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Wechsel

Roither Berg: Profis steigen ein

Nach Problemen verkauft Energieversorger EVW sein Stromnetz ans Bayernwerk. Den Bauherren sollen keine Kosten entstehen.
Von Michael Jaumann

Dunkle Wolken brauten sich schon bald über der Wärme- und Stromversorgung des Neubaugebiets Roither Berg in Wenzenbach zusammen. Rechtliche Unsicherheiten bei der Stromversorgung hat jetzt der Verkauf des Leitungsnetzes beseitigt. Foto: Jaumann
Dunkle Wolken brauten sich schon bald über der Wärme- und Stromversorgung des Neubaugebiets Roither Berg in Wenzenbach zusammen. Rechtliche Unsicherheiten bei der Stromversorgung hat jetzt der Verkauf des Leitungsnetzes beseitigt. Foto: Jaumann

Wenzenbach.Das Leitungsnetz für Stromversorgung im Hauptort Wenzenbach und deren Straßenbeleuchtung ist künftig komplett in der Hand des Unternehmens „Bayernwerk Netz“, einer Tochter der Bayernwerk AG. Bereits zum 1. Juli hat Bayernwerk vom Unternehmen „EVW Nahstromwerk I“, einer Tochter von „Energieversorgung Wenzenbach“ (EVW) die Beleuchtung der Straßen im Neubaugebiet „Roither Berg“ übernommen.

Mit Wirkung zum 1. August gibt EVW auch das Stromnetz an das Bayernwerk ab. Der Kauf betrifft nur das Leitungsnetz, durch das der Strom fließt. Den Stromanbieter dürfen die Kunden ja frei wählen. Für die Haushalte am Roither Berg ändert sich praktisch nichts, erklärt Karl Krapf, Leiter Kommunalmanagement beim Bayernwerk. Lediglich die Stromzähler müssten in den Haushalten ausgetauscht werden.

Unsicherheiten beseitigt

Bürgermeister Sebastian Koch zeigte sich zufrieden, dass es gelungen sei, den lokalen Betreiber EVW zu überzeugen, das Stromnetz abzugeben. Damit wären rechtliche Unsicherheiten beseitigt. Mit dem Bayernwerk sei ein professionelles regionales Unternehmen gefunden worden, das seit Jahren das Netz im Ort Wenzenbach betreibt. „Der Bürgermeister war ständig hinter uns her“, sagte Krapf schmunzelnd zu den Gesprächen, die in den vergangenen Monaten hinter den Kulissen liefen.

Zufriedenheit herrscht nach der Übernahme des Stromnetzes bei Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch (2. von links) und den Vertretern von Bayernwerk und EVW. Foto: Jaumann
Zufriedenheit herrscht nach der Übernahme des Stromnetzes bei Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch (2. von links) und den Vertretern von Bayernwerk und EVW. Foto: Jaumann

Das Konzept einer lokalen Versorgung mit Wärme und Strom, wie sie das Blockheizkraftwerk der EVW anbietet, hielt Koch bei einem Pressetermin anlässlich der Netzübergabe weiterhin für nachhaltig und intelligent und damit „richtig gut“. Das habe auch das Bayerische Wirtschaftsministerium so gesehen, das dem Leuchtturmprojekt mit seiner Kraft-Wärme-Kopplung einen Preis zuerkannte. Allerdings steckte der Teufel im Detail. Wie EVW-Prokurist Tobias Baierl bestätigte, habe es im Winter 2016/17 Probleme mit der Stromversorgung und der Wärmeversorgung im Baugebiet gegeben. Die Stromversorgung sei seit der Installation eines Mittelspannungstransformators im Januar vergangenen Jahres gewährleistet. Probleme in der Wärmeversorgung des Gebiets, dessen 116 Parzellen ungefähr zur Hälfte bebaut sind, wurden und werden aktuell mit Hilfe eines externen Gutachters behoben, versichert Baierl.

