München. In der Laudatio betonte die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber: „Die Bürgermeister sind die Motoren des Projekts, die im ständigen Dialog mit Eigentümern, Bewirtschaftern, Verwaltungen und Verbänden vielfältige Maßnahmen entwickelt haben, um die Probleme bei Starkregen in Griff zu bekommen.“

Bei fast jeder Planung ein Thema

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und die Bürgermeister Christian Kiendl (Schierling, rechts) und Reinhold Winter (Pfakofen) mit dem „boden:ständig-Preis 2019“ Foto: Seyfarth/StMELF
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und die Bürgermeister Christian Kiendl (Schierling, rechts) und Reinhold Winter (Pfakofen) mit dem „boden:ständig-Preis 2019“ Foto: Seyfarth/StMELF

Bürgermeister Christian Kiendl stellte in seinem Grußwort heraus, dass den beiden Gemeinden sehr bewusst sei, wie wichtig und notwendig eine ebenso qualitätsvolle wie konsequente Wasserwirtschaft ist, und welche Verantwortung sie dabei hätten. „Wir kommen bei der Planung sehr vieler unserer öffentlichen Vorhaben mit einem Gewässer in Berührung. Und wenn nicht direkt, dann jedenfalls spätestens bei der Überlegung, wohin das Niederschlagswasser abgeleitet werden kann und soll“, erklärte der Schierlinger Bürgermeister.

Es sei ein Gebot der Stunde, bei jeder Maßnahme vorbeugend deren Auswirkungen zu bedenken und entsprechend danach zu handeln. Gleichzeitig werde versucht, zu gestalten – auch im Sinne von Reparatur –, wo es nur möglich sei. „Wir bieten den Gewässern mehr Raum, wir verlangsamen sie, und wir gestalten sie zu einem Lebensraum für die Bürger, für die Insekten und für die Fische um“, fuhr er fort.

„Wir sind bodenständig, wir schätzen und schützen die Natur!“

Christian Kiendl, Bürgermeister

Die fachliche und finanzielle Unterstützung des Freistaats Bayern durch das Programm „boden:ständig“ komme da gerade recht. „Denn wir sind als Gemeinde bodenständig, wir schätzen und schützen die Natur“, betonte Kiendl in seiner Schlussbemerkung. Sein Pfakofener Kollege Reinhold Winter bekräftigte: „Eine Überschwemmung ist immer für alle Betroffenen eine große Belastung, da waren wir natürlich sehr froh, als das Projekt boden:ständig auch für uns greifbar wurde.“

Boden:ständig ist eine Initiative des Landwirtschaftsministeriums mit den Ämtern für Ländliche Entwicklung in Bayern. Externe Fachleute, regionale Berater und die Menschen vor Ort erarbeiten gemeinsam Projekte, um Erosionen zu vermeiden, die Bodenqualität zu verbessern und ungewollte Einträge in das Trinkwasser zu verhindern. Das Ziel heißt dabei, gemeinsam das Beste für die jeweilige Region zu erreichen.

Hohe Staumauer verhindert

Betreut wird das Schierling-Pfakofen-Projekt seit 2015 vom Landschaftspflegeverband (LPV) Regensburg. Es war das erste im Landkreis Regensburg und bayernweit eines der ersten Pilotprojekte. In Pfakofen konnte durch die Kombination mit kleinen Maßnahmen am Oberlauf des Einhauser Grabens eine hohe Staumauer verhindert werden.

Die Auszeichnung

  • Das Projekt:

    Bauliche Lösungen als Schutz vor Hochwasser hat mit „boden:ständig“ Zuwachs bekommen. Das Projekt trägt dem Umstand Rechnung, dass jede Maßnahme einer Fachstelle oder Behörde in der Landschaft wieder Auswirkungen auf eine andere hat. Vor Hochwässern schütze daher nur unbürokratisches Miteinander von Bürgermeistern und Landwirten, Fachplanern und Behörden, ist Thomas Gollwitzer, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) der Oberpfalz, überzeugt.

  • Der Preis:

    Der Preis ist mit 1000 Euro für jede der zehn ausgezeichneten bayerischen Gemeinden verbunden. Die größte Maßnahme Schierlings wurde am Allersdorfer Bach realisiert. Auf rund 1,6 Hektar entstand eine „Natur-Erlebnisfläche“ mit Verlängerung des Bachlaufs sowie Verringerung der Fließgeschwindigkeit. Die Kosten dafür betrugen 120 000 Euro und wurden vom Kommunalunternehmen Markt Schierling als Ausgleichsmaßnahme für ein Wohngebiet finanziert. (jn)

Durch das Auflassen überflüssiger Wege und durch das Überprüfen der Grenzverläufe akquirierte Bürgermeister Winter ausreichende Flächen zur Realisierung einer Bachrenaturierung mit abflussverzögernder Wirkung. Besonders ist auch, dass ein Teil der Realisierung der Wasserrückhaltung als Ausgleichsmaßnahme für den Kreisbauhof fungiert und deshalb vom Landkreis finanziert wird.

Beim Markt Schierling ging es für Bürgermeister Kiendl auch um den Ankauf von Grundstücken, um den Bächen mehr Fläche zu geben, und insbesondere den Rückhalteraum entscheidend zu vergrößern.

In Birnbach hat Kiendl aktuell mit Grundstückseigentümern weitere Regenrückhaltungen für den Allersdorfer Bach vereinbart. Wenn das realisiert ist, komme das „fast einer Trockenlegung von Birnbach“ gleich, sagte er. In Allersdorf sei es wichtig, Regenrückhalteflächen direkt am Gewässer zu bekommen.

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