Die Gemeinde, die den lokalen Energieversorger wohl für organisatorisch und rechtlich überfordert hielt, hatte sich bereits im vergangenen Jahr bemüht, starke Partner zu vermitteln. Von 1. Januar bis 31. August 2017 hatte die „Rewag Netz“ das Stromnetz gepachtet. Seither betrieb EVW das Netz wieder selbst. Hinter dieser Konstruktion standen aber große rechtliche Fragezeichen. Nicht geklärt war, wie das Stromnetz einzuordnen ist. Ob es sich bei einer Anlage dieser Größe um ein Netz der allgemeinen Versorgung handelt oder eine einfache Kundenanlage, war zwar für die Stromkunden im Baugebiet Roither Berg unerheblich, sorgte aber beim Netzbetreiber für rechtliche Unsicherheit. Bundesnetzagentur und Landesregulierungsanstalt waren sich nicht einig, wie ein solches lokales Stromnetz einzustufen ist.

Die Behörden „befriedigt“

Um für Rechtssicherheit zu sorgen und den Kunden Besorgnis zu nehmen, entschied sich EVW letztlich für den Verkauf des Stromnetzes, so Baierl. „Wir befriedigen damit jetzt auch die Behörden“, erklärte Bayernwerk-Funktionär Krapf.

Die Wärmeversorgung des Gebiets durch das aktuell mit Erdgas betriebene Blockheizkraftwerk bleibt von dem Verkauf unberührt. Dieses bleibt bei EVW. „Wir stellen uns so auf, dass wir die Versorgung allein sicherstellen können“, versichert Baierl. Im administrativen Bereich hat sich EVW bereits Hilfe geholt und wird von der Naturstrom AG unterstützt. Auch das Telekommuniaktionsnetz bleibt bei EVW.

Rund die Hälfte der 116 Parzellen ist aktuell bebaut. Foto: Jaumann
Rund die Hälfte der 116 Parzellen ist aktuell bebaut. Foto: Jaumann

Mit seiner Erfahrung möchte das Bayernwerk das Vertrauen der Bürger in die örtliche Energieversorgung wieder herstellen, betont Dr. André Zorger, Leiter für Kommunen und Kooperationen in Ostbayern beim Bayernwerk. Im Interesse der Gemeinde und der Bürger vom Roither Berg werde eine sichere Stormversorgung gewährleistet, so Zorger. Für Karl Krapf „war es für uns eine Herzensangelegenheit, dass das funktioniert“. Krapf versichert, dass durch den Wechsel auf die bereits ans Stromnetz angeschlossenen Bürger am Roither Berg keine Kosten zukommen. Diese hätten ihren Anschluss ja bereits bezahlt. Eine kleine Unannehmlichkeit sei dennoch damit verbunden. Denn für den nötigen Austausch der Stromzähler müsste jemand zuhause sein. Die Anwohner erhielten demnächst Informationsschreiben des neuen Netzbetreibers.

Das Unternehmen „Bayernwerk Netz“

  • Leitungsnetz:

    Die Bayernwerk Netz GmbH bietet rund fünf Millionen Menschen eine Energieversorgung. Das Netzgebiet erstreckt sich über Unter- und Oberfranken, die Oberpfalz sowie Nieder- und Oberbayern. Mit seinem Stromnetz von rund 154 000 Kilometern Länge und seinem über 5800 Kilometer langen Erdgasnetz ist das Unternehmen eigenen Angaben nach der größte regionale Verteilnetzbetreiber in Bayern.

  • Mitarbeiter:

    Rund 2700 Mitarbeiter an mehr als 20 Standorten arbeiten am Energiesystem. In seinem Netz transportiert das Unternehmen nach eigenen Angaben zu 60 Prozent regenerative Energie. Dafür sorgten rund 265 000 regenerative Erzeugungsanlagen, die in das Netz des Bayernwerks einspeisten. Sitz des Unternehmens ist Regensburg. Die Bayernwerk Netz GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Bayernwerk AG.

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